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«Es ist der Weg meines Herzens»

Beat Mumenthaler gewinnt regelmässig internationale und nationale Preise für seine eindrücklichen Porträts. In der Ausstellung «The Last Swiss Holocaust Survivors» erzählen seine Fotografien ihre ganz eigenen Geschichten.

Irina Eftimie
Das Siegerbild, das Mumenthaler den ersten Platz der International Black & White Spiderawards bescherte.
Das Siegerbild, das Mumenthaler den ersten Platz der International Black & White Spiderawards bescherte.
Beat Mumenthaler

«Ich hatte ein tiefes Gefühl der Betroffenheit, mit dem ich nicht umzugehen wusste», sagt Beat Mumenthaler. Der Schweizer Starfotograf porträtierte für die Ausstellung «The Last Swiss ­Holocaust Surviors» Überlebende des Holocausts. Mit einem der eindrücklichen Porträts schaffte es Beat Mumenthaler auf den ­ersten Platz der International Black & White Spiderawards, bei denen sich Fotografen aus der ganzen Welt messen, und wurde von der gleichen Jury zum zweitbesten Fotografen des Jahres ernannt.

Der sensible Mumenthaler, der von Schweizer Bergbauern bis Arnold Schwarzenegger schon fast jeden vor der Linse hatte, hat gelernt, seine Feinfühligkeit auf seine Bilder zu übertragen und Menschen auf ihre ehrlichsten Momente zu reduzieren. Diese Eigenschaft könne aber auch eine grosse Hürde darstellen.

Zwischen Nähe und Distanz

«Es ist nicht immer ganz einfach, im alltäglichen Leben so sensibel zu sein», sagt der 44-Jährige, der im Berner Oberland aufgewachsen ist. Jede Kleinigkeit, jede Gefühlsregung im Gegenüber werde von ihm registriert, was ihm vor allem als Lehrer Mühe bereitet habe.

«Es war immer sehr schwierig, mich abzugrenzen», erklärt er. «Ich habe dann entschieden, den Weg eines Künstlers zu gehen und mich auf die Fotografie zu konzentrieren, weil ich da meine Sensibilität viel besser einsetzen kann. Es ist ein idealistischer Weg, aber es ist der Weg meines Herzens.» In seiner Kunst verbinde er die Sensibilität mit Professionalität.

«Es ist ein Spiel zwischen Nähe und Distanz. Ich habe sehr viel Respekt vor dem Menschen, weiss aber, wie ich ehrliche und natürliche Momente einfangen kann», sagt Mumenthaler. «Mich fasziniert dieses Einfangen von Momenten, weil Menschen immer in Bewegung sind und ich damit einen bestimmten Augenblick einfrieren kann.»

Die Fotografien von Beat Mumenthaler werden – um der Ehrlichkeit die gebührende Bedeutung zu geben – auf das Nötigste reduziert. «Ich benutze kaum Technik. Meistens entstehen die Porträts lediglich mit einer Lichtquelle und meiner Kamera», sagt der Fotograf.

«Die Bilder sind deshalb voll auf die Person und die Kraft der Persönlichkeit fokussiert. Viele denken, dass sie das auch könnten, und von der Technik her haben sie bestimmt auch recht damit. Es geht aber um den Menschen, der seine natürlichste Seite zeigt, und das macht meine Kunst aus.»

Menschennahe Projekte

Das Leben als brotloser Künstler sei aber nicht immer einfach, denn der Markt in der Schweiz sei schon völlig übersättigt. «Ich möchte meine Kunst exklusiv ­behalten, weshalb ich nicht zu einem kommerziellen Beauty- oder Fashionfotografen werden möchte», sagt er.

Die Wettbewerbe gäben ihm die nötige Bestätigung von Experten, dass er nicht einfach nur schöne Fotografien mache, sondern auch das Talent dafür zeige, im richtigen Moment abzudrücken. «Für mich sind die Wettbewerbe eine echte Rückmeldung und eine Standortbestimmung.»

Obwohl er bereits das Bundesratsfoto geschossen und verschiedene prominente Personen aus der ganzen Welt fotografiert habe, habe er noch eine riesige Liste mit Menschen, die er ablichten möchte. «Meine Zukunftsvision ist, dass ich noch mehr Chancen erhalte, menschennahe Projekte wie ‹The Last Swiss Holocaust Survivors› zu verwirklichen.»

Die Ausstellung gastiert noch bis zum Samstag im Kornhausforum in Bern. Weitere Ausstellungsdaten unter www.last-swiss-holocaust-survivors.ch.

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