«Es war so spannend, so begeisternd»

Interlaken

Hochkarätig besetztes Podium über die Mondlandung vor 50 Jahren und über die Faszination der Raumfahrt.

Die Expertenrunde (v.l.): Jürg Meister, Werner Gruber, Erich Gysling, Charles Raedersdorf, Daniel Hug und Guido Schwarz.

Die Expertenrunde (v.l.): Jürg Meister, Werner Gruber, Erich Gysling, Charles Raedersdorf, Daniel Hug und Guido Schwarz.

(Bild: Bruno Petroni)

«Im Geheimdienst Ihrer Majestät» zerstörte Agent 007 vor50 Jahren das Schilthorn – und ebenfalls vor 50 Jahren betrat erstmals ein Mensch den Mond. Grund genug, so entschiedenVeranstalter Ernie Soller und Maria Christina, einen Abend der James-Bond-Jubiläumstage Interlaken dem Thema Raumfahrt zu widmen. Die Podiumsdiskussion vom Mittwoch im Kunsthaus war hochkarätig besetzt und bescherte den rund fünfzig Zuhörenden überaus spannende, gescheite und witzige Unterhaltung.

Moderator Erich Gysling gelang es bestens, das geballte Wissen der Experten in für Laien verständliche Bahnen zu lenken. So getraute sich das Publikum denn auch immer wieder, Fragen zu stellen, was den zweistündigen Anlass zusätzlich belebte.

Gewissermassen den Countdown übernahm Guido Schwarz. Der Leiter des Swiss Space Museum fasste die Geschichte der Raumfahrt von Jules Verne bis kurz vor der Mondlandung in einer attraktiv visualisierten Chronologie zusammen. Einmal mehr staunte man dabei über die visionäre Begabung des französischen Autors, der schon 1865 die imaginäre Technik einer Reise zum Mond schilderte – so wie sie über 100 Jahre später dann auch tatsächlich stattfand. Doch der eigentliche Vater der Rakete sei ein gewisser Büchsenmeister namens Conrad Haas gewesen, geboren 1509 in Wien, ergänzte Werner Gruber. Der Direktor des Planetariums Wien, der auch schon mal Endzeitregisseur Roland Emmerich berät und in Österreich ein begehrter TV-Gast ist, brillierte an diesem Abend mit geradezu phänomenalem Kenntnisreichtum – und fast ebenso viel Humor.

Ein Spezialist ist auch Jürg Meister von der Uni Bern. Er erklärte das von ihm mitkonstruierte Sonnenwindsegel, das bisher bei fünf Mondlandungen aufgestellt worden war. Die Alufolie misst die Edelgasteile, zum Beispiel Helium und Neon, die von der Sonne mit rund 300 Kilometer/Sekunde weggeschleudert werden und Rückschlüsse auf den Kern des Zentralgestirns erlauben. Nostalgische Gefühle weckte Charles Raedersdorf, der zusammen mit Bruno Stanek vor 50 Jahren im Schweizer Fernsehen die erste Mondlandung kommentiert hatte. «Es war so spannend, so begeisternd, und man wusste ja nicht, wies ausgeht», erinnerte er sich. «Das vibriert noch heute in mir.» Und Daniel Hug von der Astronomischen Vereinigung Berner Oberland äusserte sich «fasziniert davon, wie auf wissenschaftlicher Ebene die USA und Russland kooperierten, nicht aber politisch». Das treffe leider nicht auf China zu, hielt Werner Gruber dazu fest. «China hat so viele intakte Startrampen wie der ganze Rest der Welt zusammen – kooperiert aber mit niemandem.»

Doch was ist überhaupt das Interessanteste an der Raumfahrt?, wollte Gysling am Ende wissen. Für Guido Schwarz ist es die Frage, «ob es im Weltall noch anderes Leben gibt». Noch weiter ging Jürg Meister: «Ich möchte wissen, ob der Raum endlich oder unendlich ist.»

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