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Es wott es Froueli z’Märit gah

Wenn gestandene Damen nicht widerstehen können: Vor der Faszination des Wattenwilmärit gibt es kein Entrinnen.

Für viele das Herz des Märit: das liebevoll zurechtgemachte Nostalgie-Rösslispiel.
Für viele das Herz des Märit: das liebevoll zurechtgemachte Nostalgie-Rösslispiel.
Marc Imboden
Der Gärtnerin Traum: die Hochleistungsgartenschere.
Der Gärtnerin Traum: die Hochleistungsgartenschere.
Marc Imboden
Im Rausch der Farben: Der Halstuchstand versetzt Frauen in Entzücken.
Im Rausch der Farben: Der Halstuchstand versetzt Frauen in Entzücken.
Marc Imboden
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Väter und Mütter nehmen ihre Kinder mit zur Arbeit und zeigen ihnen, was Mami und Papi machen, wenn sie nicht zuhause sind. Was 2001 als Tochtertag begann, heisst heute Nationaler Zukunftstag und ist eine Erfolgsgeschichte: Jedes Jahr machen rund eine halbe Million Mädchen und Buben sowie namhafte Unternehmen mit.

Eine gute Sache – bloss: Sollte es so etwas nicht auch für Ehe- und Lebenspartner geben? Dem geliebten Menschen über die Schulter schauen, während sich dieser durch die Freunden und Leiden des Erwerbslebens schlängelt, fördert das Verständnis für allfällige schlechte Launen im Feierabend und kann einer Beziehung schliesslich nur zu Gute kommen.

«Warum also nicht die Ehefrau an den Wattenwilmärit mitnehmen?», fragt sich der Reporter, für den der erste Mittwoch im Oktober seit Jahren sowohl Pflicht, als auch Vergnügen bedeutet. «Und warum die Liebste nicht zum Dreh- und Angelpunkt der Reportage machen, zumal sie diesen Märit noch nie besucht hat?»

So ziehen sie denn los an diesem Morgen. Gattin hat ein klares Ziel vor Augen: Sie will ein Spielzeug finden für ihren Neveu, der nächstens 5-jährig wird. Frau hat auch ganz klare Vorstellungen: Es soll nicht aus Plastik sein – wegen Wegwerfgesellschaft und Greta und überhaupt. Holz heisst das Material der Wahl – alles andere ist zweitrangig.

Gartenschere Nr. 101

Doch das Ziel rückt nach ein paar Minuten auf dem Markt in den Hintergrund: Es ist ein Messer- und Werkzeugstand, der das Ehepaar magnetisch anzieht. Die Augen der Lieblingsgärtnerin saugen sich an den Gartenscheren fest, und der Instinkt des Verkäufers sagt lautlos: «Das wird mein erster Deal heute!» «Ich habe ja schon etwa 100 Gartenscheren», antwortet die Gärtnerin deutlich vernehmbar.

«Ja, aber nicht eine von diesen», kitzelt der Kaufmann die Kauflust der potenziellen Käuferin und demonstriert, mit welchen dicken Ästen seine Scheren fertig werden. Kurz darauf ist der Deal perfekt und das neue Gartenwerkzeug in der Tasche.

Zurück zur eigentlich Märitmission: Pädagogisch wertvolles Spielzeug aus Holz mit dem Waldorf- und Montessori-Gütesiegel ist nicht in Sicht. Der Reporter versucht seiner Liebsten eine Alternative schmackhaft zu machen: Warum nicht etwas von diesem Plastikramsch in schreienden Farben, den Kinder so gerne mögen?

Warum nicht einen politisch und pädagogisch völlig indiskutablen Spielzeugrevolver – oder spielen die Jungs heute etwa nicht mehr Cowboys und Indianer? Ein Augenrollen ist die einzige Antwort, die er erhält. Am liebsten würde die Liebste das alte Rösslispiel kaufen, das so liebevoll zurechtgemacht ist, dass sie aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Dieser Plan wird aber wegen dem Preis und dem Transport nicht weiter verfolgt. Zudem würden die Wilh. Bruder Söhne aus Waldkirch dieses Bijou wohl kaum verkaufen.

Man verbannt den Neveu und seinen Geburtstag in die Zwischenablage des Gehirns und verfolgt den zweiten Punkt auf der To-Do-Liste. Damit geht es weiter zum Stand mit den wunderbaren Seifen aus der Provence, die in Geruch, Farbe und Form so vielfältig sind, dass die Wahl eine Qual ist. Die grüne Zitronenseife sticht die gelbe Zitronenseife aus, und ihr zur Seite gesellen sich Sandelholz und Marine. Letztere riecht aber nicht etwa nach Fisch und – hoffentlich! – auch nicht nach Mme Le Pen.

Die Tücher des Glücks

Was für einen Alkoholiker der Schnapsladen, ist der Halstuchstand für des Reporters Liebste. Ein anderes Paar steht bereits da: Sie aht und oht in heller Verzückung, was ihm ein «Du hast doch schon genug Halstücher» entlockt. Anfänger, schiesst es dem Reporter und Ehefrauenversteher durch den Kopf. Schuhfrauen haben nie genug Schuhe, Halstuchfrauen nie genug Halstücher. Ist einfach so, komm damit klar, Kamerad! Ein super-edles Seidenteil gesellt sich zu Gartenschere und Seifen, hinzu kommen später Leckereien aus der Welt des Zuckers.

Frau hat Halstuch, Frau ist glücklich und wird sich den ersten Mittwoch im Oktober künftig in ihrer Agenda rot anstreichen. Wie die rund 10'000 Personen, die jedes Jahr durch die Stände flanieren, weiss nun auch sie: Der Wattenwilmärit fägt, auch wenn man nicht immer findet, was man zu suchen hofft. Wie wärs übrigens mit einem Paar pädagogisch wertvoller Socken aus artgerecht aufgezogener Baumwolle für den Neveu?

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