Thun

Feuer und Flamme für Freestyle

ThunSchnee liegt noch kaum auf den Bergen, dafür vor der Stockhorn-Arena. Zumindest am Wochenende, als dort Brett- und andere Sportler am ersten «Freestyle Roots» durch die Luft flogen.

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Brett. Fünf Buchstaben, viele Funktionen. Nirgends lässt sich das besser beobachten als am «Freestyle Roots», dem Event für Musik, Kunst, Brett- und andere Sportler, der am Wochenende zum ersten Mal stattfand auf der Esplanade zwischen der Stockhorn-Arena und dem Panorama-Center.

Ein Besucher nutzte sein Skateboard als Serviertablett, balancierte darauf Bierbecher von der Bar zu den Getränkeempfängern. Skater, die ihre Begeisterung über einen gelungenen Trick ausdrücken wollten, klatschten nicht in die Hände, sondern hämmerten ihr Skateboard auf die Kante der Halfpipe. Und Aufmerksamkeit war jenen garantiert, die das Brett in die Füsse der angepeilten Gesprächspartner kickten.

Zugegeben: Die Bretter wurden in verschiedensten Workshops und Wettkämpfen auch eingesetzt für ihre Kernzwecke – als Sportgeräte. Wobei rasch die Vermutung auftaucht, dass der Begriff Sport allein dem Gebotenen nicht gerecht wird, fährt doch immer auch die Kunst mit, wenn die Athleten durch die Luft wirbeln, ihre Tricks vollführen.

Die Jugend am Start

Neue Kunststücke lernen, das ist der Grund, warum Lena Schmid aus Zürich angereist ist. Die Zehnjährige beobachtete genau, wie die Profis mit ihren Skateboards umgingen, und versuchte, das Gesehene in der Halfpipe gleich umzusetzen. «An Wettkämpfen muss ich immer gegen Jungs antreten, das ist hart. Da bin ich froh um jeden neuen Trick, den ich lerne.»

Starker Nachwuchs, das ist auch ein Anliegen von Simon Stricker aus Zürich. Seit 16 Jahren fährt er Skateboard, will an Olympia 2020 die Schweiz in dieser Disziplin vertreten. Am «Freestyle Roots» zeigte er den Kindern, wie sie aufspringen können, während das Skateboard an ihren Füssen haften bleibt.

«An Wettkämpfen muss ich immer gegen Jungs antreten, das ist hart. Da bin ich froh um jeden neuen Trick, den ich lerne.»Lena Schmid (10) aus Zürich

«Ich möchte den Kindern vor allem die Freude am Sport vermitteln. Als ich klein war, trainierte ich auch mit erfahrenen Athleten, das motivierte mich immer extrem, weiter zu üben.»

Genügend geübt hat Gian Sutter aus Pfäffikon. Genügend jedenfalls, um die Jury des Snowboard-Contests zu überzeugen und sich den Preis des «Jury-Lieblings» zu sichern. «Ich bin Mitglied im A-Kader von Swiss Snowboard, dadurch konnte ich auch im Sommer trainieren. Das war sicher ein Vorteil den anderen Teilnehmern gegenüber.» Auch lobte er die Qualität des Schnees – abgetragenes Eis aus den Eishallen von Biel und Langenthal.

Kampf der Disziplinen

Etwas abseits der Schanzen für die Sportlerinnen und Sportler war eine Wand aufgebaut, circa zehn Meter lang. Weiss die Ursprungsfarbe, bevor Graffitikünstler sie eindeckten mit Farbe. Einer von ihnen war Valentin Schmidt aus Bern.

Sein Werk: die Buchstaben SCUW. «Bedeutung hat dieses Wort keine, ich mag einfach die Formen darin.» Dass sein Produkt nur zwei Tage lebte, bedauert er nicht: «Die Vergänglichkeit ist Teil der Kultur. Unsere Werke werden immer entweder entfernt oder übersprayt.»

Während am Nachmittag jede Freestyle-Disziplin ihr eigenes Programm durchzog, traten am «Battle of Freestyle» am Samstagabend alle Sparten gegeneinander an: DJ vs. Breakdance vs. Graffiti vs. Bike vs. Skate vs. Snowboard vs. Ski. Fünf Minuten Zeit hatte jede Crew, die anderen von ihrem Können zu überzeugen.

Die Snowboarder setzten auf nackte Oberkörper und Pobacken; die Skater entflammten Teile der Halfpipe. Welche zwei Disziplinen in den Final einzogen, bestimmten die Crews. So kamen die Skater und die Snowboarder zu ihren zweiten fünf Minuten.

Über den Sieg richtete schliesslich der Applaus des Publikums – und zwar zugunsten der Brettsportler auf Rollen. Wohl nicht zuletzt dank der Wandelbarkeit ihres Arbeitsinstruments. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 15.10.2018, 06:17 Uhr

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