Thun

Flüchtlinge benutzen in der Bibliothek rege das Internet

ThunVon Thun4Refugees organisiert, von der Stadt zur Ver­fügung gestellt: Die Flücht­linge erhalten in der Stadt­bibliothek Internetzugang.

Im Untergeschoss der Stadtbibliothek: Die Flüchtlinge nutzen den Internetzugang rege.

Im Untergeschoss der Stadtbibliothek: Die Flüchtlinge nutzen den Internetzugang rege. Bild: Patric Spahni

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«Als öffentliche Bibliothek sind wir gerne bereit, mit unseren Möglichkeiten zu helfen. Wir gehen davon aus, dass bis Juni 2016 laufend neue Flüchtlinge ein­treffen werden.» Mit diesen Zeilen an der Informationstafel in der Stadtbibliothek an der Bahnhofstrasse werden die Kundinnen und Kunden über die vor­übergehende Internetnutzung im Untergeschoss im DVD- und CD-Bereich durch Flüchtlinge informiert, und zugleich wird um Verständnis gebeten.

Die Laptops werden von Thun­4Refugees jeden Morgen eingerichtet und am Nachmittag auch wieder heruntergefahren.

Bis jetzt kaum Reklamationen

Ein Blick vor Ort zeigt: Das An­gebot wird rege genutzt. Alle Laptops sind im Einsatz. Konzentriert lesen die Asylsuchenden Nachrichten, chatten und schauen mit neugierigem Blick auf, wenn Kundinnen und Kunden in ihrer Nähe auftauchen.

«Abgesehen von einzelnen Ausnahmen, die uns von Kundinnen gemeldet worden sind, wird die vorübergehende Anwesenheit der Asylsuchenden aus dem Bundesasylzentrum offenbar akzeptiert», sagt Bibliotheksleiterin Jeanne Froidevaux-Müller. Reklamationen gebe es bis jetzt kaum. Manchmal seien mehr Flüchtlinge anwesend, als es Laptops gebe, und das könne unter den Wartenden zu angeregten Gesprächen führen.

«Doch in solchen Fällen gehen wir zu ihnen hinunter, und sie sind sofort wieder ruhiger», sagt die Leiterin. «Wir hoffen weiterhin auf das Verständnis aller, denn es ist den Flüchtlingen wichtig, dass sie den Kontakt zur Familie und zu Freunden auf diese Weise aufrechterhalten können.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.01.2016, 08:51 Uhr

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«Leider haben sich Frauen schon belästigt gefühlt»

Die Mehrheit der Flüchtlinge ist ruhig und kooperativ, eine Minderheit sorgt für Probleme. Unter anderem fühlen sich vereinzelt Frauen belästigt.

Wie für das Bundesamt für Mi­gration (SEM) und für Thun4­Refugees (vgl. Haupttext und Kontext) ist auch für die Stadt Thun das Schlüsselwort für die Prävention «Beschäftigungsangebote». «Zwar verhalten sich die meisten Flüchtlinge, die im Bundesasylzentrum auf dem Waffenplatz vorübergehend einquartiert sind, korrekt und kooperieren», sagt SP-Gemeinderat Peter Siegenthaler im Namen der Stadt, die für die Sicherheit im öffentlichen Raum und für die freiwilligen Beschäftigungsprogramme verantwortlich ist. «Doch es gibt wie so oft einzelne Personen, welche Schwierigkeiten bereiten.»
Randständige und Flüchtlinge
In diesem Fall sind es insbesondere ein paar Asylsuchende, die im öffentlichen Raum auf Randständige treffen. «Zwei Gruppen, die viel Zeit haben, finden unweigerlich zueinander», sagt Siegenthaler. Daher würden die auf reduziertem Niveau gehaltenen Einsätze der Aktion «Marathon» nach Bedarf leicht angepasst. «Denn ich dulde keinesfalls», betont der Gemeinderat, «dass sich in Thun wieder wie in früheren Zeiten eine offene Szene bilden kann.»
Das Wichtigste bleibe, weiterhin das Angebot der Aktivitäten aufzubauen. «Wenn wir sie beschäftigen können, ist auch ein Nutzen für die Allgemeinheit erkennbar und ersichtlich», ist der Gemeinderat überzeugt. Die Begleitgruppe des SEM habe sich bisher einmal getroffen. Die Stadt ihrerseits sei dabei, mögliche Arbeitseinsätze vorzubereiten, etwa im Bereich Unterhalt Mobiliar und Parkanlagen oder mit Aktionen wie Veloputzen. «Wir werden zwischen zwanzig und dreissig Personen beschäftigen können», schätzt er.
Frauen fühlen sich belästigt
Zudem sind laut Siegenthaler einzelne Meldungen bei der Polizei wegen Ladendiebstahls eingegangen oder von Frauen, die sich geängstigt oder belästigt gefühlt hätten. Doch es sei natürlich schwierig zu beurteilen, ob es sich dabei um Flüchtlinge aus dem Bundesasylzentrum gehandelt habe. «Zwar kann kein Vergleich mit den Übergriffen wie in Köln und anderen Städten gezogen werden, doch es ist Tatsache, dass es in einzelnen Fällen auch in Thun zu Beläs­tigungen gegenüber Frauen kam», sagt der Gemeinderat.
«Abgesehen von Auseinandersetzungen im Zentrums selber unter den Flüchtlingen sind uns bis jetzt im öffentlichen Raum keine grösseren Gewaltdelikte oder andere grobe Fälle bekannt», sagt er. Beobachtungen sollen unbedingt der 24-Stunden-Hotline 058 465?47?44 oder auch der Polizei gemeldet werden (vgl. auch Kasten Polizei). Auch der temporär als neuer Beauftragter für Freiwilligenarbeit im Asylwesen zuständige Heinz Bucher nimmt im Bereich der Freiwilligenhilfsangebote weiterhin per E-Mail über heinz.bucher@thun.ch und dienstags von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr über die Nummer 033 225?84?50 Meldungen entgegen. «Bis jetzt sind mehrere Dutzend Ange­bote, für die ich sehr dankbar bin, und vereinzelt Reklamationen eingegangen», sagt Peter Siegenthaler.
Minderheit schadet allen
Aus all diesen Gründen fällt Siegenthalers Bilanz punkto Bundesasylzentrum und allem, was es mit sich bringe, durchzogen aus. Es sei beachtenswert, in welcher Geschwindigkeit alle Beteiligten – insbesondere SEM, ORS Service AG, Stadt, Militär und Polizei – ein solches Zentrum eingerichtet und in ­Betrieb genommen hätten. «Es funktioniert so weit gut, und zugleich geht es leider nicht ohne Probleme.» Obwohl es nur eine kleine Minderheit ist, die Probleme bereitet. «Es sind diese Leute, welche die guten Absichten der Bevölkerung und der Behörden erschweren», betont der Gemeinderat. «Das ist für alle Beteiligten sehr ärgerlich und kontraproduktiv.»sft

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