Frauen, wo bleibt ihr?

Steffisburg

Familie, Beruf und Politik: Wie Frauen alle diese Hüte tragen können, darüber sprachen am Freitagabend in Steffisburg vier, die es wissen müssen.

FDP-Schweiz-Präsidentin Petra Gössi plädierte für mehr Frauen in den Parlamenten: «Studien beweisen: Gemischte Teams arbeiten besser.»

FDP-Schweiz-Präsidentin Petra Gössi plädierte für mehr Frauen in den Parlamenten: «Studien beweisen: Gemischte Teams arbeiten besser.»

(Bild: Raphael Thielmann)

Die FDP Steffisburg lud zum Podium in die Schüür, an dem vier Frauen berichteten, wie sie Familie, Beruf und Politik schultern. Eine ungewöhnliche Ausgangslage, wie Moderatorin Nathalie Christen, SRF-Bundeshaus-Reporterin, sagte: «Reine Frauenpodien sind nicht die Regel.»

Auch in Parlamenten sind Frauen in der Minderheit. Dass sich das ändern müsse, stellte niemand infrage, zumal FDP-Schweiz-Präsidentin Petra Gössi Wissenschaft und Wirtschaft ins Spiel brachte: «Studien beweisen: Gemischte Teams arbeiten besser.» Anita Luginbühl, BDP-Grossrätin und Geschäftsfrau, bemühte sich, für die vergangenen Grossratswahlen Frauen für eine Kandidatur zu motivieren: «Zehn Frauen fragte ich an. Zusagen erhielt ich drei – nach mehrmaligem Nachfragen.» Die Ursachen, warum sich Frauen eine Kandidatur doppelt und dreifach überlegen: Perfektionismus, die raue Tonalität in der Politik, der finanzielle Aufwand, Kinder.

Wendepunkt Spital

Letztere sind ein Grund, warum Carmen Bähler nie mit einem Politamt liebäugelte. Lieber widmet sie sich ihren 15-jährigen Drillingen und der 19-jährigen Tochter. Dazu ist sie Aerobic-Lehrerin, Spital-Sekretärin, Triathletin. Als die Kinder klein waren, hetzte sie zwischen Fitnessstudio, Hort und Küche hin und her.

Bis die Quittung kam, ein Hirntumor, auch als «Stresstumor» bekannt: «Ich wurde ruhiger. Erlaube mir, auch mal auszuspannen.» Heute gehe es ihr gut. Das Spital war auch, was Judith Wyder, mehrfache Welt- und Europameisterin im Orientierungslauf, auf einen Reflexionsweg schickte, der im Rücktritt mündete.

Während sie an der WM in Lettland zu Gold lief, fuhr ihr Mann die elf Monate alte Tochter ins Spital, Bronchitis. Acht Wochen später die- selbe Situation, das Rennen in Norwegen. «Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich fragte mich, ob das von der Gesellschaft und dem Mutterbild oder meinem Willen ausgelöst wurde.» Sie kam zum Schluss: von beidem.

«Familie, Beruf, Politik – erfahrungsgemäss können die meisten Menschen zwei Sachen davon machen», resümierte Petra Gössi. Und auch das nur, wer ein starkes Netz von Freunden und Familie besitze. Dazu gehört gemäss Carmen Bähler ein «emanzipierter Mann, der sich im gleichen Mass um Haushalt und Kinder kümmert.»

Thuner Tagblatt

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