Freistatt: Erste Pflöcke sind eingeschlagen

Thun

Über ein Jahr lang wurde geplant, jetzt stellt die Stadt Thun die Ergebnisse der Testplanung für das Freistatt-Areal vor. Das Areal soll dichter überbaut werden und Platz für 170 moderne Wohnungen bieten. Auch ein Quartierzentrum soll entstehen.

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Kleine und sanierungsbedürftige Wohnungen, grosse Gärten und eine geringe Nutzung des Bodens: So umschrieb Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP) am Dienstag vor den Medien die heutige Situation der Siedlung der Gemeinnützigen Bau- und Wohngenossenschaft Freistatt (GBWG). Aber auch die Wohnblöcke der Stadt im Bereich Schützenweg und Mattenstrasse sind sanierungsbedürftig.

Einbezogen in die Ende 2015 lancierte Testplanung wurde ebenfalls das Areal der Post an der Länggasse.Drei interdisziplinäre Teams entwarfen im letzten Jahr Szenarien zur künftigen Nutzung und Neugestaltung des Areals. Dabei konnten sich auch rund 40 Vertreter politischer Parteien und anderer Organisationen sowie Anwohner einbringen.

«Die Ergebnisse der Testplanung sind nun in einem Bericht zusammengefasst, welcher der Stadt als Grundlage für die Ausarbeitung der nötigen Zonenplanänderung und die Vorbereitung eines Architekturwettbewerbs dient», sagte Projektleiter Thomas Judt. Die Vorschläge werden noch bis zum 24. März im Thuner Rathaus vorgestellt.

Unterschiedliche Ansätze

Die drei Projekte verfolgen sehr unterschiedliche Ansätze. So sieht das Team 1 der Viktor Burri AG Architekten Thun und von Ballmoos Krucker Architekten AG Zürich für den Teil Freistatt eine Zeilenbebauung mit einer grossen, gemeinsam nutzbaren Mittelzone vor.

Die drei- bis fünfgeschossigen Gebäude sollen von der Länggasse her erschlossen werden. Im westlichen Teil soll es unter anderem ein Hochhaus mit gemischter Nutzung und einem Quartierplatz geben. «Die Ausnützung wäre etwa dreimal so gross wie heute», ergänzte Judt.

Das Team 2 der Salewski & Kretz Architekten GmbH aus Zürich möchte die vordere Häuserzeile entlang der Länggasse sanieren und erhalten, die heutigen Vorgärten aber zu einem öffentlichen Park umnutzen. Die hintere Häuserzeile soll abgerissen und durch viergeschossige Bauten ersetzt werden.

Das Team 3 Yellow Z aus Zürich schlägt wiederum ein völlig anderes Vorgehen vor: Zwei Hofbebauungen mit 5 bis 6 Geschossen, ergänzt mit Einzelbauten, sollen eine möglichst hohe Ausnützung des Bodens ermöglichen. «Dieses Projekt mit einer Ausnützungsziffer von 1,4 hat die Grenzen des Machbaren aufgezeigt», meinte Judt. Die Ausnützung wäre fast fünfmal höher als heute.

Ausnützungsziffer von 1,2

GBWG-Präsident Paul Rosser fasste die wichtigsten Schlussfolgerungen so zusammen: Realistisch und verträglich sei eine ­maximale Ausnützungsziffer von 1,2. Damit könnten etwa 170 ­moderne Wohnungen entstehen. «Dabei soll der westliche Teil ­etwas dichter überbaut werden als der östliche Teil», sagte Rosser. Im Teil Freistatt solle die längliche Ausrichtung beibehalten werden, im Teil von Stadt und Post seien diverse Varianten möglich.

Im Bereich des Kreisels Mattenstrasse und Länggasse soll ein höheres Gebäude mit Post, Laden, Café und gemischter Nutzung entstehen. Dieses Gebäude hätte die Funktion eines Quartierzentrums. «Die Anzahl Stockwerke muss im Rahmen des Architekturwettbewerbs definiert werden», meinte Judt. Ansonsten wird eine Bauweise mit 4 bis 5 Geschossen angestrebt.

Nebst einem Quartierplatz soll auch innerhalb der Siedlung genügend Freiraum geschaffen werden, der als Treffpunkt und Erholungsraum für Jung und Alt dienen könne. Entstehen soll eine durchmischte Siedlung, die laut Rosser im Vergleich zu heute mehr Familienwohnungen enthält.

Damit sei auch klar, dass es zu einem Einschnitt bei der Bewohnerstruktur kommen werde. «Wir sind bereits seit fünf Jahren daran, neue Lösungen für die bisherigen Mieter zu finden», sagte Rosser. Neue Verträge würden zudem nur noch befristet abgeschlossen.

Baubeginn frühestens 2020

«Das Ergebnis der Testplanung wird nun in gewissen Punkten mit den Erkenntnissen und den Empfehlungen aus der laufenden Ortsplanungsrevision abgestimmt», erläuterte Judt das weitere Vorgehen. Danach könne die Zonenplanänderung wieder aufgenommen und voraussichtlich bis Ende 2018 genehmigt werden.

Anschliessend soll ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden, dessen Ergebnis laut Judt nicht vor Ende 2019 vorliege. Erst dann könnten etappenweise die konkreten Bauprojekte ausgearbeitet werden. «Ein Baubeginn wäre frühestens ab 2020 möglich», sagte Judt.

Der Zwischenschritt mit einer Testplanung hat sich nach Ansicht von Marianne Dumermuth gelohnt: «Thun erhält an einem guten Standort ohne zusätzlichen Landbedarf mehr neuzeitliche Wohnungen.» Das Quartier werde zudem städtebaulich aufgewertet. Auch die Zukunft der GBWG könne so langfristig sichergestellt werden.

www.thun.ch/freistatt

Thuner Tagblatt

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