Fusion erlitt Schiffbruch

Thun

Vor 150 Jahren: Die Thuner Dampfschifffahrtsgesellschaft suchte sich mit der neu gegründeten Gesellschaft in Interlaken zu vermählen. Doch die Aktionäre bremsten den Thuner Verwaltungsrat aus.

Fuhren weiterhin unter zwei verschiedenen Flaggen: Die Dampfschiffe der Thuner und der Interlakner Gesellschaft.

Fuhren weiterhin unter zwei verschiedenen Flaggen: Die Dampfschiffe der Thuner und der Interlakner Gesellschaft.

(Bild: Foto: ETH Zürich, Bildarchiv)

Die Dampfschifffahrtsgesellschaft in Thun beschloss Anfang Oktober 1869, eine Fusion mit der neu gegründeten Gesellschaft in Interlaken anzustreben. Die Oberländer Gesellschaft ihrerseits bot Hand zu Verhandlungen und erhoffte sich, «ein einer mehrjährigen Konkurrenz gleichkommendes Resultat zu erreichen», wie es im «Thuner Blatt» vom 2. Oktober hiess.

Noch in demselben Monat erlitt die geplante Hochzeit aber bereits Schiffbruch. Die versammelten Aktionäre der Thuner Dampfschifffahrtsgesellschaft verwarfen das ausgehandelte Abkommen mit 221 zu 97 Stimmen. Die Herren v. Sinner, Ritschard und Knechtenhofer von Interlaken, Hauptmann J.W. Knechtenhofer von Thun und Jul. v. Stürler, welche die Fusion beantragt hatten, erklärten daraufhin ihren Austritt aus dem Verwaltungsrat.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

2.10.1869 Die Erbschaft des Herrn Notar Engemann sel. hat nach dessen Wunsch dem Schulfonds Fr. 1000 vermacht. Aus dem jährlichen Ertrag dieses Legates sollen Arbeitsstoffe für arme Mädchen, welche die Arbeitsschule geniessen, gekauft werden und den Kindern als Eigentum verbleiben.

2.10.1869 Bei schönem Wetter wurden am Mittwoch über 800 Stück Vieh auf den Markt gebracht. Vormittags war der Handel belebt, es wurde viel und zu ziemlich hohen Preisen gehandelt. Wie vorauszusehen, liess aber die Kauflust der anwesenden Händler gegen Mittag nach, und manches Stück wurde wieder heimgeführt.

2.10.1869 Unterzeichnete wäscht und reinigt von Flecken aller Arten Kleidungsstücke für Herren und Frauen sowie alle Wollstoffe, Tisch- und Bettdecken. Frau Felder im Schwäbis.

6.10.1869 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.98 bis 1.03. Kartoffeln per Zentner 2.50 bis 2.80. 9 bis 10 Eier für 60 Cts.

6.10.1869 Der Unterzeichnete befasst sich neben dem Verkauf von Fensterglas und Kitt auch mit dem Verglasen von zerbrochenen Fenstern unter billigster Berechnung. F. Wunderlich, Sohn, Glashandlung auf dem Plätzli.

9.10.1869Wichtig für die, welche gesonnen sind, sich bei Unterzeichnetem noch photographieren zu lassen, indem er nur noch kurze Zeit in Thun verbleiben wird. C. Händschel, Photograph.

9.10.1869 Herrn Theaterdirektor Schneider ist vom Gemeinderat die Bewilligung erteilt worden, in den Monaten Januar und Februar 1870 Theatervorstellungen geben zu dürfen. Derselbe hat eine Kaution von Fr. 1000 zu hinterlegen.

13.10.1869 (Mitgeteilt). Unter all den vielen Geldinstituten, die in den letzten Jahren überall in den Städten und auf dem Lande entstanden sind, hat wohl keines schneller Boden gefasst, in so hohem Grade sich das Zutrauen der gesamten Bevölkerung des oberen Kantonsteils gewonnen, als die Spar- und Leihkasse Thun. Sie blüht mehr und mehr auf zur eigentlichen Volkskasse des oberen Kantonsteils.

13.10.1869 Unterzeichneter zeigt dem Publikum an, dass er in seiner Wirtschaft zum Maulbeerbaum eine Schweinemetzgerei betreibt. Er empfiehlt sich daher, billige und gute Bedienung versprechend. F. Fischer.

16.10.1869 Barb. Hirschi, Hebamme und frühere Krankenwärterin in einem Spital, hat ihre Wohnung von Hofstetten in das Haus des Hrn. Zuckerbäcker Moser an der Hauptgasse verlegt und wird sich in hiesiger Stadt ihrem Beruf widmen.

16.10.1869 Café Steinbock. Kein Lagerbier mehr! Das obere Lokal bleibt bis auf weiteres geschlossen. In der unteren Stube (Waggon) neuer Waadtländer per Schoppen à 30 Cts.

16.10.1869 Von jetzt an wird der bisherige Frankenwein beim Unterzeichneten per Flasche zu 80 Centimes ausgeschenkt, über die Gasse noch billiger. Grossenbacher, Café du Commerce.

20.10.1869 Dampfschiffaktien-Verkauf. Man wünscht, mehrere Thuner- und Brienzersee-Aktien zu veräussern. Angebote werden unter Chiffre F.L. poste restante Thun entgegengenommen.

23.10.1869 Leider müssen wir mitteilen, dass die letzten Sommer von Genf der Stadt Thun geschenkten beiden schönen Schwäne Donnerstag, den 21. d., morgens tot aufgefunden wurden. Einem Marder oder einem anderen Raubtier muss es gelungen sein, in die Einfriedung einzubrechen und die beiden friedlichen Tiere zu töten.

23.10.1869 Allen in und um Thun, die mir Liebe und Freundschaft erwiesen haben und von denen ich nicht habe Abschied nehmen können, drücke ich nochmals herzlich die Hand.Dr. E. v. Muralt.

23.10.1869 Wichtig für Durstige! Ausgezeichnetes Schankbier im Café Steinbock. Das obere Lokal ist von Sonntag an wieder offen.

23.10.1869 Krebssuppe heute Samstagabend. Alle Tage Gallerichpastete, Vacherin du Mont d’Or. Speisewirtschaft W. Nö­thinger.

23.10.1869 Zum Verkaufen: Ein Velocipede, 3-rädrig mit 2 Sitzen, billig. Bei Jakob Zaugg im Zeughaus Thun.

27.10.1869 Die Versammlung vom letzten Sonntag hat beschlossen, vorläufig für den Bezirk Thun nur einen Nationalratskandidaten aufzustellen, und zwar den bisherigen, Nationalrat Zyro, Fürsprecher in Thun.

27.10.1869 Der Grasraub von den hiesigen Kasernen-Anlagen pro 1870 wird Samstag, den 30. Oktober nächsthin, vor den Büreau des Eidg. Kriegskommissariat unter den dannzumal zu eröffnenden Gedingen versteigert.

27.10.1869 Bei Hunziker, Schweinemetzger, sind alle Mittwoch frische Blut- und Leberwürste zu haben.

30.10.1869 Mit dieser Woche ist der Winter von den Bergen ins Tal gestiegen. Ein kalter Wind wirbelte zeitweise die Schneeflocken umher, als wäre es mitten im Hornung. Viele Früchte sind noch auf den Feldern und wurden vom Winter überrascht.

30.10.1869 Bekanntmachung. Den mehrfach geäusserten Wünschen nachkommend, habe ich neben meinem Brieffach auf hiesigem Postbüreau noch einen Briefeinwurf am Freienhofgebäude, links neben dem zum Anschlag von Publikationen dienenden Behälter angebracht. Derselbe ist verschliessbar und wird täglich 1–2 mal geöffnet. Glanzmann, Unterweibel und Verleser.

30.10.1869 Sogenanntes schmackhaftes Bauernbrod per 4 Pfd. à 50 Cts. bei Jenny, Bäcker beim Berntor.

30.10.1869 Otto Daub-Steiner, Küfer, hat seine Wohnung in das Haus des Herrn Baumann, vis-à-vis Hrn. Martis Buchdruckerei, verlegt. Er erlaubt sich zugleich, das Modisten-Geschäft seiner Frau in Erinnerung zu rufen.

Quelle: Stadtarchiv Thun

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