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Gaia-Festival mit üppigem Programm

Das Gaia-Festival giesst vom 1. bis 5. Mai ein überraschendes musikalisches Füllhorn über sein Publikum aus. Von selten gehörten Komponistinnen bis zum Discohit reicht das Spektrum.

Christina Burghagen
Dobrinka Tabakovas Stück «Insight» wird am 5. Mai in der Kirche Hilterfingen aufgeführt.
Dobrinka Tabakovas Stück «Insight» wird am 5. Mai in der Kirche Hilterfingen aufgeführt.
zvg

Wer sich das Programm des 11. Gaia-Festivals zu Gemüte führt, findet nicht nur eine Liste von Stücken bekannter Komponisten und deren Werkkennzeichnung. Vielmehr animiert die aussergewöhnliche Mischung, auf musikalische Trüffelsuche zu gehen. Zu den Delikatessen gehören sicherlich vier Frauen, die trotz männlicher Dominanz im 19. Jahrhundert in der Musik etwas zu sagen hatten oder aktuell wirken.

Musikalische Suffragette

«Ich möchte, dass Frauen sich grossen Aufgaben zuwenden. Sie sollen nicht dauernd an der Küste herumlungern, aus Angst davor, in See zu stechen», forderte Ethel Smyth (1858–1944) in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg und folgte dieser Vision ihr Leben lang. Stark in der britischen Suffragetten-Bewegung engagiert, kämpfte sie zeit ihres Lebens dafür, sich als Komponistin durchzusetzen. Sie wollte nicht als Lady aus der oberen Mittelschicht zum Zeitvertreib Musik schreiben, sondern von ihrer Hände Arbeit leben. Ihr «The March of the Women», eines ihrer bekanntesten Werke, erklang stimmgewaltig am 23. März 1911 zu einer Veranstaltung zum Frauenwahlrecht in der Royal Albert Hall und verbreitete sich schnell im Land. Smyth komponierte Sinfonien, Vokalmusik und auch Opern. Das Stück «The Clown» aus «Three Songs» (1913) wird am Gaia-Festival im Rahmen des Konzerts «Ungestillte Sehnsucht» am3. Mai im Parkhotel Gunten erklingen.

Musikalisches Genie

Die Pianistin und Sängerin Elisabeth von Herzogenberg (1847–1892) galt in Fachkreisen als Musikgenie. Mit Johannes Brahms, der kurzzeitig ihr Lehrer war, pflegte sie eine enge Freundschaft, er schickte ihr nicht selten Kompositionen, um ihre Meinung einzuholen. Im Jahr 1878 lernte sie die Musikstudentin Ethel Smyth kennen, mit der sie enge Freundschaft schloss und sie intensiv förderte. In Fachkreisen wird vermutet, dass von Herzogenberg inspiriert von Smyth zu komponieren begann. Nur wenige Werke von Her-zogenberg sind erhalten geblieben, so die 24 Volkskinderlieder und «Acht Klavierstücke». Im Galakonzert «Gestillte Sehnsucht» am 4. Mai im Schloss Oberhofen erklingt von ihr «Nachklang für Gesang und Klavier».

Musikalische Kämpferin

Anerkennende Worte erhielt Elisabeth von Herzogenberg nicht zuletzt von Clara Schumann (1819–1896), wohl der schillerndsten Gestalt in der Musikwelt des 19. Jahrhunderts. Die Ausnahmepianistin Clara Wieck, die für ihre Konzerte gefeiert wurde, setzte per Gericht durch, ihre grosse Liebe Robert Schumann heiraten zu dürfen, und trotzte so dem übermächtigen Vater Friedrich Wieck. Die achtfache Mutter und von Brahms angebetete Frau trug auf ihren Konzerten die Werke ihres Mannes in die Welt und bestritt den Hauptteil des Familieneinkommens. Robert Schumann litt später an Gehörhalluzinationen und weiteren psychischen Krankheiten als Spätfolge einer Syphilis, stürzte sich in den Rhein, was er nur knapp überlebte. Die letzten Jahre verbrachte der Komponist in einer Anstalt. Clara überlebte ihren Mann um 40 Jahre und komponierte zahlreiche Lieder, die teilweise nicht veröffentlicht wurden. Im Gaia-Konzert «Ungestillte Sehnsucht» am 3. Mai im Parkhotel Gunten erklingen die Stücke «Am Strande» op. 13, «Das ist ein Tag, der klingen mag» op. 23 Nr. 5, «Liebst du um Schönheit» op. 12 Nr. 4 und «Er ist gekommen in Sturm und Regen» op. 12 Nr. 2. Am Galakonzert «Gestillte Sehnsucht» am 4. Mai im Schloss Oberhofen folgt von ihr das Trio in g-Moll op. 17.

Musikalische Zeitgenossin

Obwohl sie erst 39 Jahre alt ist, hat die bulgarisch-britsche Komponistin Dobrinka Tabakova (geboren 1980) schon zahlreiche Orchesterwerke, Kammermusikstücke, eine Oper und einige Auszeichnungen vorzuweisen. Im Alter von 11 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach London, wo sie an der Alleyn’s School und an der Royal Academy of Music Junior Klavier, Dirigieren und Komposition studierte. In ihren Kompositionen blitzen immer wieder bulgarische Volksweisen auf, die Tabakova in perlende Musik voller kreativer Kraft einbettet. Im Abschlusskonzert «Erfüllung» am 5. Mai in der Kirche Hilterfingen wird das Stück für Streicher «Insight» konzertiert.

Gaia-Festival Oberhofen, 1.–5. Mai. Tickets, Details zu den Konzerten und Rahmenprogramm unter www.gaia-festival.com.

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