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Gipfeltreffen der Netten

Ist der Journalismus tat­sächlich so schlecht wie sein Ruf? Über die gegenwärtige Situation, Tendenzen und Entwicklungen diskutierten im Thuner Kino Rex gleich vier Chefs von lokalen Medien.

Sie diskutierten über die Medienlandschaft im Berner Oberland (v. l.): Martin Muerner (Radio BeO), Stefan Geissbühler («Thuner Tagblatt» / «Berner Oberländer»), Jürg Amsler («Berner Landbote») und Yves Brechbühler («Jungfrau-Zeitung»).
Sie diskutierten über die Medienlandschaft im Berner Oberland (v. l.): Martin Muerner (Radio BeO), Stefan Geissbühler («Thuner Tagblatt» / «Berner Oberländer»), Jürg Amsler («Berner Landbote») und Yves Brechbühler («Jungfrau-Zeitung»).
Stefan Kammermann

Es ist unbestritten: Seit der Erfindung des Internets hat sich die Medien­landschaft grundsätzlich verändert. Nachrichten sind überall und jederzeit in riesiger Fülle verfügbar, und dies meist gratis. Und weil immer weniger Leute gewillt sind, für Qualitätsjournalismus zu bezahlen, stehen die Redaktionen unter Druck.

Der Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» von Filmautor Dieter Fahrer zeigt auf, wie schnell sich auch in der Schweiz die Medien verändern, und er gewährt Einblicke in den Arbeitsalltag der Redaktionen von «Der Bund», «Echo der Zeit», «Watson» und «Repu­blik». Die Filmpremiere im Berner Oberland im Thuner Kino Rex war am Mittwochabend auch ein Gipfeltreffen von Verantwortungsträgern in der ­Berner Oberländer Medienlandschaft.

Gleich vier Chefs lokaler Medien stellten sich im Anschluss an den Film den Fragen von Moderator Jörg Weidmann und diskutierten über die gegenwärtige Situation, Tendenzen und Entwicklungen. Dabei brachte es Yves Brechbühler, Chefredaktor der «Jungfrau-Zeitung», rasch auf den Punkt: «Um die Medienlandschaft im Berner Oberland steht es nicht so schlecht», meinte er. Auch mit der kürzlich erfolgten Gebietserweiterung, namentlich in die Region Thun, gehe die Rechnung für die «Jungfrau-Zeitung» auf. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die «Jungfrau-Zeitung» auch stark auf Onlineausgaben setzt.

«Weil in der Berner Oberländer Medienlandschaft die Anbieter unterschiedliche Geschäftsmodelle fahren, sind wir auch so nett miteinander», hielt Stefan Geissbühler, Chefredaktor «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer», fest. Als «grosse Stärke» bezeichnete er die regionale Berichterstattung der beiden Tageszeitungen der Berner Oberland Medien AG. Deshalb setzen die beiden Blätter konsequent auf vertiefte regionale Recherchen und Kommentare.

«Kämpfen um jeden Rappen»

«Auch wir kämpfen um jeden Rappen», erläuterte Jürg Amsler, Redaktions­leiter «Berner Landbote». Er sprach ebenfalls die unterschiedlichen Geschäftsmodelle in der Oberländer Medienszene an. «Weil wir alle zwei Wochen erscheinen, müssen wir nicht ­vollumfänglich auf aktuellen Lokaljournalismus setzen, deshalb funktioniert es», so der Redaktionsleiter des «Berner Landboten».

«Wir müssen weiterhin und noch stärker auf das Lokale setzen», stellte schliesslich Martin Muerner, Geschäftsleiter von Radio BeO, klar. Denn die Fülle an Nachrichten im Internet werde weiter wachsen und zunehmend von Amerika kontrolliert. Dabei würden Milliarden an Werbegeldern ins Ausland fliessen. Deshalb dürfe die lokale Berichterstattung in keiner Weise vernachlässigt werden. Unterstützung erhielten die Medienleute aus dem Publikum. «Lokaljournalismus ist ein schwieriger Job, dazu braucht es Mut, seid weiterhin mutig», meinte ein Zu­hörer.

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