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Gletscher, Fische und Jugendsprache

61 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten präsentierten am Freitag in Interlaken ihre Maturaarbeiten. Die Themen reichten von Kunst im 15. Jahrhundert bis zur Zukunft der Oberländer Gletscher.

Die tosende Simme nach dem Ausbruch des Favergesees 2018 – solche Bilder gab es zum Auftakt.
Die tosende Simme nach dem Ausbruch des Favergesees 2018 – solche Bilder gab es zum Auftakt.

«Solche Bilder werden wir in Zukunft häufiger sehen», sagte Gil Matti, der am Freitag bei der Präsentation der Maturaarbeiten im Gymnasium Interlaken mit einer Filmsequenz von der tosenden Simme nach dem Ausbruch des Favergesees 2018 in die Präsentation seiner Arbeit einstieg. Gegenstand seiner Untersuchung war das Gefahrenpotenzial von Gletscherseen – und wie die Gemeinden damit umgehen. Das Thema betrifft fast das ganze Berner Oberland. Wegen des Klimawandels schmelzen die zahlreichen Gletscher, die heute noch 7 Prozent des Oberlands bedecken.

«Dabei werden in den nächsten Jahrzehnten über hundert Gletscherseen entstehen», sagte Gil Matti, der sich bei seiner Arbeit auf Daten des Oberingenieurkreises I, von Geotest und der ETH stützte. Genauer untersucht hat er vier Seen, die schon heute bestehen und mit ihren Ausbrüchen bedrohliche Hochwasser und Murgänge auslösten. Ausser dem Gruebengletscher (Guttannen), der sich schon nach dem Ende der Kleinen Eiszeit im 19. Jahrhundert bildete und vor dem Kraftwerkbau die Grimselstrasse bedrohte, entstanden die Seen in jüngerer Zeit.

Teure Erwärmung

Alle Gletscherseen werden ständig überwacht. Auf Abflussstollen und andere bauliche Sicherheitsmassnahmen konnte aber einzig beim Hubelgletschersee verzichtet werden. Bei der Plaine Morte und beim Unteren Grindelwaldgletscher wurde gebaut – «weil Schäden durch Gletscherhochwasser an Gebäuden, Kulturland und Verkehrswegen noch höher gewesen wären als die Baukosten», wie Gil Matti nach einer Frage aus dem Publikum erläuterte. Weitere Fragen bezogen sich auf die Entstehung der Gletscherseen, die unterschiedlich labil sind, je nachdem, ob sie in einer Felsmulde oder hinter lockerem Moränen- und Toteismaterial entstehen. Klar ist nur, dass alle Gletscher Mulden und Endmoränen zurücklassen, wenn sie sich zurückziehen – und damit auch Seen.

Diskutiert wurden auch die Chancen, die neue Gletscherseen für die Stromproduktion oder als Wasserspeicher bieten könnten. Allerdings ist nicht jeder neue See geeignet; denn wo kein Gletscher mehr die Talflanken stützt, drohen Rutschungen und Felsstürze, die Impulswellen auslösen können. «Mit dem Schmelzen der Gletscher verändert sich die ganze Landschaft», stellte Gil Matti fest. Und man merkte, dass er das bedauert. «Bisher war ich überhaupt kein Berggänger.» Für seine Maturaarbeit ist er aber mit seinem Vater zu den Gletscherseen hochgestiegen. Und dabei hat er nicht nur Lust auf Skitouren bekommen, sondern auch auf ein Studium, das in Richtung Naturgefahren oder Gletscherkunde geht.

Weit weg und ganz nah

Die Themenvielfalt der Maturaarbeiten war enorm und reichte von «Prometheus in der Kunst des 15. bis 18. Jahrhunderts» über medizinische Themen bis zu Physikexperimenten. Und etliche untersuchten Gegenstände, welche die jungen Forscherinnen und Forscher vor der Haustür gefunden hatten. So mass etwa Camille Meyer die Brienzlige in Berufsfischer Abegglens Fängen und verglich ihre Resultate mit historischen Untersuchungen; Emily Gunstone bestimmte die Kleinlebewesen in den Brienzer Wildbächen und fragte, was ihre Funde über die Qualität dieser Gewässer aussagen.

Melanie Schiefermüller und Sara von Allmen suchten nach Urbanität auf dem Bödeli und in Spiez, und Anasooya Urech ging der Jungendsprache auf dem Bödeli heute und vor einer Generation nach. Und Stephanie Gartenmann kam mit vielfältigen Frageansätzen zum Schluss, dass die Jungfraubahn wohl auch heute noch gebaut werden könnte – obwohl mehr «Player» Einfluss auf Konzessionierungen nehmen und die Zuständigkeiten gleichmässiger auf verschiedene Instanzen verteilt sind als um 1900.

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