Thun

Grosse Pläne mit dem Citymarkt

Thun Gastronomie, Handwerk, Kultur und Kinderhort: Ab dem kommenden Samstag kehrt mit dem Citymarkt neues Leben in die Räume des ehemaligen Thuner Kinos City ein – zumindest vorübergehend. Denn die neuen Mieter haben noch grössere Pläne.

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Da ist nichts mehr mit Versinken in die weichen Satinsessel. Wo man sich früher beim Tête-à-tête zur Not aus Furcht vor dem eigenen Mut noch im Halbdunkel verstecken konnte, ist der Saal jetzt mit warmem, aber klarem und hellem Licht durchflutet. Wo einst im heimeligen Kinosaal virtuelle Reisen an die verrücktesten Orte der Galaxie starteten, landen die Besucher derzeit auf dem harten und kalten Betonboden der Realität.

Im Parterre des Waaghauses an der Marktgasse 17 in Thun erinnert nichts mehr an die glorreiche Vergangenheit des Lokals. Nur wer ganz gut hinschaut, erkennt noch den Schriftzug über dem Fenster, hinter dem früher das Kassenpersonal sass: «Kino City» ist da zu lesen.

Gastro, Kultur und mehr

«Wir haben die Räume im Rohbau übernommen», sagt Joshua Steffen (36). Seit drei Wochen – gut anderthalb Jahre nach der Schliessung – wird im grossen Saal, der einst das Kino beherbergte, wieder gearbeitet. Lüftung, Wasseranschlüsse, sanitäre Anlagen: «Diese Basisinfrastruktur mussten wir selber einbauen, um unser Projekt realisieren zu können», so Steffen. «Wir»: Das ist der Verein Anna & Max (vgl. Kasten), gegründet von Jungunternehmer Joshua Steffen und Fabian Pauli (29), Gründer und Inhaber des Thuner Architekturbüros Akkurat.

«Unser Projekt»: Das ist die Zwischennutzung der früheren Kinoräume als Citymarkt für Gastronomie, Kultur und mehr. Vorerst hat der Verein die Liegenschaft bis Ende März 2018 gemietet. «Wir wollen in den kommenden Wochen zeigen, dass es uns gibt und was alles hier möglich ist», sagt Joshua Steffen.

«Thun hat Potenzial»

Er, der Thuner, der in Steffisburg lebt, war es, der zuerst die Idee einer gastronomisch-kulturellen Nutzung hatte und diese bei der Verwaltung platzierte. «Irgendwann sagten sie mir, dass da noch ein Mann mit ähnlichen Denkansätzen aufgetaucht sei», erzählt Steffen.

«Ich finde, dass Thun in diesem Bereich noch sehr viel Potenzial hat», sagt der Thuner Fabian Pauli. Rasch hätten sie ­gemerkt, dass ihre Ideen tat­sächlich sehr ähnlich seien: «Wir wollen den Raum vielfältig nutzen, wir wollen Begegnung ermöglichen, und wir möchten, dass in Thun etwas Neues entsteht», sagt Pauli. «Deshalb haben wir uns entschlossen, einen Verein zu gründen, der das Projekt Citymarkt umsetzt», sagt Steffen.

Kinderhort für Shopper

Finanziert von Sponsoren primär aus Thun, handwerklich getragen von viel ehrenamtlichem Engagement, ist in den letzten drei Wochen also langsam, aber stetig wieder Leben eingekehrt in die kahlen und leeren Räume. Neben der Bar und den Toiletten im Gold-Look dürfte der Creative Space für Kinder – zu Deutsch: der Kinderhort – zumindest an den ersten beiden Wochenenden, an denen der Citymarkt geöffnet ist, ein Highlight sein.

Unterstützt von der IGT, der Stadtbibliothek, der Ludothek und der Montessori Children’s Community in Thun bieten die Macher einen Hort für Kinder an, deren Eltern am Samstag oder am Sonntag gerne ohne ihre Sprösslinge in der Thuner Innenstadt shoppen wollen. «Ein solches Angebot ist für mich ein zentrales Anliegen», sagt Joshua Steffen. «Ich habe selber Kinder im Vorschulalter – und es gibt kaum Orte zum Ausgehen, an denen sich Kinder, Eltern und deren kinderlose Freunde alle gleichermassen wohlfühlen. Diese Angebotslücke wollen wir schliessen.»

Do it yourself und Design

Während der Kinderhort im Eingangs- und Foyerbereich des früheren Kinos angesiedelt ist, steht der ehemalige Kinosaal an den ersten beiden Wochenenden im Rahmen eines Do-it-yourself- und Designmarkts Anbietern und Anbieterinnen von Handwerk aller Art offen. Sie können ihre Ware an Ständen dem Publikum zum Verkauf anbieten; aber auch Bastel- und Kreativworkshops stehen auf dem Programm.

Diese Form der bunt durchmischten Nutzung ist ein wichtiges Standbein des Konzepts. So finanziert sich der Citymarkt laut Joshua Steffen zu einem Drittel aus Sponsoringbeiträgen, zu einem Drittel aus dem Gastro­erlös sowie zu einem Drittel aus Einnahmen aus der Vermietung von Ständen oder Flächen im ­Lokal.

Die Vision: Eine Markthalle

Um möglichst viele Nutzungsmöglichkeiten für den alten Kinosaal aufzeigen zu können, planen die Citymarkt-Macher in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder neue Konzepte in Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Anbietern. So sind Kulinarikwochen geplant, vor­übergehend wird womöglich ein Skatepark eingebaut, Kulturschaffende kriegen Zeit und Raum – bevor im März 2018 dann ein Versuch nach dem Vorbild der Markthalle in Bern lanciert werden soll.

Denn dies, das betonen Pauli und Steffen, dies wäre ihr ganz grosser Traum: eine definitive Nutzung des alten Kinos City als Markthalle. «Eine Art überdachter Mühleplatz, der dessen Angebot nicht konkurrenzieren, sondern ergänzen soll», umschreibt Fabian Pauli die Ideen, welche das Team wälzt. «Die Hausbesitzer, die Verwaltung und die anderen Mieter kennen diese Ideen», sagt Steffen. «Jetzt liegt es an uns, zu beweisen, dass im Konzept und in der Liegenschaft echtes Potenzial steckt.»


Do-it-yourself- und Designmarkt mit Kinderhort: Samstag/Sonntag 9./10. und 16./17. Dezember, jeweils 10 bis 18 Uhr.
www.citymarktthun.ch. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 07.12.2017, 10:31 Uhr

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Der Name des Vereins Anna & Max geht zurück auf Anna von Kyburg, welche einst als Erbin von Hartmann V. zur Besitzerin der Stadt Thun wurde. «Was mag sie wohl gedacht haben über die Zukunft von Thun? Was würde sie insbesondere heute für die Stadt Thun wollen?», fragt Fabian Pauli, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins Anna & Max, welcher den Citymarkt im ehemaligen Kino City betreibt (vgl. Haupttext).

«Doch Eberhart, der Name ihres Mannes, der passte uns dann irgendwie doch nicht», sagt Joshua Steffen, ebenfalls Mitgründer und Vorstandsmitglied. Deshalb habe man sich für Max entschieden, den Namen von Fabian Paulis Grossvater. «Beide Namen stehen für Menschen, welche mit Thun, ihrer Historie, Charakteristik und Identität verbunden sind», sagt Pauli. Gemäss der Internetseite des Citymarkts will der Verein nach dem «7K-Prinzip» Räume entwickeln: Mit Kulinarik, Kunst, Kommunikation, Kollaboration, Kultur und Gemeinschaft, kritischem Denken und kreativer ­Innovation.maz

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