Häftling stürzte vom Schlossturm

Vor 150 Jahren

Beim Versuch, einen Weg in die Freiheit zu finden, verunglückte ein Insasse des Schlossgefängnisses tödlich.

<b>Vom Schlossturm stürzte der Gefangene</b> Hess 70 Fuss (also etwa 20 Meter) tief und erlag wenig später seinen Verletzungen.

Vom Schlossturm stürzte der Gefangene Hess 70 Fuss (also etwa 20 Meter) tief und erlag wenig später seinen Verletzungen.

(Bild: Valerie Chetelat)

Am Samstag, 6. Februar 1869, berichtete das «Thuner Blatt» von folgendem tragischen Unfall: «In der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch verunglückte ein Gefangener, angeblich namens Suter, in Wirklichkeit aber Hess heissend, aus Aesch, Kt. Zürich, circa 35 Jahre alt.»

Derselbe sei Angestellter in einem hiesigen Geschäfte gewesen und seit Neujahr wegen Veruntreuungen verhaftet. «Mit zwei Anderen, die in der gleichen Zelle sich befanden», hiess es weiter, «wurde die Flucht von dem hohen Schlossthurme, vermittelst eines aus Bettstücken zusammengeknüpften Stranges, versucht.»

Suter (der ja eigentlich Hess hiess) habe sich zuerst hinuntergelassen; der Strang sei aber zerrissen, infolgedessen er «70 Fuss hoch hinabgestürzt und furchtbar zerschmettert» worden sei.

«Nachtwächter Bischoff fand Suter gegen 12 Uhr in diesem traurigen Zustande; mit Hülfe des Gefangenenwärters trug man den Verunglückten in ein Zimmer, wo er nach einer halben Stunde verschied.»

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

6.2.1869 Es wird angeregt, sich für den Besuch von Opern in Bern zu einer grösseren Gesellschaft zusammenzuschliessen und so von der Centralbahn einen Extrazug für die Rückfahrt zu erwirken.

6.2.1869 Das Budget für das Jahr 1869 wurde von der Einwohnergemeinde beinahe ohne Widerspruch angenommen. Am Platze der Herren Hofer und Amsler wurden die Herren Fried. Eberhard, Negotian, und August Häuselmann, Kassier der Spar- und Leihkasse Thun, in den Gemeinderat gewählt.

10.2.1869 Heute Abend Anstich von Wiener Bier bei Fritz Feller auf dem Plätzli.

13.2.1869 Herr Beetschen, der blinde, ausgezeichnete Violoncellospieler aus Bern, wird unter Mitwirkung zweier Mitglieder der dortigen Operngesellschaft in nächsten Tagen in Thun ein Concert geben.

13.2.1869 Das dem Publikum lästige sogenannte Gebeizheuschen am nächsten Hirsmontag, den 15. dies, wird bei einer Busse bis Fr. 10 von Polizei wegen verboten.

13.2.1869 Sehr schmackhaftes, halbrauches Brot per 4 Pfund zu 50 Cts. bei Jenni, Bäcker beim Berntor.

13.2.1869 Knallbonbons mit verschiedenen Kopfbedeckungen und Tierköpfen sowie mit ganzen Kleidungen. Erstere zu 35 u. 40 Cts., bei Bühlmann-Haag und Cie. vor der Allmendbrücke.

15.2.1869 Unterzeichnete zeigt hiermit an, dass sie von heute, den 15. Dezember an, im Kreuz zu Thun anzutreffen ist. Sie empfiehlt sich zur Operation von Hühneraugen. Frau Schigon aus Bern.

17.2.1869 Auswanderungswilligen bringen wir hiermit zur Kenntnis, dass die Abgeordneten der Einwanderungs-Gesellschaft von Nord-Carolina, nämlich die Herren Atkinson und Trueb, am Dienstag, den 23. Februar im Gasthof zum Kreuz in Thun zu treffen sind.

17.2.1869 Der am 11. d. M. ins Leben gerufene kirchliche Reform-Verein setzt sich zum Zweck, die religiösen Bedürfnisse unserer Zeit mit den Forderungen der Vernunft und Wissenschaft in Einklang zu bringen.

17.2.1869 Eine grössere Anzahl von Frauen und Töchtern hat ein Comite von 12 Gliedern gewählt, das die Vorbereitung zu einer Lotterie für die Krankenstube treffen soll.

17.2.1869 Die Liedertafel des Gesangsvereins war letzten Sonntag ungemein zahlreich besucht und der Falkensaal mit Zuhörern zum Ersticken angefüllt.

17.2.1869 In einem alten Haus an der Lauenen wurde vor einiger Zeit ein geschnitztes Getäfel aufgefunden und dem Hausbesitzer von einem Kunstkenner um Fr. 500 abgekauft. Es soll diese Arbeit aus dem 14. Jahrhundert stammen.

20.2.1869 Joh. Scheidegger, Bäcker, hat die Bäckerei nebst Kaffee-Wirtschaft im Hause des Hrn. Silberschmied Schenkel neben dem Bierhaus übernommen.

20.2.1869 Der Unterzeichnete, der den Gärtnerberuf gründlich erlernt und längere Zeit in der französischen Schweiz auch in der Praxis gearbeitet hat, empfiehlt sich einem geehrten Publikum für alle in die Gärtnerei einschlagenden Arbeiten. Friedrich Egli, Gärtner, Inhaber der Wirtschaft Bleuer im Bälliz.

20.2.1869 Die berechtigten Burger, die statt des diesjährigen Loosholzes die daherige Geldentschädigung zu beziehen wünschen, haben sich auf dem Büreau der Burgergemeinsverwaltung anschreiben lassen.

24.2.1869 Herr Kissling, Auswanderungs-Agent aus Bern, ist von nun an alle Samstag im Gasthof zum Ochsen in Thun anzutreffen.

24.2.1869 Den Vortrag, den Herr Pfarrer Langhans letzten Sonntag im hiesigen Falkensaale über die Zwecke und die Richtung des kirchlichen Reformvereins hielt, erfreute sich einer zahlreichen Zuhörerschaft. Es waren wenigstens 200 Männer und Frauen anwesend, darunter auch viele vom Lande.

27.2.1869 Einladung: Diejenigen, welche sich um Einführung einer Schwanen-Kolonie auf der oberen Aare interessieren, wollen sich heute Samstag, abends 7½ Uhr, im Café Freienhof einfinden.

27.2.1869 Jungfer Cecile Kurz bringt dem Ehrd. Publikum zur Kenntnis, dass sie das mit ihrer Schwester sel. geführte Woll-, Baumwoll- und Mercerie-Geschäft an der Kreuzgasse auf den 1. März nächsthin an Frau Teuscher-Meaubert übergibt.

27.2.1869 Infolge früherer Anregung in diesem Blatte beabsichtigen einige Kunst- und Musikfreunde, wenn sich eine genügende Anzahl Teilnehmer findet, zum Besuche der besseren Opern in Bern Extra-Eisenbahnzüge zu erhalten. Dadurch wäre nach Schluss des Theaters die Rückkehr nach Thun ermöglicht. Wer sich zu beteiligen wünscht, möge die auf dem Büreau des Blattes aufgelegte Liste unterzeichnen.

27.2.1869 Letzten Mittwoch verstarb Herr D. G. Immer, Arzt und Wundarzt. Manch armer Kranker fand bei ihm auf die uneigennützigste Weise Hülfe und Rat.

Quelle: Stadtarchiv

Thuner Tagblatt

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