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Heisse Rhythmen in gemischter Sauna

Zum ersten Mal wählten die Schlosskonzerte die Konzepthalle 6 als Aufführungsort, um eine Darbietung der jazzigen Art mit der kubanischen Musikerin Yilian Cañizares zu präsentieren.

Yilian Cañizares mit Bassist David Brito.
Yilian Cañizares mit Bassist David Brito.
Manuel Lopez

Mit einem Basssolo nimmt David Brito das Publikum mit auf die Reise nach Südamerika, bevor die Trommeln von Cyril Regamey pointiert als Herzschlag ein­setzen und das Piano von Daniel Stawinski zu einem temporeichen Ganzen vollendet.

Die Ouvertüre zum Programm «Invocación» lässt ahnen: Dieser Abend wird heiss! Mit wilder Mähne und knappem Kleidchen entert Yilian Cañizares die Bühne, singt «ja­laladi», lautmalende Melodien zu ihrem perfekten Bogenstrich. Beim Spiel bewegt sie kontrolliert die Hüften und vollführt zuweilen eine Art Kniebeuge.

Die Temperaturen in der Konzepthalle sind inzwischen ge­eignet, Eier auszubrüten und subtropische Gewächse zu züchten. Dafür sorgen die sorgfältig zugezogenen raumteilenden Vorhänge und die geschlossene Tür nach draussen, wo sich die Abendluft inzwischen weit gnädiger benimmt.

Das Stimmvolumen von Yilian Cañizares reicht von durchdringender Intensität bis schmeichelndem Timbre beim Wiegenlied. Der venezolanische Bassist Brito betört mit seinem Instrument, das perlende Spiel des deutschen Pianisten Stawinski legt einen Klangteppich, auf dem der Schweizer Regamey seine Perkussionsküche gekonnt beherrscht.

Die Herzwärme der Begleitband steht der Raumtemperatur in nichts nach. Bei einem sehnsüchtigen Liebeslied setzt die Künstlerin ihre weiblichen Reize einstudiert in Szene – eigentlich nicht nötig angesichts der musikalischen Brillanz. Die schwer arbeitenden Musizierenden trinken Wasser in grossen Schlucken.

Rund 140 Gäste be­finden sich im Konzert, dessen Reihen sich nach der Pause arg lichten – die saunaartige Hitze im Raum ist wohl Hauptgrund dafür. Eine Dame beschwert sich über die Drahtgeflechtstühle, warum es nicht mal Kissen gebe?

Zum Lied, das Cañizares Ve­nezuelas Kampf um Demokratie widmet, spielt der Perkussionist das Cajon und verleiht dem Stück eine herzzerreissende Intensität, die spannungsgeladenen Passagen des Ensembles bilden die Missstände im Land ab.

Rumbaklänge würden zum Tanzen auffordern, wenn die Hitze im Raum dies zuliesse. Die Künstlerin schafft es am Ende sogar, ihr tapferes Publikum zum Mitsingen zu animieren.

Das Lied einer schönen Sklavin betört so manchen mit klagenden Weisen. Nach einer Zugabe verlassen die Gäste die gemischte Sauna, der ein paar Ventilatoren nicht schlecht angestanden hätten.

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