«Heit haut Päch, syt nid d Mehrheit»

Heimberg

Der Berndeutsch-Prophet Ben Vatter feierte in der Aula die «Buchtaufe und Plattenvernissage» seines Buches «Gvätterle». Sein Auftritt war nicht nur leichte Kost.

Ben Vatter bei seinem Auftritt in der Aula Heimberg. Foto: Julian Seidl

Ben Vatter bei seinem Auftritt in der Aula Heimberg. Foto: Julian Seidl

Julian Seidl

«Ich bringe euch heute alle um», schreit Ben Vatter von der Bühne in den dunkel gewordenen Saal. Die Stimmung scheint bedrückt, die über hundert Zuschauer in der neuen Aula in Heimberg sind angespannt. Obwohl Ben Vatter vor allem auch für seine heiteren Berndeutsch-Texte bekannt ist, macht er an diesem Donnerstagabend auch schwer verdauliche Kost zum Thema.

Jetzt geht es gerade um den Terrorismus und den daraus resultierenden Medienrummel. Es ist wohl die Hassliebe zu einer Platte, die Vatter schon als kleiner Junge faszinierte und ihn auch zu kritischen Texten inspiriere: «Lieder zum Fürchten» heisst sie und stammt vom österreichischen Komponisten und Dichter Georg Kreisler. «Kreisler war immer ein Vorbild von mir», verrät Vatter dem Publikum, das, wie er später selbst sagt, in seinem Programm auch unten durch müsse.

Doch Ben Vatter macht dem Publikum nicht nur Angst, nein, er spricht viele aktuelle Problematiken unserer heutigen Zeit an und hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Von der Kritik an der Schweizer Politik bis hin zu den tätowierten Unterarmen der Fussballer an der Weltmeisterschaft 2018 bleibt den Zuschauern nichts verwehrt.

Die ewige «Matter-Keule»

Vatter kombiniert die komplexen Themen mit viel Sprachwitz und erntet für seine teils scharfsinnigen Passagen immer wieder tosenden Applaus. Den passenden Einstieg in die «Buchtaufe und Plattenvernissage», wie Vatter den Event nennt, macht Caleb Romano, Sohn der Präsidentin des veranstaltenden Kulturvereins Heimberg, Isabelle Romano. Er vertont eigene Gedichte und interpretiert Texte von Mani Matter, übrigens auch ein grosses Vorbild von Ben Vatter.

Den ewigen Vergleich der Berndeutsch-Künstler mit Matter nimmt Vatter mit Humor und spielt ein fünfminütiges Stück vor, in dem er zwanzig Mani-Matter-Lieder kombiniert. Doch trotz all des Rummels um Matter soll an diesem Abend ganz der Vatter im Fokus stehen.

Buchtaufe von «Gvätterle»

Kurz vor der Pause tritt Matthias Vatter, Verleger und Geschäftsführer vom Verlag Vatter & Vatter, mit einer Flasche Champagner auf die Bühne. Gemeinsam mit seinem Cousin tauft er das Buch «Gvätterle – Kolumne u Lieder», das seit Donnerstag in allen Buchhandlungen verfügbar ist. Ein toller Moment für Ben Vatter: «Es ist ein schönes Gefühl, wenn man weiss, dass das Buch nun auch der Öffentlichkeit zugänglich ist», sagt er im Anschluss an den Event.

Im Buch sind Kolumnen von Vatter aus seiner Zeit beim «Bund» sowie zwei CDs mit Aufnahmen aus La Cappella in Bern enthalten. Den thematischen Schwerpunkt seiner Kolumnen setzt der Berndeutsch-Prophet auf all den Facetten des Berndeutsch. Wer Vatters Texte kennt, weiss, dass er sich, natürlich gespickt mit einer Prise Selbstironie, als Beschützer der schönen berndeutschen Sprache versteht.

Und trotz der eingangs erwähnten happigen Worte schafft er es, die Zuschauer zurück aus dem «Loch» zu ziehen, sodass auf dem Heimweg doch die Freude vor der Schwermut an diesem Anlass überwiegt.

«Gvätterle – Kolumne u Lieder» von Ben Vatter im Verlag Vatter & Vatter ist in allen Buchhandlungen verfügbar. ISBN: 978-3-524-801-6-8.

Thuner Tagblatt

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