«Ich bin das Kulturgruppen-Urgestein»

Thun

Am Sonntag startet die Kulturgruppe Markus in ihre 31. Saison. Ein letztes Mal mit dabei ist Maria Pfister, die fast von Beginn an mitwirkte.

Noch diese Saison, dann ist Schluss: Maria Pfister gibt ihr Amt bei der Kulturgruppe Markus ab.

Noch diese Saison, dann ist Schluss: Maria Pfister gibt ihr Amt bei der Kulturgruppe Markus ab.

(Bild: Patric Spahni)

30 Jahre lang war Maria Pfister die gute Seele der Kulturgruppe Markus. 30 Jahre lang war sie als Medienverantwortliche dafür besorgt, dass das vielfältige Kulturprogramm auch seine Zuschauerinnen und Zuhörer fand. Und das mit Erfolg: Heute besuchen bis zu 300 Leute die Veranstaltungen in der Markuskirche. Das Angebot ist zu einem fixen Bestandteil im Thuner Kulturkalender geworden.

Das war nicht immer so: «Es gab ein Umdenken», gibt Maria Pfister zu. «Während wir anfangs vor allem jungen, unbekannten Künstlern aus der Region eine Plattform bieten wollten, setzen wir heute vermehrt auf bekannte Namen, weil wir die Veranstaltungen sonst nicht finanzieren können.» Und die auftretenden Künstlerinnen und Künstler sind wahrlich keine Unbekannten: Pedro Lenz, Nina Dimitri oder Tinu Heiniger waren schon auf der kleinen Bühne zu Gast. Und auch die neue Saison lässt sich sehen: Den Anfang machen nächsten Sonntag Schön&Gut, den Abschluss im März Gerhard Tschan (vgl. Kasten).

Kultur für alle

Im Dezember 1988 wars, als der damalige Pfarrer der Markuskirche, Michael Dähler, die erste Musik vor der Lichterwand organisierte: Marie-Louise Dähler und Francisco Obieta spielten im Schein von 200 Öllämpchen. Das Echo auf diesen Anlass war so positiv, dass Michael Dähler kurz darauf mit vier weiteren Personen die Kulturgruppe Markus aus der Taufe hob. Deren Ziel: Regelmässig anspruchsvolle Kultur in die Kirche und ins Quartier holen und damit gerade auch Familien ansprechen.

Ein Jahr später, im November 1989, startete die Kulturgruppe Markus mit ihrem ersten Saisonprogramm, das fortan meistens fünf Veranstaltungen umfasste. Das Besondere daran: Sie beginnen früh am Sonntagabend, dauern maximal eine Stunde, und es gibt keine fixen Eintrittspreise. Die Kosten werden vielmehr durch Kollekten, Gönner- und Sponsorenbeiträge gedeckt, wobei die Kirchgemeinde Thun-Strättligen eine nach oben begrenzte Defizitgarantie übernimmt.

Viel erlebt

«Ich besuchte in dieser ersten Saison eine der Veranstaltungen», erinnert sich Maria Pfister an ihre Anfänge bei der Kulturgruppe zurück. Sie kam mit den Künstlern und Michael Dähler ins Gespräch: «Und ehe ich mich versah, war ich auch Mitglied der Kulturgruppe», lacht sie.

Maria Pfister übernahm die Öffentlichkeitsarbeit, und sie weiss noch sehr gut, wies damals war: «Wir arbeiteten weit weniger professionell als heute. Unsere Plakate waren selber gebastelt und die Pressemitteilungen auf der Schreibmaschine getippt.» Und sie schwärmt von den vielen Kultur-Highlights, welche sie dank ihrer ehrenamtlichen Arbeit erlebte: von Cornelia Montani etwa, deren Geschichten Kleinkunst pur seien und unter die Haut gingen. Oder von Schauspieler Jaap Achterberg, der in einer Stunde einen ganzen Roman erzählte.

Und sie erinnert sich an Erlebnisse mit Künstlern. Etwa an den Pantomimen, der erst kurz vor der Vorstellung feststellte, dass ihm ein wichtiges Requisit fehlte. An den Clown, der der Sängerin, die mit ihm auftrat, keinen Raum liess und nicht mehr zu bremsen war. Und schliesslich auch an die oft persönlichen Kontakte zu den vielen auftretenden Künstlern.

«Das Leben ist zu kurz»

Trotz all dieser Erlebnisse denkt Maria Pfister jetzt ans Aufhören: «Ende Saison ist Schluss», sagt die 73-Jährige. Dies im Wissen darum, dass sie als «Urgestein der Kulturgruppe» eine grosse Lücke hinterlässt. «Aber», sagt Maria Pfister, die auch bei der Thuner Kantorei mitwirkt, «ich möchte mehr Freiraum für andere Sachen.» Zum Beispiel für die Familie, die sieben Enkel oder das Puppenspiel. «Das Leben ist schon so zu kurz, um all das zu machen, was man möchte», sagt sie.

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