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«Ich hatte keinen Schimmer von Kabarett»

Der österreichische Kabarettist Stefan Waghubinger tritt am Donnerstag in der Alten Oele auf. In seiner Sparte war er ein richtiger Spätzünder. Geschadet hat ihm das nicht.

In Thun kein Unbekannter: Stefan Waghubinger an der Künstlerbörse 2016.
In Thun kein Unbekannter: Stefan Waghubinger an der Künstlerbörse 2016.
Markus Hubacher

Kabarettist Stefan Waghubinger mutmasst in seinem neuen Programm: «Jetzt hätten die guten Tage kommen können.» Der Niederösterreicher stieg erst mit 44 Jahren ins Humorgeschäft ein. Schnell räumte er etliche Preise ab und ist ausgebucht. Er erzählt, wie das möglich war.

Stefan Waghubinger, Sie werden gerne als Spätberufener bezeichnet. Hatten Sie früher keine Ambitionen, Kabarett zu machen?

1984 trat ich als Kabarettist beim Katholischen Jugendball in Leonstein auf, wo ich aufgewachsen bin. Ein grosser Erfolg. Danach machte ich aber eine 20-jährige kabarettistische Pause.

Womit beschäftigten Sie sich in dieser ausgedehnten Pause?

Ich fuhr mit der Eisenbahn nach Deutschland und studierte dort evangelische Theologie. Mir wurde bald klar, dass ich kein Pfarrer werden will. Das war mir ­alles zu fundamentalistisch. Ich arbeitete nach dem Studium 16 Jahre lang in der Sozialarbeit, vor allem in der Jugendhilfe mit schwer erziehbaren Kindern.

«Mir wurde bald klar, dass ich kein Pfarrer werden will. Das war mir alles zu fundamentalistisch.»

Stefan Waghubinger

Das führt natürlich zur Frage, was Sie zum Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche sagen.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Wäre die katholische Kirche mit Jungschar und Ferienlagern nicht gewesen, hätte sich meine Jugend ziemlich öde gestaltet. Urlaub konnten sich meine Eltern nicht leisten. Die Mitarbeiter waren enorm engagiert und mehr als korrekt. Durch diese Skandale wird viel kaputt gemacht. Wenn man heute sagt: «Ich möchte mit Kindern arbeiten», steht man ja schon unter Generalverdacht. Die Entwicklung ist fatal, denn gerade in der Jugendhilfe brauchen die Schützlinge Nähe, mal eine Umarmung. Den einzigen Weg da raus sehe ich in der Aufklärung der Kinder, denen bewusst gemacht werden muss, was Nähe ist und was gar nicht geht.

Standen Sie in der Zeit in der Jugendhilfe auch mal auf der Bühne?

Bei Veranstaltungen habe ich oft die Moderation übernommen und mir viel Mühe damit gegeben, sie witzig und unterhaltsam zu gestalten. Das kam bestens an. Irgendwie schwebte der Beruf des Kabarettisten als Plan B in meinem Kopf herum. Aber ich wusste ja gar nicht, wie das geht.

Hatten Sie keine Vorbilder?

Eben nicht. Einmal hat mir jemand ’ne Eintrittskarte für einen schwäbischen Kabarettisten namens Uli Keuler geschenkt, den fand ich schon lustig. Als ich ihn aber ein paar Jahre später nochmals erlebte, erzählte er das Gleiche wie beim ersten Mal. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie ich es anfangen soll, Kabarettist zu werden. Dann gab mir jemand den Tipp, mich bei einer freien Bühne in Stuttgart für einen Kurzauftritt anzumelden. Es folgten Wettbewerbe, und alles ging ziemlich schnell.

2016 hatten Sie Kurzauftritte bei der Schweizer Künstlerbörse in Thun.

Ich erinnere mich gut an die familiäre Atmosphäre. Ich finde es super, dass bei den 20-minütigen Auftritten jeweils die Türen geschlossen werden. Das ist wie ein Schutzraum für Künstler und fürs Publikum. Bei der Freiburger Künstlerbörse in Deutschland bleiben die Türen offen, das ist unruhig wie auf einem Bahnhof.

Wie gefällt Ihnen Thun?

Eine wunderschöne Stadt, die viel zu bieten hat. Ich wohnte 2016 in einem Hotel am See und weiss noch gut, wie ich einen Schwan beobachtete, der im Wasser rumtrampelte, um Kleingetier aufzuwirbeln. Ich hätte ihm stundenlang zuschauen können.

Vielleicht ist Ihre Beobachtungsgabe Ihr Erfolgskonzept?

Das ist gut möglich. Ich habe mir von niemandem abgeschaut, wie Kabarett geht. Dadurch bin ich in meinem Schaffen völlig frei.

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Stefan Waghubinger, «Jetzt hätten die guten Tage kommen können», 7. März, 20 Uhr, Theater Alte Oele, Tickets: www.theateralteoelethun.

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