«Ich lache und arbeite immer»

Angetroffen: Seit 20 Jahren lebt und arbeitet er in Thun. Kibrom Mesfin und sein Lächeln kennt jeder, der am Bahnhof Thun oder im Bälliz unterwegs ist.

Kibrom Mesfin

Kibrom Mesfin

(Bild: sgt)

Stefan Geissbühler

Wer am Bahnhof Thun oder im Bälliz unterwegs ist, trifft unweigerlich auf ihn. Und ebenso unweigerlich stellt man oder frau fest, dass er immer ein Lächeln im Gesicht hat. Er geht offen auf die Leute zu – und sie auf ihn. Das zeigt sich auch am Termin in der Stadt mit dem in Äthiopien geborenen Ertireer. Praktisch jede Passantin, jeder Passant grüsst den 57-Jährigen herzlich. Handschlag hier, Handschlag da. Ein begnadeter Netzwerker, könnte man sagen.

Dabei hatte es Kibrom Mesfin nicht immer leicht. Vor 23 Jahren musste er aus seiner Heimat flüchten. Eritrea gehörte bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 zu Äthiopien. Im Krieg zwischen den beiden Staaten kamen Zehntausende Menschen ums Leben. Zusammen mit seiner Frau und dem ersten Kind – heute hat er drei Söhne und drei Töchter – flüchtete Kibrom Mesfin via Kenia und Italien in die Schweiz. Seit 20 Jahren lebt und arbeitet er in Thun.

«Ich habe halt alle Menschen gerne, und sie mich ­offenbar auch. Thun ist meine neue ­Heimat, hier ist es sehr friedlich.»

«Ich lache und arbeite eigentlich immer», lacht Kibrom Mesfin. Ob er nun das Strassenmagazin «Surprise» verkauft, im Spital Thun Putzarbeiten erledigt oder am Bahnhof Thun Securitydienst leistet. «Mein Name ist Sonne, sagen mir die Leute immer», sagt er. Und: «Ich habe halt alle Menschen gerne, und sie mich offenbar auch. Thun ist meine neue Heimat, hier ist es sehr friedlich», meint er. In seine alte Heimat ziehe es ihn nicht, Vater und Mutter seien gestorben.

Stolz ist er auf seine sechs Kinder, die heute zwischen 19 und 28 Jahren alt sind. Alle sind im Besitz des Schweizer Passes und arbeiten im Hotelmanagement, im Büro, als Assistenzärztin, in der Pflege oder als Elektromonteur. Ganz im Sinne ihres Vaters, der wie gesagt immer arbeitet. Fast immer: «Am Sonntag gehe ich in die Kirche, um mich zu erholen», sagt der Katholik.

Thuner Tagblatt

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