«Ich musste Gas geben»

Schwanden/Sigriswil

Noch keine 18 Jahre alt ist Simon Graf, und doch wurde er in der laufenden Saison schon einigen Kranzschwingern gefährlich.

Simon Graf (oben) im Mai am Seeländischen Schwingfest gegen Damian Gnägi und zu Hause in Schwanden.

Simon Graf (oben) im Mai am Seeländischen Schwingfest gegen Damian Gnägi und zu Hause in Schwanden.

(Bild: Barbara Loosli)

Viel fehlt nicht zum Kranz. Am Mittelländischen Schwingfest war Simon Graf am nächsten dran. Ein halber Punkt mehr, und die erste Auszeichnung bei den Aktivschwingern wäre im Trockenen gewesen. Doch am Ende war auf seinem Notenblatt eine Niederlage zu viel.

Graf nimmt das nicht tragisch. Im Gegenteil: Er ist zufrieden mit seiner ersten Kranzfestsaison, die er komplett bei den Aktivschwingern mitmachte. «Ich habe an jedem Fest drei Gänge gewonnen», bilanziert er. Vier Gauverbandsfeste hat er absolviert; zweimal konnte er um den Kranz mitschwingen. Am «Mittelländischen» Anfang Juni in Neuenegg hatte er sogar zwei Chancen auf die begehrte Auszeichnung.

«Anfang Saison sagte ich mir: Wenn es zum Kranz reicht, ist es schön – und wenn es nicht will, dann will es halt nicht.» Entscheidend sei vielmehr der Fortschritt. Im Vergleich zur Saison 2018 bekam er es mit deutlich schwierigeren Gegnern zu tun und konnte oftmals gut mithalten. Dies widerspiegelt sich in den Ranglisten: Bei den unter 18-jährigen gehört Simon Graf zu denjenigen Schwingern mit den besten Klassierungen.

«Moorerei» in der Wäsche

188 Zentimeter gross, rund 100 Kilogramm schwer: Simon Graf ist bereits im Alter von 17 Jahren ein Modellathlet. Dass er für den Schwingsport gute körperliche Voraussetzungen hat, ist auch seinem Schulkollegen Stefan Kämpf aufgefallen. «In der 7. Klasse nahm er mich mal mit ins Training», sagt Graf. Das war im Jahr 2015, vor gut vier Jahren. Graf gehört damit zu den Spätzündern. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis die Erfolge kamen. «Als Jungschwinger musste ich Gas geben», sagt er. Erschwerend hinzu kam in dieser Zeit eine Bänderverletzung im Fussgelenk. Trotzdem etablierte sich Graf mit der Zeit im vorderen Mittelfeld. Er erkämpfte sich neun Zweige und nahm letzten Sommer am Eidgenössischen Jungschwingertag in Landquart teil, wo er den Doppelzweig knapp verpasste.

Während sich sein Vater freute, einen Schwinger als Sohn zu haben, war die Mutter vorerst weniger begeistert. «Sie fürchtete sich vor der ‹Moorerei› bei der Wäsche», sagt Simon Graf schmunzelnd. Mit der Restmenge an Sägemehl in der Wäschetrommel konnte sie sich inzwischen arrangieren. Und unterstützt, wie die ganze Familie, den Sohnemann aktiv an den meisten Schwingfesten.

Am liebsten hebelt Simon Graf seine Kontrahenten mit dem Kurzzug aus dem Gleichgewicht. Es ist jener Schwung, den alle Jungschwinger als Erstes erlernen. «Ich kämpfe eher passiv, warte mal ab, was der Gegner macht», beschreibt er seinen Stil. Am meisten Verbesserungspotenzial sieht er in der Viel­seitigkeit. Derzeit schwinge er meist nach rechts. Künftig möchte er auch Schwünge auf die linke Seite wie den Linkskurz oder den Übersprung als Waffe einsetzen. «Das macht einen Schwinger einfach gefährlicher», so Graf. «Ich sehe das bei ‹Bärnu›: Wenn nach rechts nichts geht, putzt er dich einfach links weg.»

«Böser» Lehrmeister

Mit «Bärnu» ist Bernhard Kämpf gemeint, Grafs Teamkollege im Schwingklub Thun, zweifacher «Eidgenosse» und überhaupt einer der «bösesten» Schwinger im Land. Wie Graf ist auch Kämpf ein Sigriswiler; seine zwei Brüder Alexander und Marcel sind ebenfalls aktive Kranzer. «Von ihnen kann ich im Training viel lernen. Sie zeigen es den Jüngeren auch gern», sagt Graf.

Mit seinen Leistungen hat er sich die Teilnahme am Bernisch-Kantonalen Schwingfest verdient, das diesen Sonntag in Münsingen stattfindet. Dann steht für Simon Graf im September noch der Chemihütteschwinget in Aeschiried auf dem Programm. Im Herbst gibt es eine kurze Pause, bevor die Aktivschwinger bereits das Konditionstraining für die Saison 2020 in Angriff nehmen. Bringt diese Saison für Simon Graf den ersten Kranz? Dies müsse nicht «ums Verrecke» sein, sagt er. «Mein Ziel ist es, irgendwann Kranzschwinger zu werden.» Noch wichtiger sei ihm, gesund zu bleiben.

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