«Ich plädiere für mehr Pragmatismus»

Thun

Wir fühlen den Thuner Gemeinderatskandidierenden auf den Zahn. Heute Reto Schertenleib (SVP).

Ihre Parteikollegen Raphael Lanz und Roman Gimmel dürften problemlos wiedergewählt werden, ein dritter SVP-Sitz ist unrealistisch. Was motiviert Sie, trotzdem anzutreten?
Da auch der Gemeinderat im Proporzsystem gewählt wird, ist in erster Linie die Anzahl der Parteistimmen entscheidend. Mit meiner Kandidatur will ich dazu beitragen, das Wählerpotenzial bestmöglich auszuschöpfen.

Was bedeutet Thun für Sie?
Thun ist meine Heimat. Hier bin ich geboren, aufgewachsen und – als ehemaliger Prögeler und Kadett – tief verwurzelt.

Wo hapert es in Thun?
Meines Erachtens werden zu viel Energie und Geld für Planungen aller Art aufgewendet. Es liegen ausreichend planerische Grundlagen vor, sodass nicht bei jeder einzelnen Arealentwicklung noch zusätzliche Mobilitäts- und andere Konzepte erstellt werden müssen. Zudem wäre es zielführender, kostengünstiger und effizienter, sich auf die ordentlichen baurechtlichen Verfahren zu beschränken, statt teure Testplanungen mit fraglichem Mehrwert durchzuführen.

Was lieben Sie an Thun?
Die überschaubare Grösse und die Kombination urbanen und ländlichen Lebens: Thun verfügt einerseits über eine städtische Infrastruktur mit Zentrumsfunktion, anderseits ist mit Ortsteilen wie beispielsweise Goldiwil oder Allmendingen der dörfliche Charakter erhalten geblieben.

Welche Schwerpunkte möchten Sie als Gemeinderat setzen?
Ich plädiere für mehr Pragmatismus. Die öffentliche Verwaltung hat keinen Selbstzweck, sondern den sie finanzierenden Bürgerinnen und Bürgern zu dienen – und nicht umgekehrt. Ich bin der Überzeugung, dass trotz vieler Sachzwänge und übergeordneter Vorgaben unbürokratische Lösungen zugunsten der Thunerinnen und Thuner nach wie vor möglich sind – sein müssen. Diese Mentalität, die manchmal auch etwas Mut erfordert, würde ich gerne einbringen.

Wenn Sie die Stadt als Wohnort verlassen würden – wohin würden Sie am ehesten ziehen?
In den Thuner Westen – weil das Landleben mit Fernsicht und etwas weniger Dichtestress seine Vorzüge hat, Thun aber trotzdem in kurzer Distanz erreichbar ist.

Mit welcher Person möchten Sie gerne einmal ein paar Runden auf dem Thuner Riesenrad drehen – und warum?
Mit Adolf Ogi – weil es mich beeindruckt, wie er stets sich selbst geblieben ist, seine Oberländer Bodenhaftung nie verloren hat und mit Charakter, Überzeugung und Begeisterungsfähigkeit die Menschen zu bewegen vermochte beziehungsweise vermag.

Was ist ausserhalb der Politik Ihre grösste Leidenschaft?
Meine Familie – und das Motorboot. Nirgends fällt es mir leichter abzuschalten als auf einer Bootsfahrt auf dem vom Alpenpanorama umgebenen Thunersee.

Wenn Sie mit einer Zeitmaschine in die Thuner Vergangenheit reisen könnten – welche Epoche würden Sie wählen?
Die Zeit der Helvetik, als das Oberland ein eigenständiger Kanton war und Thun als Regierungshauptsitz diente – weil es mich interessieren würde, wie unsere Vorfahren mit den politischen Wirren während des Bestehens der Helvetischen Republik in ihrem Alltag umgegangen sind.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Thun?
Das Lachenareal: Weil mich die maritime Atmosphäre seit jeher fasziniert, ich mich mit den Sanierungen des Strämus und der Hafenanlage auf eine zeitgemässe Infrastruktur freue und mir dort mit den Thunerseespielen Kultur geboten wird, die auch für mich verständlich ist. (mik/gbs)

Im Hinblick auf die Thuner Wahlen vom 25. November stellen wir allen Gemeinderatskandidierenden – ausser den Bisherigen – zehn Fragen. Die Publikationsreihenfolge wurde ausgelost. Online auf Thunertagblatt.ch (Rubrik «Wahlen Thun») finden Sie zusätzlich den jeweiligen Smartspider, zur Verfügung gestellt von der Onlinewahlhilfe Smartvote.ch.

mik/gbs

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