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«Ich will hier ankommen!»

In unserer Serie «Angetroffen» stellen wir heute Tina Imeri vor. Die Kosovarin ist der Liebe wegen nach Thun gezogen – keine leichte Umstellung.

Reinigungskraft mit Hochschulabschluss: «Da liegt so viel ungenutztes Potenzial – und wir bekommen keine Hilfe», ärgert sich Tina Imeri.
Reinigungskraft mit Hochschulabschluss: «Da liegt so viel ungenutztes Potenzial – und wir bekommen keine Hilfe», ärgert sich Tina Imeri.
Janine Zürcher

«Ich bin vor gut sechs Jahren aus meiner Heimatstadt Kacanik in Kosovo nach Thun gezogen. Kurz vorher, im Sommer 2013, habe ich geheiratet. Ich war damals 22 Jahre alt. Mein Mann Jetmir ist in der Schweiz aufgewachsen – ich habe ihn kennen gelernt, als er in der alten Heimat zu Besuch war.

In Kosovo habe ich bei meinen Eltern gelebt. Meine Mutter ist Hebamme und Dozentin an einer medizinischen Schule. Mein Vater war medizinischer Techniker, dann wurde er Vize-Stadtpräsident. Ich habe einen Bruder und eine Schwester. Während des Kriegs, 1999, lebten wir ein Jahr in Runcorn, Grossbritannien. Dort lernte ich gut Englisch, mit meinen britischen Freunden habe ich bis heute Kontakt. Später habe ich in Kosovo Betriebsökonomie studiert. Die Uni bot mir eine Stelle in der Administration an, mit der Aussicht auf eine akademische Karriere. Aber die Liebe kam dazwischen.

Der Start ins neue Leben war nicht einfach. Wir lebten auf engem Raum bei der Familie meines Mannes. Ich konnte noch kein Deutsch, es fiel mir schwer, mit Einheimischen Kontakte zu knüpfen. Unser Sohn wurde 2015 geboren, bald zogen wir in unsere eigene Wohnung. Ich lebe jetzt hier – und ich will hier ankommen, mich integrieren. Ich habe Deutschkurse besucht, zuerst bis Niveau A2, dann hiess es auf dem Amt, dass ich meine Schuldigkeit getan hätte. Dank der finanziellen Unterstützung einer Schweizer Bekannten konnte ich schliesslich noch Kurse bis Niveau B2 besuchen. Manchmal bin ich in die Migros gegangen, nur um mit jemandem ein paar Worte zu wechseln und das Gelernte anzuwenden. Ich habe versucht, an der Uni Bern noch mehr Deutschkurse zu besuchen – aber dort sind nur Studierende zugelassen.

Eine Arbeit zu finden, war schwierig. Ich gehe putzen. Manchmal macht mich das wütend. Ich habe einen Hochschul-Abschluss, der auch in der Schweiz anerkannt ist. Ich kann Deutsch, habe einen Schweizer Pass. Aber Chancen auf ein Praktikum oder eine Stelle in der Wirtschaft habe ich kaum. Auf viele Bewerbungen erhalte ich nicht einmal eine Antwort. Und ich bin nicht die Einzige – es gibt viele Frauen wie mich. Da liegt so viel ungenutztes Potenzial – und wir bekommen keine Hilfe.»

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