Sigriswil

Im Dienste der schönen Stimmen

Sigriswil Seit einem Vierteljahrhundert macht sich Verena Keller mit ihrer Internationalen Opernwerkstatt für den Bühnennachwuchs stark. Die einstige Opern­sängerin und aktive Dozentin denkt noch lange nicht ans Aufhören.

«Ich muss berührt werden, sonst kann Oper sehr langweilig sein»: Verena Keller, Gründerin und  Leiterin der Internationalen Opernwerkstatt Sigriswil, feiert mit ihrem Team das 25-Jahr-Jubiläum.

«Ich muss berührt werden, sonst kann Oper sehr langweilig sein»: Verena Keller, Gründerin und Leiterin der Internationalen Opernwerkstatt Sigriswil, feiert mit ihrem Team das 25-Jahr-Jubiläum. Bild: Christina Burghagen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Verena Keller, wie müssen wir uns die Geburtsstunde der Opernwerkstatt im Jahr 1992 vorstellen?
Ich lehrte damals an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. So wuchs der Wunsch, über den Tellerrand nach begabtem Opernnachwuchs Ausschau zu halten. Mit Didier von Orlowsky, einem sehr guten Regisseur, begannen wir dann Szenen und Arien zu erarbeiten.

Gab es damals schon ähnliche Institutionen?
Nein, Institutionen in dieser Form von Nachwuchsförderung sind mir nicht bekannt. Es gibt aber natürlich Opernstudios und viele internationale Wett­bewerbe.

Warum wählten Sie für die Opernwerkstatt den Standort Sigriswil?
Sigriswil hat sich ergeben, weil ich hier ein Feriendomizil habe und die Kirchgemeinde und die Gemeinde uns unterstützt haben. Zudem wird die zauberhafte Landschaft vom Team und den Sängern sehr geschätzt.

Welche Wettbewerbe besuchen Sie, um junge Sängerinnen und Sänger für die Opernwerkstatt zu finden?
Vor allem mit dem Belvedere-Wettbewerb und dem Hilde-Zadek-Wettbewerb in Wien und dem Francisco-Vinas-Wettbewerb in Barcelona hat sich über die Jahre eine wunderbare Zusammenarbeit entwickelt.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Teilnehmenden aus?
Messbar sind die Stimmqualität, die Musikalität und die Persönlichkeit. Doch wichtig ist meine Intuition, die sich nicht messen lässt. Mich interessierten immer die Darstellungen einer Rolle und nicht allein die Stimme. Ich muss berührt, gepackt werden, sonst kann Oper sehr langweilig sein!

Welche Opernscouts konnten Sie an Ihren Konzerten schon begrüssen? Gibt es auch solche, die regelmässig kommen und Nachwuchs für ihre Bühnenengagieren?
Über die Jahre haben viele Sänger die Chance bekommen, durch unsere Initiative ein Engagement zu finden. Am 9. Fe­bruar 2018 werde ich in Biel/Solothurn in der Premiere Iolanta sein, drei Sänger wurden im letzten Jahr für diese Produktion aus der Opernwerkstatt engagiert. Seit vielen Jahren haben sich Kontakte zu grossen Opernhäusern entwickelt. Unter anderem wurden Sänger für die Staatsoper Wien, die Staatsoper Hamburg, das Staatstheater Wies­baden, das Opernhaus Nürnberg oder das Opernhaus Zürich engagiert.

Womit haben junge Künstlerinnen und Künstler des klassischen Gesangs besonders zu kämpfen?
Der Sinn dieses Projektes ist es, jungen Sängern beim Einstieg zu helfen, bei der Fülle der guten Sänger erweist sich der Sprung auf die Bühne immer als sehr schwer. Wir können aufs Pferd helfen, reiten müssen die Künstler allein!

Wie finanzieren Sie die Opernwerkstatt?
Ohne die vielen Helfer und Sponsoren wäre dieses Projekt nicht realisierbar. Für deren Unterstützung bin ich sehr dankbar. In diesem Jahr hatten wir ein leichtes Minus, weil ich nicht so viel in Werbung investieren konnte.

Was halten Sie von dem Vorurteil, dass klassische Musik etwas für alte Leute ist?
Wenn dieses Vorurteil besteht, machen wir etwas falsch. Langweilige, nicht berührende Inszenierungen finde ich unerträglich.

Gibt es einen Unterschied zwischen deutschem und Schweizer Publikum?
Hier in der Schweiz ist das Pu­blikum von freundlich über ­wohlwollend bis begeistert. In Deutschland kann es bei einer Premiere schon mal passieren, dass Leute aufstehen und «Buh» rufen.

Hören Sie selbst nur klassische Musik?
Das würde ich so nicht sagen. Spontan erinnere ich mich an ein Jimi-Hendrix-Konzert, das ich 1970 in Frankfurt besuchte und das mich fasziniert hat. ­Musik höre ich intensiv oder gar nicht. Berieseln lasse ich mich nicht. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 07.12.2017, 11:08 Uhr

Was steckt dahinter?

Die Internationale Opern­werkstatt Sigriswil – Festival der jungen Stimmen – lädt seit 25 Jahren fünfzehn bis zwanzig junge Sängerinnen und Sänger aus aller Welt zu einem mehr­tägigen Workshop ein, um eine Operngala einzustudieren.

Diese Gala wird dann in Sigriswil, Bern, Basel und Zürich aufgeführt. So traten über die Jahre über fünfhundert klassisch ausgebildete Nachwuchssänger auf, von denen über die Hälfte sofort feste Engagements bekamen. Unter der Gesamtleitung von Verena Keller avancierte die Opern­werkstatt zu einem Sprungbrett auf die grosse Bühne.cbs

Artikel zum Thema

Opern-Feuerwerk in der Kirche

Sigriswil Brillante, junge Stimmen erfüllten zur 25. Internationalen Opernwerkstatt die Kirche von ­Sigriswil. Die Opernsängerin, Musikmanagerin und Dozentin Verena Keller präsentierte zum Jubi­läum Sängernachwuchs aus aller Welt. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Du bestimmst, wer das Zeug zum Comedian hat

Schweizer Comedy-Talente konnten sich für das Newcomer-Battle im Comedy Club 18 bewerben. Nun startet das grosse Voting!

Kommentare

Blogs

Echt jetzt? Bündner Brücke der Rekorde

Bern & so Spass mit Autos

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Dick eingepackt: Die jüngsten Schneefälle verpassten diesen Vespas mitten in der Stadt Zürich ein Winterkleid. (18. Dezember 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...