In seiner Musik lebt Jakob Bieri weiter

Thun

Eine grosse Trauergemeinde hat am Freitagnachmittag Abschied genommen vom Komponisten und Dirigenten Jakob Bieri. Seine rund 150 Kompositionen werden immer wieder an ihn erinnern.

Jakob Bieri ist am 13. März 1933 zur Welt gekommen. Mit sechs ­älteren Geschwistern hat er auf dem elterlichen Bauernhof im Schoren bei Thun eine glückliche Kinder- und Jugendzeit verbracht. Schon früh hat er sich für die Blasmusik interessiert. Die Grundausbildung hat er von 1942 bis 1947 in der Kadettenmusik Thun genossen.

Bereits mit 15 Jahren wurde er Mitglied der Feldmusik Strättligen. Nach einem ersten Dirigentenkurs 1954 absolvierte der Militärtrompeter am Konservatorium Bern von 1959 bis 1961 seine Ausbildung zum Blasmusikdirigenten.

Im Lauf der Jahre lernte er jedes Blechblasinstrument spielen und versuchte sich, mehr zum Spass, auch mal am Alphorn. Nach einem Jahr als Dirigent der Dorfmusik Aeschlen wählte ihn die Feldmusik Strättligen 1958 zum neuen Dirigenten. Diese Aufgabe hat er während 33 Jahren mit grossem Engagement erfüllt. «Jakob Bieri hat durch sein unermüdliches Wirken in unserem Verein tiefe Spuren hinterlassen. Er hat sich mit äusserst grossem Engagement und Herzblut für die Strättligmusig eingesetzt», schreibt die Feldmusik Strättligen auf ihrer Website. Für seine Verdienste ernannte ihn der Verein zum Ehrendirigenten, und die Stadt Thun ehrte ihn 1998 mit dem Kulturpreis.

Förderer und Forderer

Mit Leib und Seele setzte sich Jakob Bieri immer wieder für den Nachwuchs ein. So konnte die Feldmusik Strättligen ihr 100-jähriges Bestehen 1981 mit rund 80 Aktivmitgliedern feiern. Als Schlossermeister bildete er 22 Lehrlinge aus, welche er mit viel Hingabe zu guten Leistungen geführt hat. Mit 36 Jahren machte Bieri noch die Ausbildung zum Berufsberater und unterstützte junge Menschen auf ihrem beruflichen Werdegang.

«Unser Vater war ein Förderer, aber auch ein Forderer. Er gab viel – verlangte aber auch etwas. Was er in Angriff nahm, führte er mit seiner Willenskraft zu einem positiven Ende», erklärte sein Sohn Thomas Bieri. Trotz seiner Erfolge sei sein Vater bodenständig geblieben und sei gefühlvoll und mit ­offenem Ohr für die Anliegen seiner Mitmenschen durchs Leben gegangen, fügte er an.

Die grosse Leidenschaft von Jakob Bieri war das Komponieren von Blasmusik. Nach einigen Arrangements bekannter Volksmelodien entstand 1964 mit der «Bauern-Polka» seine erste Eigenkomposition. Als er sich in die schwarzen Augen von Esther Schüpbach verliebte, schrieb er für sie eine Polka mit demselben Titel. 1967 heirateten die beiden. Aus urheberrechtlichen Gründen wurden die «Schwarzen Augen» später in «Edelweiss und Enzian» umbenannt, es gehört heute noch zu den meistgespielten Blasmusikkompositionen der Schweiz.

Ab 1964 entwickelte Bieri einen enormen Schaffensdrang als Komponist. Er gründete mit seiner Gattin den Blasmusikverlag Bieri. Besonders stolz war er darauf, dass er alle rund 150 Werke – von Walzer über Polka und Märsche bis zu modernen Rhythmen – von Hand zu Papier gebracht hatte. Oft liess er sich von alltäglichen Erlebnissen inspirieren. So hatte er auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad die Eingebung zu einem seiner Märsche. Das getragene «Lied eines Schäfers» schrieb er bei einer Geburtstagsfeier 1989 spontan auf eine Papierserviette. Das zweistimmige Werk wurde gleich vor Ort uraufgeführt.

1994 gründete Jakob Bieri mit vorwiegend pensionierten Musikanten die Blaskapelle Nostalgie, welche überwiegend seine Kompositionen spielte. Zudem war er Dirigent der Zivilschutzmusik Thun. Ein besonderes Erlebnis war die Reise 1996 in den Vatikan, wo die Formation vom Kommandanten der Schweizergarde, Oberst Roland Buchs, empfangen wurde.

Bei der Feier zum 80. Geburtstag im Bärensaal ergriff Jakob Bieri ein letztes Mal den Dirigentenstab, um die Feldmusik Strättligen zu dirigieren. Danach haben die Altersbeschwerden ihn gezwungen, sich zurückzuziehen. Am 2. August ist er im Alter von 84 Jahren im Spital Thun verstorben. Wie bekannt und beliebt der Dirigent und Komponist, aber auch der Mensch Jakob Bieri war, bewies die grosse Trauergemeinde, die ihm bei der Abdankungsfeier am Freitag die letzte Ehre erwies.

Die Feldmusik Strättligen, geleitet von Christoph Hertig, verabschiedete sich mit Bieri-Kompositionen von ihrem Ehrendirigenten. Auch beim morgigen Parkgottesdienst um 11 Uhr beim Schulhaus Gotthelf (Kirche Markus) wird die Formation musikalisch des Verstorbenen gedenken.

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