In Vaters Fussstapfen

Thun

Nach einem tragischen Unfall ist bei der Thuner Firma Kandahar die dritte Generation am Ruder. Manuel von Allmen will die Schuhmanufaktur unbedingt weiterbetreiben – auch wenn sie keinen Gewinn abwirft.

Manuel von Allmen und Sina Reusser in der Kandahar-Manufaktur im Gwatt.

Manuel von Allmen und Sina Reusser in der Kandahar-Manufaktur im Gwatt.

(Bild: Patric Spahni)

Ende August passierte es: Dieter von Allmen startete in Mazedonien an einem Gleitschirmwettbewerb. Es sollte sein letzter Flug werden: Der Sohn von Fritz von Allmen, der in den Zwanziger­jahren des letzten Jahrhunderts in Mürren den inzwischen weltweit bekannten Kandahar-Après-Skischuh erfand, verunglückte tödlich.

Dieter von Allmen und Ehefrau Konstanze waren Herz und Seele der Schuhmanufaktur an der Hofackerstrasse im Gwatt: Er war verantwortlich für Design, Produktion und Geschäftsleitung, während sein Sohn Manuel sich in den vergangenen zehn Jahren um den Verkauf kümmerte. Letzterem ist klar, dass er nicht in die Fussstapfen des Vaters treten kann: «Was die Gestaltung der Schuhe betrifft, wird seine Handschrift verloren gehen. Da ich mich selber nicht als Experten betrachte, haben wir mit Mariano Ronny Sulmoni einen neuen Angestellten, der für das Design zuständig ist.»

Schwieriges Umfeld

Trotzdem ist und bleibt Kandahar für von Allmen eine Herzens­angelegenheit: «Marke, Tradition und Produktion – diese Aspekte sind mir enorm wichtig.» So erstaunt nicht, dass er die Manufaktur unbedingt erhalten will – obwohl das Umfeld immer schwieriger wird. «Die Winter werden wärmer, was sich negativ auf den Absatz auswirkt.» Hinzu kommt, dass die Schweiz wegen der hohen Löhne als Produktionsland un­attraktiv ist. «Nach dem dritten warmen Winter in Folge schrieben wir zum ersten Mal einen kleinen Verlust», so von Allmen. «Wir könnten die Qualität senken und den Verkaufspreis erhöhen. Aber das steht nicht zur Diskussion. Kandahar muss keinen Gewinn abwerfen.»

«Wir könnten die Qualität senken und den Verkaufspreis erhöhen. Aber das steht nicht zur Diskussion», verspricht Manuel von Allmen.

Um den Absatz anzukurbeln und als Folge der klimatischen Veränderungen hat Kandahar eine neue Kollektion, die nicht mit Lammfell, sondern mit Wollfilz gefüttert ist. Als weitere Korrektur auf der Einnahmeseite will das Unternehmen das Geschäfts- und Produktionsgebäude im Gwatt mit vier Wohnungen aufstocken.

Zudem will Manuel von Allmen den Schuhbereich mit anderen Bereichen des Familienunternehmens querfinanzieren: mit der Vermietung von Sportwagen, mit der medizinischen Firma Medmex (Prävention und Therapien bei Problemen des Bewegungsapparates, unter der Leitung von Konstanze von Allmen) und vor allem mit der Start-up-Firma Go Nitely (vgl. Kasten). «Andere Leute haben eine Jacht», sagt er. «Ich leiste mir eine Schuhmanufaktur. Im Winter durch Zürich zu gehen und zu sehen, dass jeder Fünfte Kandahar-Schuhe trägt, ist einfach unbezahlbar.»

Thuner Tagblatt

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