Jetzt kommen die Fäkalien in die Röhre

Teuffenthal

Die Tage der natürlichen Schilfkläranlage sind gezählt. Die Gemeindeversammlung bewilligte einen Kredit von 497 000 Franken, damit das Abwasser künftig in die ARA Thunersee geleitet wird. Ab 2020 soll der Anschluss funktionieren.

Das Abwasser aus Teuffenthal wird künftig in der ARA Thunersee aufbereitet.

Das Abwasser aus Teuffenthal wird künftig in der ARA Thunersee aufbereitet.

(Bild: Marc Imboden)

Es war das Jahr 1997, als sich die heute 170 Personen zählende Gemeinde Teuffenthal im Osten von Thun für eine Pionierrolle entschied. An einer intensiven Gemeindeversammlung sprachen sich die Bürgerinnen und Bürger dafür aus, ihr Abwasser nicht in die Abwasserreinigungsanlage (ARA) nach Uetendorf zu pumpen. Sondern diese im Dorf auf natürliche Weise zu reinigen.

560'000 Franken bewilligten sie damals dafür, ein Schilffeld anzulegen. Den Ausschlag gaben die jährlichen Betriebskosten für die Leitung in die ARA Uetendorf von rund 40'000 Franken, welche sich die Gemeinde nicht leisten konnte. Da waren die rund 3000 Franken, die der Unterhalt des Schilffeldes kosten sollte, ein deutliches Argument.

Im August 1998 fuhren schliesslich zum Spatenstich die Bagger auf. Damit war Teuffenthal die erste Gemeinde der Schweiz, die gänzlich auf eine Naturkläranlage setzte und damit in Sachen Abwasser Selbstversorger wurde.

Ab in die Röhre

Dies wird sich indes bis 2020 ändern. Am Freitagabend hiess die Gemeindeversammlung einen Kredit von 497'000 Franken gut, damit die Fäkalien künftig in die ARA Thunersee geleitet werden. «Damals haben die Bevölkerung und der Gemeinderat nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, leider hat das System nicht wirklich funktioniert», sagte Gemeindepräsidentin Franziska Fuss.

Die Meinungen waren denn auch gemacht, und der Kredit war unbestritten. Zumal sich die Gemeinde bereits seit längerem mit einer neuen Lösung beschäftigt. Nicht zuletzt auch wegen der Forderung des Kantons, die Schilfanlage aufzuheben.

Wie die Gemeindepräsidentin weiter ausführte, wird sich der Kanton mit einem namhaften Betrag an den Baukosten für die neue Leitung, die auch ein Pumpwerk beinhaltet, beteiligen. So rechnet die Gemeinde mit effektiven Nettokosten von 256'000 Franken und jährlichen Betriebskosten von rund 26'000 Franken.

«Diese Aufwendungen können mit einer leichten Gebührenerhöhung getragen werden», hielt Franziska Fuss fest. Dabei wird zum Beispiel künftig die Grundgebühr pro Wohnung um 15 Franken auf 175 Franken angehoben und neu eine Regenabwassergebühr für Gebäude eingeführt.

Nebst dem Baukredit genehmigten die 27 Anwesenden sowohl das revidierte Abwasserentsorgungsreglement wie auch das angepasste Gebührenreglement einstimmig. Ebenfalls gutgeheissen wurden die angepassten Löschgebühren. Diese werden künftig pauschal erhoben und pro Wohngebäude mit 60 bis 100 Franken zu Buche schlagen.

Budget mit Fehlbetrag

Mit einem Fehlbetrag von 26'600 Franken rechnet der Voranschlag für das kommende Jahr. Dies bei einem Gesamtaufwand von 649'800 Franken und unveränderter Steueranlage von 1,80 Einheiten. Das Minus kann durch das Eigenkaptal von rund 311'000 Franken aufgefangen werden. Rund 75'000 Franken sind im Budget für Investitionen eingestellt. Dabei ist auch ein Kostenanteil von 61'200 Franken für die neu gebaute Wühribrücke.

Thuner Tagblatt

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