Thun

Kein Diebstahl, sondern Raub

ThunDie zwei Männer, die im März 2017 in ein Haus in Thun eingebrochen sind, haben sich des Raubs schuldig gemacht und wurden verurteilt.

Die beiden Männer wurden vom Regionalgericht zu 15 Monaten bedingt und 12 Monaten unbedingt verurteilt.

Die beiden Männer wurden vom Regionalgericht zu 15 Monaten bedingt und 12 Monaten unbedingt verurteilt. Bild: Keystone

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«Mitgegangen, mitgehangen», sagte T., der mit einem Kollegen im März 2017 in ein Haus im Thuner Dürrenastquartier eingebrochen war, bei seiner Befragung durch Gerichtspräsident Thomas Zbinden. Das hat sich für ihn nach dem gestrigen Urteilsspruch bewahrheitet. Zwar, sagte der Richter, habe T.s Kollege B. sicher die aktivere Rolle gespielt. Aber nur einfach Diebstahl, wie es die Pflichtverteidigerin für T. beantragt hatte, habe dieser nicht begangen.

Es ist anzunehmen, dass die beiden «nur» einen Diebstahl im Sinn hatten, als sie sich mit dem Einbruch Geld verschaffen wollten. Aber sie bereiteten sich, indem sie einen Elektroschocker mitnahmen, doch auf eine mög­liche Konfrontation vor. Dies geschah dann tatsächlich: Ein Hausbewohner kehrte am frühen Nachmittag heim und überraschte die beiden, als sie mit der Beute eine Treppe hinunterkamen.

Aber sie bereiteten sich, indem sie einen Elektroschocker mit­nahmen, doch  auf eine mögliche Konfrontation vor.

Angriff gewählt

Eine Flucht, sagte der Richter, ­wäre ihnen gut möglich gewesen. Ob die Begegnung eher rücksichtslos oder gedankenlos in der folgenschweren Art verlaufen ist, entschied der Richter nicht. Jedenfalls traf B. den Hausbe­wohner mit dem Elektroschocker, und im anschliessenden Gerangel stürzte der Angegriffene die Kellertreppe hinunter und erlitt dabei eine irreversible Schulterverletzung.

In der ersten Befragung nach der Tat hatte das Opfer gesagt, der eine Einbrecher sei aktiver gewesen, der zweite habe ihn aber auch mit Fusstritten traktiert. «Es gibt keinen Grund, an dieser Aussage zu zweifeln», sagte der Gerichtspräsident. Damals habe das Opfer noch nicht gewusst, wer die beiden Täter seien.

Raub bei beiden

«Als Raub wird auch ein Diebstahl behandelt, wenn der Täter auf ­frischer Tat ertappt wird und Nötigungshandlungen begeht, um die gestohlenen Sachen zu be­halten», steht im Artikel 140 des Schweizer Strafgesetzbuchs. Höhere Strafen werden ausgesprochen, wenn eine gefährliche Waffe mitgeführt wird. Vor dem Regionalgericht stand der Elek­troschocker als Waffe nicht im Vordergrund.

«Als Raub wird auch ein Diebstahl behandelt, wenn der Täter auf frischer Tat ertappt wird und Nötigungshandlungen begeht, um die gestohlenen Sachen zu behalten», steht im Artikel 140 des Schweizer Straf­gesetzbuchs.

Die Urteile fielen so aus, dass ihm das Gericht eher keine besondere Gefährlichkeit zugeschrieben hat. Für B. fällte der Richter eine bedingte Gefängnisstrafe von 15 Monaten und eine Verbindungsbusse von 350 Franken aus, da er nicht entsprechend vorbestraft ist. Die Gefängnisstrafe für T. beträgt 12 Monate, diese aber unbedingt. T. war von einem Militärgericht wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden und noch in der Bewährungszeit. T. war vom Ur­teil sichtlich tief getroffen.

Gerichtspräsident Thomas Zbinden sagte, dass bei diesem Strafmass und angesichts der Tatsache, dass er eine Arbeit und soziale Kon­takte hat, zum Beispiel eine Halbhaft infrage komme. Dem Opfer sprach das Gericht im Zivilpunkt eine Genugtuung von 8000 Franken zu, die beide Täter zur Hälfte bezahlen sollen. Auch die Gerichtskosten und die Verteidigungskosten des Opfers haben sie zu übernehmen.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.09.2018, 20:06 Uhr

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