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Kiesen kämpft um seine Poststelle

Die Post in Kiesen soll geschlossen werden – das goutieren weder der neue Gemeinderat noch die SVP Kiesen-Oppligen. Per Petition kämpft Letztere für die Erhaltung der Poststelle. Der gelbe Riese sucht das Gespräch.

Die Kiesener Poststelle wird voraussichtlich im Herbst geschlossen. Dagegen wehren sich die Gemeinde und die SVP-Sektion.
Die Kiesener Poststelle wird voraussichtlich im Herbst geschlossen. Dagegen wehren sich die Gemeinde und die SVP-Sektion.
Patric Spahni

«Ich habe keine Freude daran, dass die Poststelle in unserem Dorf geschlossen werden soll.» Ernst Waber (SVP), Gemeindepräsident von Kiesen, nimmt kein Blatt vor den Mund: Das Vorgehen der Post und die bevorstehende Schliessung der Poststelle in seiner Gemeinde ärgern ihn.

Der gelbe Riese teilte jenen Beschluss dem letztjährigen Kiesener Gemeinderat im vergangenen Jahr mit. Eine entsprechende Dialogerklärung zwischen Post und Gemeinde wurde unterzeichnet.

Waber, der seit dem 1. Januar 2018 als Oberhaupt der Gemeinde waltet, will sich wehren. «Wir befürchten einen Leistungs­abbau, wenn die Post wie angekündigt eine Partnerlösung im lokalen Volg realisiert», gibt er zu bedenken.

Zudem laufe das Dorf Gefahr, zur Schlafgemeinde zu werden, denn die Schliessung der Post sei nur ein weiterer Schritt im «stetigen Abbau» der Infrastruktur im Dorf. Besonders ärgerlich sei etwa, dass Bareinzahlungen in der Postagentur im Volg nicht mehr möglich sein würden, sagt Waber.

«Sehr gering genutzt»

Dies bestätigt die Schweizerische Post in einer Stellungnahme. Weiter würden Bargeldbezüge über 500 Franken, die Aufgabe von Sperrgutpaketen und Expresssendungen ins Ausland sowie das Abholen von Betreibungsurkunden in der Postagentur nicht angeboten, schreibt die Leiterin der regionalen Kommunikation, Antoinette Feh.

«Bareinzahlungen können jedoch am Domizil getätigt werden», ergänzt Feh. Zudem werden in der Volg-Filiale neu Debitkarten von Banken akzeptiert. Seit Herbst 2017 können KMU in Postagenturen ausserdem Massensendungen aufgeben.

Auch die Öffnungszeiten der Postagentur würden «sehr viel kundenfreundlicher»: Mit rund 70 Wochenstunden, während deren die Volg-Filiale geöffnet ist, verdoppelt sich die Zeitspanne gegenüber der während aktuell 37,5 Stunden geöffneten Poststelle beinahe.

«Im regionalen Vergleich wird die Filiale Kiesen sehr gering genutzt», heisst es von der Seite der Post weiter. Zwischen 2010 und 2017 seien 31 Prozent weniger Einzahlungen verarbeitet, 51 Prozent weniger Sendungen abgeholt und 25 Prozent weniger Briefe aufgegeben worden. Briefe und Pakete werden bereits seit November 2008 ab der Poststelle Oberdiessbach nach Kiesen zugestellt.

750 Unterschriften

Die Politvertreter des Dorfes wollen die Poststellenschliessung dennoch nicht einfach hinnehmen. Die SVP Kiesen-Oppligen – deren Präsident ebenfalls Ernst Waber ist – hat in den Gemeinden Oppligen, Jaberg und Kiesen eine «Petition gegen die Schliessung der Poststelle Kiesen» lanciert.

Die rund 1800 Bürgerinnen und Bürger der drei ­Gemeinden konnten sich per Unterschrift für den Erhalt der Kiesener Poststelle aussprechen. Innert kurzer Zeit kamen 750 Unterschriften zusammen.

Nun wurde die Petition auf den Wahlkreis Bern Mittelland-Süd – und damit nach Angaben der Partei auf 28 000 Haushalte – ausgeweitet, um auch in anderen betroffenen Gemeinden gegen Poststellenschliessungen vorzugehen.

«Die Partei sucht nun das Gespräch mit der Post», sagt Waber. Ein solches steht ihm auch in seiner Rolle als Gemeindepräsident bevor: Ein ursprünglich geplanter Infoanlass der Post am 6. März wurde abgesagt, Ende März treffen sich Post- und Gemeindevertreter erneut zum Gespräch.

«Wir erhoffen uns zumindest mehr Zeit», sagt Waber. Der Plan sieht vor, dass die Kiesener Post im Herbst 2018 geschlossen werden soll. Der Gemeindepräsident würde eine Lösung bevorzugen, bei der die Poststelle in die ört­liche Gemeindeverwaltung integriert wird: «Dazu müssen wir allerdings erst entscheiden, was auf längere Frist mit den Gemeindegebäuden geschieht, und einen Zonenplan erarbeiten.» Dies könne mehrere Jahre dauern.

Infoanlass geplant

Die Gemeinde hat ihre Bürgerinnen und Bürger vergangene Woche in der «Chisener Info» auf die bevorstehende Schliessung und ihr Vorgehen dagegen hingewiesen. Ein offizielles Statement der Post steht noch aus. Man stehe im Gespräch mit der Gemeinde und werde die Bevölkerung rechtzeitig zu einem Informationsanlass einladen.

Ob die Bemühungen der Gemeinde Kiesen auf offene Ohren bei der Post stossen, ist unklar. Aber: «Die Post zieht grundsätzlich die Anliegen von Petitionären in ihre Überlegungen mit ein», schreibt das Unternehmen.

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