«Kindliches Vertrauen ausgenützt»: Mann missbrauchte 13-Jährige

Das Regionalgericht Oberland hat einen 48-jährigen Mann wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Gefängnisstrafe von elf Monaten verurteilt.

Das Regionalgericht Oberland verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Gefängnisstrafe von elf Monaten.

Das Regionalgericht Oberland verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Gefängnisstrafe von elf Monaten.

(Bild: Tamedia)

Zum Abschluss der Urteilsverkündigung wünschte Gerichtspräsidentin Nathalie Fritz «einen schönen Abend». Zumindest für den Verurteilten, der der Urteilsbegründung ruhig gefolgt war, dürfte er nicht schön sein. Bei den Einvernahmen und Parteivorträgen tagsüber war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Geschehnisse vom 12. Mai 2018 kamen so nicht detailliert öffentlich zur Sprache.

Betroffen war ein damals 13-jähriges Mädchen, das in einer Pflegefamilie lebt und zu Besuch bei seiner leiblichen Mutter und deren Freund im Oberland war. Das Mädchen besucht eine Sonderschule, hat limitierte kognitive Fähigkeiten und in der Kindheit Gewalt erfahren.

Die Anklageschrift führt relativ detailliert auf, was passiert ist: Der Mann berührte das Mädchen im Schlafzimmer seiner Wohnung an den Brüsten, liess es seinen Penis in die Hand nehmen und versuchte vaginal und anal einzudringen. Objektive Beweismittel gabs nicht. Die Anzeige erfolgte zwei Wochen nach der Tat. Die gynäkologische Untersuchung ergab keinen eindeutigen Befund. Auf dem Handy des Opfers gabs keine Hinweise, in der durchsuchten Wohnung des Täters auch nicht.

Aussage gegen Aussage

Der Angeklagte hatte die Tatvorwürfe bestritten. Die Gerichtspräsidentin beurteilte die Aussagen des Mädchens, die per Video gemacht wurden, als in sich stimmig. «Der Therapiebericht sagt aus, dass an jenem Abend etwas Gravierendes passiert ist, das das Mädchen aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht hat», stellte die Gerichtspräsidentin fest. Diagnostiziert wurde eine hohe Traumatisierung. «Die Tat verursachte einen Einschnitt in das Leben des Mädchens, wie ich ihn noch selten gesehen habe», sagte die Gerichtspräsidentin.

Gewalt habe der Täter nicht angewendet. Das Mädchen habe mit seiner Mutter und deren Freund ein Vertrauensverhältnis gehabt, und dieses sei missbraucht worden; das werde es lebenslang begleiten. Das Mädchen habe Angst und sei sich auch der Ambivalenz der Stellung seiner Mutter bewusst. Die Tatkomponente beurteilte sie bei der Urteilsfindung mit den doch komplexen sexuellen Handlungen als relativ schwer, die Täterkomponente als neutral. Er sei nicht vorbestraft, lebe in geordneten Verhältnissen, und es sei sein Recht, kein Geständnis abzulegen und deshalb auch keine Reue zu ­zeigen.

Sie senkte das Strafmass, das die Staatsanwaltschaft beantragt hatte, von elf auf zehn Monate bedingt. Der Täter, der amtlich verteidigt wurde, darf für zehn Jahre keine Arbeit oder organisierte Freiwilligenarbeit übernehmen, in der er regelmässigen Kontakt mit Minderjährigen hat. Gerichtskosten und Anwaltskosten muss er übernehmen. Im Zivilpunkt muss der Täter dem Opfer eine Genugtuung von 12'000 Franken zahlen.

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