Kontaktaufnahme mit neuen Wählern

Interlaken

Einen Vormittag Politikunterricht: Am Gymnasium Interlaken standen fünf Politikerinnen und Politiker den Schülern Rede und Antwort.

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Sandra Hänggi (Grüne), Corinne Schmidhauser (FDP), Urs Graf (SP), Martin Lüthi (BDP) und Adrian Spahr (SVP) im Klassenzimmer: Das Gymnaisum Interlaken führte mit «Discuss it» ein Politevent durch. «Discuss it» ist ein Verein von Studenten und jungen Berufsleuten, die bei jungen Menschen das Interesse für Politik wecken wollen.

In fünf Klassenzimmern und auf der Sitzgruppe im Gang warteten die Politiker auf die Gymnasiasten, die in Gruppen durchs Schulhaus wanderten. Bei Flurina Wäspi von «Discuss it» gab es einen Test, dessen Resultate gleich anonymisiert zu sehen waren.

Im Hintergrund gab die Frage nach dem Durchschnittseinkommen eines Ständerats zu diskutieren. Wie setzen sich die 152'054 Franken zusammen, welche im Test die richtige Antwort waren? (Gemäss einem Bericht von SRF sind es nur die Vergütungen der Eidgenossenschaft.)

Warum welche Partei?

Überraschend war die Präsentation von Martin Lüthi, Co-Präsident der BDP Thun. Er ist der Künstler Heinrich Gartentor und zeigte auf dem Tablet seine Begrünung des Zürcher Münsterhofs und den einstigen Autofriedhof in Kaufdorf, wo er eine nationale Kunstausstellung organisiert hat. «Seit seiner Räumung gibt es keinen Weidehopf mehr im Gürbetal», sagte er.

Was ihm an der BDP gefällt? Er ist für die Möglichkeit, ausserhalb der Bauzonen sorgfältig bauen zu können, und für Zeitgutschriften für Leute, die sich um andere Menschen kümmern.

Politischer wurde es beim Interlakner Gemeindepräsidenten Urs Graf, der trotz FDP-Hintergrund bewusst die SP gewählt hat, weil sie für ihn schon lange nachhaltig politisiert. «Die EU ist nicht nur ein Wirtschafts-, sondern vor allem ein Friedensprojekt», sagte er.

FDP-Grossrätin Corinne Schmidhauser sagte zur Parteienwahl: «Nirgendwo wird es eine 100-prozentige Übereinstimmung mit der eigenen Meinung geben.» Ihr gefällt an der FDP, dass Eigenverantwortung ein wichtiges Thema ist. Zur Umwelt will sie differenziert Sorge tragen. Die Schweiz sollte an vorderster Front für neue Technologien stehen, um die Klimaerwärmung zu bewältigen. Die grüne Interlakner Gemeindeparlamentarierin Sandra Hänggi rief die Jungen auf, sich zu engagieren.

Adrian Spahr, Kantonspolizist und Co-Präsident der Jungen SVP Kanton Bern, sagte klar, was er erreichen will: kein Transitplatz Wileroltigen, weniger Steuern und Abgaben, freie Autowahl, weniger Geld ins Ausland, keine kriminellen Ausländer, die den Ruf von integrierten Immigranten schädigen.

Mit der EU aufs Podium

Gemeinsam wurden dann das Verhältnis zwischen der EU und der Schweiz sowie Digitalisierung und Arbeitsmarkt diskutiert. «Die EU hat genug Probleme, wir müssen uns ja nicht erpressen lassen. Sie hat kein Gspüri für die Schweiz», sagte Spahr.

Martin Lüthi fand: «Es ist ein Geben und Nehmen. Wir müssen etwas investieren.» Für Schmidhauser sind Bilaterale immer noch der Königsweg. Und für Graf ist die Schweiz klar Teil von Europa. Allerdings sagte Corinne Schmidhauser: «Die SP spielt im Moment den Schwarzen Peter.» Graf konterte: «Was wir wollen, ist endlich ein Mindestlohn in der Schweiz.»

In Sachen Digitalisierung fand Schmidhauser die Diskussion momentan utopisch, Graf will keinen Rückfall zu Taglöhnersystemen, Lüthi ist begeistert vom Lehrplan 21, der die Kinder auf das digitale Leben richtig vorbereite, und Spahr weiss, dass die Digitalisierung der Polizei die Arbeit erleichtert. Sandra Hänggi hofft, dass auch an Menschen mit einer Beeinträchtigung gedacht wird. «Es braucht finanzielle Mittel für gute Projekte.»

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