Konzept zur Stadtentwicklung geht in die öffentliche Mitwirkung

Thun

Wo und wie soll sich Thun in den nächsten zwanzig ­Jahren entwickeln? Die Stadt präsentierte am Freitag ihre Vorstellungen. Die Bevölkerung kann sich nun dazu äussern.

Wohnen, Arbeiten, öffentlicher Raum: Die durchmischte Nutzung, wie sie in der Innenstadt existiert, soll gemäss Stadtentwicklungskonzept künftig auch vermehrt in den Aussenquartieren Einzug halten.

Wohnen, Arbeiten, öffentlicher Raum: Die durchmischte Nutzung, wie sie in der Innenstadt existiert, soll gemäss Stadtentwicklungskonzept künftig auch vermehrt in den Aussenquartieren Einzug halten.

(Bild: Christoph Gerber)

Es sei ein sehr wichtiger Tag für sie, betonte Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP) gestern an der Medienkonferenz. Zusammen mit Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) präsentierte die Vorsteherin Direktion Stadtentwicklung den Entwurf des Stadt­entwicklungskonzepts, genannt Stek 2035. Als strategisches Ins­trument, welches die Grundsätze für die künftige Entwicklung Thuns festlegt, ist es ein Meilenstein der laufenden Ortsplanungsrevision. Es dient als ­Instrument zur Steuerung

  • der Anpassung von Baureglement und Zonenplan;
  • der Begleitung von Areal- und Gebietsentwicklungen;
  • der Abstimmung von übergeordneten planerischen Zielsetzungen;
  • der mittel- und langfristigen Infrastruktur- und Investitionsplanung.

Die Behörden rechnen damit, dass Thun in den nächsten fünfzehn Jahren um 5000 Einwohnerinnen und Einwohner wächst. Raphael Lanz sprach diesbezüglich von einem «moderaten Wachstum», das angestrebt werde. Der Stadtpräsident betonte seinerseits, dass sich Thun aus «seinen bestehenden Qualitäten» entwickeln soll. «Die Bevölkerung muss keine Angst haben, dass alles umgekrempelt wird», sagte Lanz.

Selbstredend bedingt eine wachsende Einwohnerzahl ein höheres Angebot an Wohnraum, aber auch an Arbeitsfläche, Schulraum oder Raum zur Freizeitnutzung. Gleichzeitig solle die Lebensqualität nicht nur ­erhalten, sondern gestärkt werden, sagte Lanz. Wie soll dies gelingen?

Fünf strategische Schwerpunkte

«Die Stadt will Verantwortung dafür übernehmen, in welche Richtung sich Thun entwickelt», sagte Marianne Dumermuth. Mit dem Entwurf des Stek 2035 ist nun ersichtlich, wo und wie die Stadt wachsen soll. Die verschiedenen Siedlungsgebiete sollen entweder bewahrt, weiterentwickelt oder neu orientiert werden.

Letztere Gebiete seien jene, wo eine grosse Veränderung sichtbar werde, sagte Dumermuth. Diese drei Entwicklungsansätze wendet die Planung in fünf stra­tegischen Schwerpunkten an: Wohnen, Arbeiten, Mischgebiete und Zentren, Landschaft sowie Stadtraum und Mobilität.

«Wenn wir merkten, dass es in die  falsche Richtung geht, hätten wir noch Gelegenheit zu reagieren.»Stadtpräsident Raphael Lanz

Als konkretes Beispiel für den Schwerpunkt Wohnen nannte Dumermuth das Siegenthalergut. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche an der Ecke Weststrasse/Burgerstrasse soll neu orientiert werden und somit in Zukunft Platz für neuen Wohnraum bieten. Ein Grossteil der heutigen Wohnquartiere jedoch soll sich weiterentwickeln und langsam verändern.

Die Siedlungsentwicklung nach innen, sprich ein haushäl­terischer Umgang mit der Ressource Boden, sei eine Notwendigkeit der heutigen Zeit, sagte Dumermuth weiter. Auch bei ­gewerblich intensiv genutzten Gebieten wie in Allmendingen-Nord, Gwattmösli oder Gwatt-Schoren wird deshalb eine Verdichtung angestrebt. Gleichzeitig sollen emissionsarme Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in Mischgebiete integriert werden.

Strättligen als Beispiel für neue Mischgebiete

Wohnen und Arbeiten zu kombinieren, macht aus Sicht der Behörden aus mehreren Gründen Sinn: Neue urbane Zentren beleben die Quartiere und fördern die «Stadt der kurzen Wege», in der sich die Menschen zu Fuss oder mit dem Velo mit dem Notwendigsten versorgen können.

Zudem dämmen nahe Arbeitsplätze Pendlerströme ein. Als Beispiel, wie dereinst neue urbane Zentren in den Aussenquartieren aussehen könnten, nannte Dumermuth das Strättligenquartier. Neue Mischgebiete sind beispielsweise an der Weststrasse Süd, der Mittleren Strasse oder im Quartierzentrum Dürrenast vorgesehen.

«Die Bevölkerung muss keine Angst haben, dass alles umgekrempelt wird.»Stadtpräsident Raphael Lanz

Die angestrebte Siedlungsentwicklung nach innen soll trotz Wachstum die Landschaftsräume schützen und bewahren. Die wertvollsten Landschaftsräume werden als Schutzgebiete vor baulichen Eingriffen geschützt. Angedacht sind neue Schutzgebiete im Haslimoos, auf dem Strättlighügel und auf der Burgerallmend.

Daneben sollen neu geschaffene Landschaftsräume im Siedlungsgebiet dieses beleben, der Bevölkerung zur Erholung dienen und darüber hinaus die Biodiversität und den ökologischen Ausgleich fördern.

In Einklang mit dem Gesamtverkehrskonzept, das heute in die Konsultation geht, sieht das Stek 2035 eine effiziente und nachhaltige Abwicklung des Verkehrs vor. Der erwartete Mehrverkehr soll über Fuss-, Velo- und den öffentlichen Verkehr abgewickelt und die Quartiere vom Autoverkehr entlastet werden. Thunerinnen und Thuner haben bis zum 24. August Zeit, sich zum Stek 2035 zu äussern. «Wenn wir merkten, dass es in die falsche Richtung geht, hätten wir noch Gelegenheit zu reagieren», antwortete Stadtpräsident Lanz.

Öffentliche Mitwirkung Stek 2035: Die Unterlagen können bei der Stadtverwaltung an der Industriestrasse 2 oder im Rathaus eingesehen werden. Online unter www.thun.ch/mitwirkung oder www.ortsplanungsrevisionthun.ch.

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