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Kräftig am Kilometerzähler gedreht

Ein Autohändler aus der Region Thun hat Kilometerzähler manipuliert. Angezeigt hat ihn ein Kollege, dem er seinen ganzen Bestand an Occasionsautos verkauft hat.

Für die elektronischen Zähler unternahm der Angeklagte Fahrten nach Italien, wo er die Manipulation ausführen liess. Die Occasionsautos bekamen dadurch einen höheren Verkaufswert.
Für die elektronischen Zähler unternahm der Angeklagte Fahrten nach Italien, wo er die Manipulation ausführen liess. Die Occasionsautos bekamen dadurch einen höheren Verkaufswert.

«Ich habe die Kilometer dem Auto angepasst», sagte der Mann, der im Laufe seines Arbeitslebens eine gute Nase für den Fahrzeugoccasionsmarkt hatte, gestern vor Gericht. Er eröffnete ein eigenes Geschäft, kaufte Unfallautos, baute sie neu zusammen und spezialisierte sich später auf Nutzfahrzeuge. Das Geschäft lief: Er konnte sich Immobilien kaufen, die er mit seinen Angestellten renovierte. 2010 wollte er seinen Occasionsautopark loswerden. Sein Nachbar, ebenfalls im Occasionshandel tätig, wurde gestern vor Gericht als Zeuge befragt. Er hat gemäss seiner Aussage eine grössere Werkstatt gebraucht. 2010 kam der Vertrag zustande. Der Nachbar kaufte 478 Occasionsfahrzeuge für weit über eine Million Franken.

Der Nachbar begann mit dem Verkauf der Autos. Relativ schnell kam die erste Reklamation: Ein Mercedes blieb liegen, und in der Markengarage wurde festgestellt, dass das Auto weit mehr Kilometer auf dem Buckel hatte, als beim Kauf angegeben worden war. Der Nachbar bekam weitere Reklamationen. Er trat nicht vom Vertrag zurück, sondern handelte einen Nachvertrag mit einem deutlich tieferen Preis aus. Bezahlt hat er nach Aussagen des Angeklagten nicht, sodass es zu einer Betreibung kam.

Erst dann, im Jahr 2013, zeigte der Nachbar den Angeklagten an. Dieser gestand, einen Fehler gemacht zu haben. Er manipulierte die Kilometerzähler. Soweit er das konnte, machte er es selbst. Für die elektronischen Zähler unternahm er Fahrten nach La Spezia in Italien, wo er die Manipulation für 50 Euro pro Kilometerzähler ausführen liess. Die Occasionsautos bekamen dadurch einen höheren Verkaufswert.

An der gestrigen Verhandlung sagte ein ehemaliger Angestellter aus, dass das Inventar mit den falschen Kilometerangaben allein von den Mitarbeitern des Verkäufers gemacht wurde. Der Zeuge hatte von den Manipulationen gewusst und auch Dokumente wie die Abgaskontrolle entsorgen müssen, aus denen sich der wahre Kilometerstand hätte ablesen lassen. Fest steht, dass der Angeklagte nach einer Auszeit wieder im Occasionshandel tätig war und 2014 bei einer Polizeikontrolle zwanzig Autos mit manipuliertem Kilometerzähler festgestellt wurden.

Der Staatsanwalt plädierte auf Urkundenfälschung, weil der Angeklagte das Inventar mit den falschen Kilometerangaben unterzeichnet hatte, auf gewerbsmässigen Betrug beim Verkauf des Occasionsparks und auf gewerbsmässigen Betrug im Fall der bei der Polizeikontrolle festgestellten Manipulationen. Der Anwalt des Angeklagten hielt fest, dass es im Laufe der Geschäftstätigkeit des Angeklagten keine Beanstandungen wegen manipulierter Fahrzeuge gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten bedingt. Die Verteidigung plädierte für einen Freispruch wegen Urkundenfälschung und eine Geldstrafe und eine Verbindungsbusse von 40 Tagessätzen für Betrug.

Rottweiler-Attacke

Im gleichen Verfahren wurde die Anklage wegen Übertretung gegen das Hunde- und Tierschutzgesetz behandelt. Der Angeklagte hatte sein Fahrzeughandelsgelände von zwei Rottweilern bewachen lassen. Tagsüber waren sie im Zwinger, nachts waren sie frei im Gelände. Anfang Juni 2015 gelangten sie über den Zaun frühmorgens ins Freie. Sie verletzten unterwegs einen kleinen Hund und eine Katze tödlich.

Der Mann sagte aus, dass die Spuren bewiesen hätten, dass ein potenzieller Einbrecher den Zaun beschädigt habe. Der erfahrene Hundehalter liess die beiden Hunde einschläfern. Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 750 Franken wegen Übertretung des Hunde- und des Tierschutz­gesetzes, der Anwalt plädierte auf einen Freispruch, weil der Angeklagte die Sorgfaltspflicht nicht verletzt habe. Das Urteil wird morgen gefällt.

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