Künstlerbörse baut ihr Angebot im und ums KK Thun aus

Thun

In einer Woche startet im KK Thun die 60. Schweizer Kleinkunstbörse. Dafür gibts eine neue Zeltbühne und ein Fenster für zeitgenössischen Tanz.

Ein Geschenk an die Thuner: «Les Goulus» werden für Furore sorgen.

Ein Geschenk an die Thuner: «Les Goulus» werden für Furore sorgen.

(Bild: pd)

Wenn sich nächsten Donnerstag der Vorhang im KK Thun für die Gala der Künstlerbörse hebt, wird sich Anne Jäggi besonders freuen. Und gleichzeitig wird auch eine grosse Last von ihren Schultern fallen.

Denn die Co-Geschäftsleiterin des Berufsverbands t. Theaterschaffende Schweiz hält die Fäden für das wichtigste Treffen der Kleinkunstszene in der Hand und hatte in den vergangenen Monaten und Wochen einige Hürden zu meistern: «Die Künstlerbörse ist in mancher Hinsicht eine sehr komplexe Veranstaltung», sagt sie. «Es ist ein grosses Räderwerk, bei welchem jedes Zahnrad ins andere passen muss. Und je mehr Zahnräder es sind, desto herausfordernder wird es.»

Anne Jäggi spricht damit vor allem die Neuerungen an, welche auf die Besucherinnen und Besucher der 60. Schweizer Kleinkunstbörse warten. Und die Anne Jäggi und ihr Team den Festivalbesuchern, aber auch der Thuner Bevölkerung, zu diesem «Jubiläum» schenken.

Neue Zeltbühne für Musik und das 10x10-Format

Am augenfälligsten wird wohl die neue Zeltbühne auf dem Festivalgelände sein, die zwischen KK Thun und Gymnasium zu stehen kommt. Hier wollen die Organisatoren am Freitag- und Samstagnachmittag Raum für ein Musikprogramm bieten. Musikalische Darbietungen wird es auch weiterhin auf dem ganzen Festivalgelände geben. Auf der neuen Bühne werden sie nun aber mehr konzentriert und aufgewertet.

Und die neue Zeltbühne bietet einen weiteren Vorteil: «Ab sofort können wir das Format 10x10, welches Künstlern 10-minütige Auftrittsmöglichkeiten bietet und das bisher in der Alten Oele stattfand, auf dem Festivalgelände anbieten», sagt Anne Jäggi. Dies werde jeweils am Freitag- und Samstagabend sein. Die Künstler übrigens, die im Rahmen dieses Formats auftreten, werden per Losentscheid bestimmt. Es sind dies Formationen oder Einzelkünstler, die noch nicht Premiere ihres neuen Programms feierten.

Neue Plattform für zeitgenössischen Tanz

Eine weitere Neuerung an der diesjährigen Börse ist ein Tanzfenster: «Wir wollen die Veranstalter, welche bei uns Formationen buchen, vermehrt für das Genre sensibilisieren», sagt Jäggi. Denn der Tanz, vor allem der zeitgenössische, friste ein Schattendasein in der Kleinkunstszene. Für die Auswahl der vier Schweizer Formationen, die nun in Thun zu einem Kurzauftritt kommen, ist das Schweizer Tanznetzwerk Reso verantwortlich.

Doch damit nicht genug: Die Verantwortlichen bleiben der Innenstadt trotz dem Rückzug aus der Alten Oele nicht ganz fern. Mit einer Strassenkünstlertruppe aus Frankreich wollen sie die Börse auch zu den Thunerinnen und Thunern bringen: «Es ist ein Geschenk an die Bevölkerung und ihre Gastfreundschaft in all den Jahren», sagt Anne Jäggi und verspricht eine «köstlich-komische Pferdedressur», welche die Gruppe «Les Goulus» am Freitagnachmittag, Samstagmorgen und -nachmittag in der Innenstadt, aber auch auf dem Festivalgelände darbieten wird: «Zwei Companymitglieder spielen begnadete Reiter und ihre Dressurpferde, ein Künstler übernimmt die Rolle des talentfreien Reiters und seines Pferdes ...»

Kurzauftritte im KK Thun als Herzstück der Börse

Herzstück der Börse bleiben aber trotz der vielen Neuerungen die Kurzauftritte von rund 60 nationalen und internationalen Künstlern und Formationen auf der Bühne des Lachen- und des Schadausaals. Drei Auswahlkommissionen aus der deutschen, der französischen und der italienischen Schweiz, deren Mitglieder regelmässig wechseln, wählen diese aus rund 150 Bewerbungen aus.

«Beim Auswahlverfahren stehen immer die Qualität, aber natürlich auch die Ausgewogenheit des Programms im Vordergrund», sagt Anne Jäggi. Hinzu kommen weitere 7 Künstler oder Formationen, die dank der Zusammenarbeit mit anderen Börsen in Deutschland oder in Belgien, Frankreich oder Kanada nach Thun eingeladen werden. So kommt beispielsweise der Gewinner des Publikumspreises in Freiburg im Breisgau jedes Jahr nach Thun.

Jungreporter und SRF1 berichten von der Börse

Umrahmt wird die 60. Börse in diesem Jahr auch von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm: Dazu gehört der Aufruf der Festivalmacher an die Besucherinnen und Besucher, ihre eigene Börsengeschichte auf Facebook zu erzählen; eine Sonderausgabe der Zeitschrift Transhelvetica, welche aus Anlass des «Jubiläums» 60 Kleintheater in der ganzen Schweiz porträtiert; oder eine Fotoinstallation, welche auf die 60 Börsen in den letzten 44 Jahren zurückblickt. Aber auch eine Podiumsdiskussion unter Kulturschaffenden.

Schliesslich wird auch vielfältig über die Börse berichtet: So produziert Radio SRF 1 zwei Live-Sendungen vor Ort. Zum einen überträgt der Sender einen Showblock am Freitagabend im Schadausaal, zum andern wird die «Zytlupe» am Samstagmittag live vom Festivalgelände gesendet.

Und damit sich auch Junge angesprochen fühlen, haben Anne Jäggi und ihr Team die Thuner Jungreporter von Jurep 2.0, ein Projekt, das aus einem Ferienpassangebot entstanden ist, engagiert. Drei bis vier Jugendliche aus der Region werden die Börse multimedial begleiten und auf verschiedenen Kanälen live berichten.

Ein Budget von fast einer Million Franken

Kein Wunder also, hat die Künstlerbörse in Thun auch ihren Preis: «Wir haben ein Budget von beinahe einer Million Franken», sagt Anne Jäggi. Die grössten Posten seien dabei der Personalaufwand, die Technik und Infrastruktur.

Keine Ausgaben hat der Verband t. hingegen für die Auftretenden: «Diese reisen auf eigene Kosten an und übernehmen auch ihre Unterkunfts- und Verpflegungskosten selber», so die Co-Geschäftsleiterin. «Sie erhalten dafür von uns die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum und einer Vielzahl von Veranstaltern zu präsentieren.»

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