Kunst, um das Böse zu erschnuppern

Gut ein Dutzend Kunstinteressierte fanden sich im Kunstmuseum Thun zur Finissage der Schnupperschau im Projektraum Enter ein. Beim Künstlergespräch mit Habib Asal, dem Kurator Ashraf Osman und Co-Kuratorin Katrin Sperry entwickelte sich ein reger Austausch rund um Gerüche.

Sie realisierten die Schnupperschau «Wie riecht das Böse?» (v. l.): Habib Asal, Katrin Sperry und Ashraf Osman.

Sie realisierten die Schnupperschau «Wie riecht das Böse?» (v. l.): Habib Asal, Katrin Sperry und Ashraf Osman. Bild: Christina Burghagen

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Jeder ist in der Lage, die Augen zu schliessen; doch sich Gerüchen zu entziehen, ist nicht möglich. Der Künstler Habib Asal suchte für die Schnupperschau im Kunstmuseum im Rahmen der Cantonale Berne Jura nach Aromen, bei denen Assoziationen von Gewalt, Krieg und Terror geweckt werden, um dem Weltgeschehen Rechnung zu tragen.

Dazu stellte er im Projektraum Glasbehälter auf, die mit Stoffen wie Asche, Schwefel, Ethanol oder Waffenöl zum Schnuppern gefüllt waren. Um den Geruch des Bösen sichtbar zu machen, hielt er in einer Installation mit dem Titel «Wie riecht das Böse?» mit Tusche und Feder raumgreifend chemische Formeln fest, die in Waffen, Gift, Hormonen oder Sprengstoff vorkommen.

Erotisch und eklig

Kurator und Duftexperte Ashraf Osman lieferte zum Werk den Duft «Sécrétions magnifiques», ein Parfüm, das widerlich und erotisch zugleich riecht. Als Ergänzung wählte Asal aus der ­reichen Sammlung des Kunst­museums Bilder für den Pro­jektraum aus, die Kriegs- und ­Kampfsituationen darstellen.

«Mit meinem arabischen Namen hatte ich bei der Recherche Bedenken, ob der Geheimdienst irgendwann vor der Tür steht.»Habib Asal 

Auf Frauenakte, die es im Museum reichlich gebe, habe Habib Asal bewusst verzichtet, um die Assoziation mit dem Paradies und den 72 Jungfrauen zu vermeiden: «Das wäre zu platt gewesen!» Der Künstler mit jordanischen Wurzeln erzählte sarkastisch, wie er auf die Suche ging, um Terrorgerüche chemisch korrekt zu zeichnen: «Mit meinem arabischen Namen hatte ich bei der Recherche Bedenken, ob der Geheimdienst irgendwann vor der Tür steht.»

Gas- und Garagenduft

Die Besucherinnen und Besucher tauschten sich lebhaft darüber aus, welche Gerüche willkommen seien und welche nicht. Co-Kuratorin Katrin Sperry schwärmte für Garagengeruch und fügte ­hinzu: «Wenn ich einen Gasherd erschnuppere, muss ich an meine Grossmutter denken, die an so einem Herd gekocht hat.»

Habib Asal bevorzugt Gerüche wie ­denjenigen von gebratenen Zwiebeln und Kaffee gemischt mit Autoabgasen, das erinnere ihn an die Atmosphäre in südlichen Städten. Eine Besucherin versicherte, sie schwärme nicht für den Duft «Sécrétions magni­fiques», denn Frauen würden blumige Düfte bevorzugen. Eine weitere Dame konnte dem nur beipflichten, denn ihr sei von dem installierten Parfüm immer noch schlecht.

Gute Rückmeldungen

Das Kunstmuseum Thun verzeichnete an der Cantonale Berne Jura mit Schnupperschau 1803 Besucher, von denen sich viele von der Vielfältigkeit der Ausstellung im Gästebuch begeistert zeigten. Als «anregend», «sehr interessant» und «überraschend» bezeichneten die Besucherinnen und Besucher die Schnupperschau mit Gerüchen von Gewalt und Terror. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.01.2017, 12:10 Uhr

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