Zum Hauptinhalt springen

Kyburgbühne brilliert mit Grossstadt-Märchen

Lächelnd und nachdenklich gestimmt verliess das Premierenpublikum das Theater Alte Oele nach der neuen Produktion der Kyburgbühne Thun.

Szene aus dem Stück: Grossmutter Paulette (l.) erklärt Camille und Philibert ganz genau, was sie zum Leben alles braucht.
Szene aus dem Stück: Grossmutter Paulette (l.) erklärt Camille und Philibert ganz genau, was sie zum Leben alles braucht.
zvg

«Die Butter gehört abgedeckt in den Kühlschrank», herrscht Franc (Lorenz Raouf) seinen Mitbewohner Philibert (Herbert Hubacher) an. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Franc schuftet als Koch in einer Pariser Grossküche, liebt Motorrad und unverbindliche Frauen.

Philibert Marquet de la Durbellière meidet den Grossstadttrubel und gerät ins Stottern, sobald er mit jemandem sprechen muss. In der ungeheizten Dachkammer über ihnen lebt die junge Camille (Sina Hirzberger), die fiebrig und abgemagert Philiberts Fürsorge weckt. Er nimmt sie zum Ärger von Franc in die Wohngemeinschaft auf.

Langsam kommt die junge Frau wieder zu Kräften und setzt sich nun dafür ein, Francs Grossmutter Paulette (Pia Germann) aufzunehmen, denn diese droht im Heim beängstigend zu vereinsamen. Trotz Querelen sind sich alle einig: sie wollen zusammenbleiben.

In Hauptrollen garnieren

Liebe, Freundschaft und Mitgefühl tragen das einfühlsame Erzähltheater unter der Regie von Renate Adam. Neben den Hauptrollen garnieren Vithusa Vincen Raj, Oliver Ritschard und Pia Abplanalp das Bühnengeschehen durch Auftritte als «O du Fröhliche» singende Heilsarmee oder ausgelassen tanzende Silvestergäste.

Zudem liest das Trio zur Szenenüberleitung im Wechsel Texte. Die Dramatisierung von Anna Bechstein wurde von der Regisseurin bearbeitet, Herbert Hubacher übernahm die Mundartfassung.

Wenn ein essgestörtes Mädchen mit einem Koch zusammenlebt, ein sturköpfiger Gastronom mit einem feingeistigen Aristokraten die Wohnung teilt und eine alte Dame die Fürsorge einer liebevollen jungen Frau empfängt, schliesst sich der Kreis.

Fein gezeichnete Charaktere

Die Inszenierung kommt mit schlichtem Bühnenbild von Christine und Daniel Stucker sowie Vreni Frey aus. Die eigentliche Kraft des Stücks geht von fein gezeichneten Charakteren aus. Zerbrechlich und schutzbedürftig, und doch mutig und lebhaft steht Camille mitten im Leben. Den zerstreuten Philibert möchte man sofort in den Arm nehmen, wenn er wieder – gekonnt einstudiert – zu stottern anfängt.

Eingefroren und mit überschüssiger Kraft kommt Franc daher, der im Laufe des Stücks sichtlich auftaut. Grossmutter Paulette – am Ende ihres Lebens gebeutelt und tapfer – nimmt die Herzen im Sturm. Unendlich berührend wirkt die Sterbeszene von Pau­lette, die im Kreise ihrer Wahl­familie sanft hinübergleitet. Warmherzig und zuweilen komisch hinterlässt die Geschichte Trost und die Erkenntnis: Zusammen ist man weniger allein.

Aufführungen: 16., 17., 18., 20., 21., 23., 24., 25., 27., 28. 3.; wochentags 20 Uhr, sonntags 17 Uhr. Reservierungen: Kyburgbuehne.ch, Tel. 079 552 29 17; Mo–Fr 17–18 Uhr oder Cafébar Alte Oele, Mo–Fr 9–17 Uhr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch