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Langer Einschichtbetrieb als Lösung?

Kein Zwei-, aber ein verlängerter Einschichtbetrieb und eine totale Öffnung der Burgstrasse: Der Lösungsvorschlag zur Thuner Verkehrspro­blematik stiess im Stadtrat auf Wohlwollen.

Vorerst werden die Staus – so wie hier auf der Schwäbisgasse – nicht aus der Thuner Innenstadt verschwinden.
Vorerst werden die Staus – so wie hier auf der Schwäbisgasse – nicht aus der Thuner Innenstadt verschwinden.
Patric Spahni

Der Antrag lag seit einem Monat auf dem Tisch: die Umstellung auf Zweischichtbetrieb sowie die Verlängerung der aktuellen Bauphase über den 21. September 2018 hinaus. Mit diesen Massnahmen wollten die Postulanten Lukas Lanzrein (SVP/FDP), Markus van Wijk (SVP/FDP) und Peter Aegerter (BDP) die angespannte Lage mit Umsatzeinbussen bei Innenstadtgeschäften und Staus rund um Thun wegen der Baustellen an Berntor und Lauitor zumindest ein wenig entschärfen.

Am Donnerstagabend beugte sich der Stadtrat nun über den Vorstoss, der so dringlich war, dass er formal eigentlich erst am Abend der Sitzung eingereicht, aber auch gleich beantwortet und behandelt wurde. Postulant Lanzrein versprach, dieses Vorgehen nicht als Präjudiz für künftige dringliche Vorstösse zu sehen.

Burgstrasse: Verkehr soll2019 zweispurig rollen

So erfuhren die Parlamentarierinnen und Parlamentarier von Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) zunächst, was die involvierten Stellen bei Stadt und Kanton in den vergangenen Tagen als mögliche Lösung ausgeknobelt hatten.

«Wir wollen und können das erreichen.»

Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) zur verkürzten Bauzeit

Zur Forderung, die Gesamtbauzeit bis Ende Sommerferien 2019 zu verkürzen, sagte Hädener: «Wir wollen und können das erreichen.

Das wird aber Mehrkosten und andere Nebenwirkungen zur Folge haben.» Als eines der ersten Ziele nannte Hädener, die Burgstrasse 2019 wieder komplett in beide Richtungen zu öffnen. Aktuell ist noch geplant, auf dieser Strasse auch im nächsten Jahr während rund fünf Monaten ein Einbahnregime Richtung Berntor zu installieren. «Die komplette Öffnung würde – auch regional gesehen – den grössten Nutzen bringen», so der Bauvorsteher.

Zweischichtbetrieb: Arbeiten dazu ungeeignet

In Sachen Zweischichtbetrieb erteilte Hädener dem Rat eine Absage: «Ausser Kosten brächte das im vorliegenden Projekt nichts.» Im Gegensatz zur Sanierung des Guisankreisels letzten Sommer oder anderen früheren Baustellen mit Zweischichtbetrieb sei dies an Bern- und Lauitor nicht sinnvoll, da es ein vergleichsweise komplexes Projekt mit vielen Abhängigkeiten und «hoch spezialisierten Arbeitsschritten» sei.

Als Beispiel erwähnte er etwa, dass bei der derzeitigen Sanierung der Werkleitungen je nachdem, ob es sich um eine Gas-, Strom- oder Wasserleitung handelt, andere Teams innerhalb der Energie Thun AG am Werk sind. Hinzu kämen andere Firmen für andere Arbeiten. Der Koordinationsbedarf sei entsprechend hoch.

«Spätestens, wenn man einen Schichtplan erstellt, merkt man, dass es wegen der Abhängigkeiten nicht ginge», erklärte Hädener. Alle beteiligten Unternehmen seien zum selben Schluss gekommen. Gangbar wäre aus Sicht des Bauvorstehers indes ein «ausgedehnter Einschichtbetrieb von 6 bis 19 Uhr mit einer aufgestockten Equipe».

Bau des neuen Kreisels am Berntor bereits 2018?

Die Verlängerung der Arbeiten über den 21. September hinaus ist wiederum möglich. Konrad Hädener sprach davon, die Baustellen im Minimum bis Ende November 2018 aufrechtzuerhalten – dies, weil der neue Berntorkreisel zwingend heuer gebaut und auch gleich fertiggestellt werden müsste. «Wir können nicht einen nur halb betonierten Kreisel dem Verkehr übergeben», so Hädener.

Im Fall eines milden Winters könnte allenfalls sogar bis Weihnachten durchgearbeitet werden. Bei diesem Szenario würde sich die Bauzeit im Jahr 2019 auf noch rund zwei bis zweieinhalb Monate verkürzen, also bis maximal in den Frühling hinein. Als Kehrseite der Medaille wären die Thuner Innenstadtläden auch während des Weihnachtsgeschäfts von den aktuell erschwerten Verkehrsbedingungen betroffen. Und: Ein ausgedehnter Einschichtbetrieb hätte wohl zusätzliche Behinderungen während der Stosszeiten zur Folge.

Die Mehrkosten für den beschleunigten Bauprozess bezifferte Konrad Hädener auf rund 200 000 Franken. Dieser Betrag läge in der Kompetenz des Gemeinderats. Er könnte das Geld relativ rasch sprechen; allerdings gilt es den Entscheid in Absprache mit dem Kanton und den beteiligten Unternehmen zu fällen.

Postulant spricht von einer «markanten Verbesserung»

Lukas Lanzrein (SVP/FDP) begrüsste die skizzierten Ideen. «Wir finden die präsentierte Lösung gut und wünschen, dass sie möglichst rasch umgesetzt wird.»

«Wir finden die präsentierte Lösung gut und wünschen, dass sie möglichst rasch umgesetzt wird.»

Postulant Lukas Lanzrein (SVP)

Der Postulant liess es sich nicht nehmen, einen Teil der Lorbeeren für sich in Anspruch zu nehmen: «Mit dem Vorstoss und vor allem auch mit der Petition, die über 5000 Leute unterzeichneten, haben wir die neue Lösung provoziert.»

Franz Schori (SP) anerkannte zwar den Erfolg dieser Petition, hielt aber auch fest: «Grundsätzlich hat die Stadt ihre Hausaufgaben in Sachen Verkehr gemacht – und zwar schon vor Anfang April.» Er sei froh, dass der Bauvorsteher auch auf potenzielle Risiken der neuen Lösung hinweise, könne dem Postulat aber zustimmen. Postulant Peter Aegerter (BDP) gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass das anvisierte neue Ziel einer Gesamtbauzeit bis Frühling 2019 eintreffe.

«Das wäre eine markante Verbesserung», so Aegerter. Die nötigen 200'000 Franken an Mehrkosten seien es auf alle Fälle wert. Nicole Krenger (GLP/FDM) warb ebenfalls dafür, der Gemeinderat solle sich für die beschleunigte Bauweise entscheiden, während Till Weber (Grüne) relativierend einwandte, dass die aktuelle Verkehrssituation nicht so schlimm sei, wie sie von den Postulanten «schlechtgeschrien» werde.

Entscheid bis in rund einem Monat zu erwarten

Nach einem Sitzungsunterbruch und der anschliessenden ausführlichen Diskussion nahm das Parlament das Postulat einstimmig an. Doch wird die skizzierte Lösung auch wirklich Realität, und falls ja, wann?

Konrad Hädener sagte nach der Stadtratssitzung, dass er nun wieder das Gespräch mit dem Kanton und den beteiligten Unternehmen suchen werde. «Ich denke, dass wir bis in rund einem Monat einen ­Entscheid fällen können», so ­Hädener.

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