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Lanz wünscht sich einheitliche Öffnungszeiten

Neues Verkehrsregime und Onlinehandel stellen den Thuner Detailhandel auf eine harte Probe. Der Einzelhandel müsse sich den veränderten Kundenbedürfnissen stellen, fordert Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz.

«Wir machen sehr viel richtig, aber sicherlich nicht alles»: Raphael Lanz (SVP) verweist auf die verschiedenen Baustellen in Thun, die den Unmut des Gewerbes seiner Ansicht nach erklären.
«Wir machen sehr viel richtig, aber sicherlich nicht alles»: Raphael Lanz (SVP) verweist auf die verschiedenen Baustellen in Thun, die den Unmut des Gewerbes seiner Ansicht nach erklären.
Christian Pfander

Raphael Lanz*, das Thuner Gewerbe gibt Ihnen Note 5 auf einer Skala bis 10, wenn es um den Umgang mit den städtischen Behörden geht. Was machen Sie falsch?

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind in Thun geprägt durch eine spezielle Situation: Die Begleitmassnahmen zum Bypass Nord mit dem neuen Verkehrsregime in der Innenstadt sowie diverse Baustellen haben den Detailhandel in den vergangenen zwei Jahren auf eine harte Probe gestellt. Wir nehmen die Sorgen des Gewerbes ernst und sind sehr offen sowie sehr aktiv, pflegen ein gutes Verhältnis zur Innenstadtgenossenschaft Thun (IGT). Gemeinsam haben wir mit verschiedenen Massnahmen so gut wie nur möglich Gegensteuer gegeben. Unsere Aktion «Thun nimmt Platz» etwa hat dazu geführt, dass viele Leute in die Innenstadt kamen und sich die von Thunerinnen und Thunern gestalteten Bänkli ansahen und dort verweilten. Es ist dann Aufgabe der jeweiligen Anbieter, ein Angebot bereitzustellen, das die Besucherinnen und Besucher der Innenstadt anspricht. Die Unzufriedenheit, die aus dieser Umfrage hervorgeht, entsteht durch die verschiedenen Baustellen. Und es äussern sich natürlich auch jene, die mit dem Verkehrsregime grundsätzlich unzufrieden sind. Mit Blick nach Bern stelle ich fest: Wir machen sehr viel richtig, aber sicherlich nicht alles.

Welche Note finden Sie denn angebracht?

Ich möchte uns nicht benoten. Wir streben einen guten und konstruktiven Kontakt mit dem Gewerbe an. Das gelingt nicht immer, aber wir bemühen uns. Ich würde mir wünschen, dass unsere Bestrebungen besser wahrgenommen werden.

Nichts beschäftigt die Thuner Detaillisten mehr als die Verkehrs- und Parkplatzsituation. Wo konkret drückt der Schuh?

Während Jahrzehnten hatten wir ein anderes Verkehrsregime. Man kann nicht erwarten, dass nach einer grundlegenden Änderung vom ersten Tag an alles optimal läuft. Aktuell testen wir Fussgängerzonen mit grosszügiger Anlieferung während eines Jahres. Die Frage stellt sich: Was müssen wir optimieren? Oft sind die Anliegen des Gewerbes auch gegenläufig: Während die einen zu wenig Zugänglichkeit beklagen, monieren andere zu viel Durchgangsverkehr. Die Anlieferung in Thun ist eine Besonderheit, weil das Bälliz und die Hauptgasse nur von einer Seite her angefahren werden können. Wir sind also eingeschränkt in den Alternativen. Entsprechend versuchen wir, pragmatisch vorzugehen und diesem speziellen Umstand Rechnung zu tragen.

Die Situation in der Innenstadt hat sich für die Gewerbetreibenden verschlechtert oder gar sehr verschlechtert, stellen drei Viertel von ihnen fest. Was unternehmen Sie?

Diese Wahrnehmung führe ich nicht nur auf die unmittelbar von der Politik beeinflussbaren Faktoren zurück. Das Einkaufsverhalten hat sich geändert. Wegen des Onlinehandels suchen Kunden in den Innenstädten vermehrt das Erlebnis, weniger den reinen Einkauf. Dieser Herausforderung muss sich der Einzelhandel stellen. Diese Rahmenbedingungen können wir als städtische Behörde nicht beeinflussen. Da ist Innovation gefragt.

79 Prozent sehen dennoch Handlungsbedarf bei der Stadt. Tun Sie nicht genug?

Da müsste ich genauer wissen, was denn die Erwartungen sind. Der Handel selbst muss auch Anstrengungen unternehmen. Einheitliche Öffnungszeiten wären wünschenswert. Wir können den Gewerblern nicht vorschreiben, wann sie ihre Läden öffnen. Ich wünschte mir, dass sich die Detailhändler in der Innenstadt noch mehr als Gemeinschaft verstehen. Sie könnten sich noch stärker als grosses Einkaufszentrum mit einem vielfältigen Charakter präsentieren. Wir sollten zudem nicht alles schlechtreden: Thun bietet eine attraktive Innenstadt.

«Wenn sich das Verhalten ändert und wir die Rahmenbedingungen nicht, werden die Probleme für den stationären Detailhandel aus meiner Sicht eher grösser.»

Raphael Lanz

Das veränderte Konsumverhalten macht in Thun offenbar stärker zu schaffen als in Bern. Können Sie sich das erklären?

Für mich ist plausibel, dass das veränderte Konsumverhalten als übergeordnetes Element hier stärker gewichtet wird als behördliche Auflagen und die Note für die Behörde deshalb auch besser ausfällt. Offenbar fühlt man sich in Bern mehr eingeschränkt.

Ihnen wird im Gegensatz zur Hauptstadt zugutegehalten, dass sie fair sind. Und die Veränderungen sind aus Thuner Sicht nachvollziehbarer. Was folgern Sie daraus?

Ich kenne die Verhältnisse in Bern zu wenig. Ich kann nur sagen, wir sind sehr offen. Regelmässig habe ich Gewerbler ins Rathaus eingeladen und gefragt: Was können wir denn noch tun, um sie noch besser zu unterstützen? Dabei zeigt sich, dass die Anliegen widersprüchlich sind. Für mich als Politiker ist es schwierig, wenn unter den Betroffenen keine Einigkeit herrscht. Daher bin ich dankbar für die IGT als Ansprechstelle, die eine konsolidierte Haltung vermittelt. Es ist erfolgsversprechender, wenn Geschäftsinhaber geeint auftreten.

Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten goutieren zwei Drittel der Thuner Gewerbetreibenden nicht, den Vorschlag des Regierungsrats (1 Stunde länger, zwei Sonn-/Feiertage mehr) lehnen sie ab. Warum?

Da sind verschiedene Interessen im Spiel. Kleinere Betreibe stehen dem kritisch gegenüber, weil sie in den längeren Öffnungszeiten Mehrarbeit sehen und keinen Mehrumsatz erwarten. Die Frage, ob diese Massnahme nicht dem veränderten Einkaufsverhalten Rechnung trägt, stellt sich. Was macht der Konsument? Wenn die Läden nicht offen sind, geht er dahin, wo die Läden offen sind, oder weicht auf den Onlinehandel aus. Wenn sich das Verhalten ändert und wir die Rahmenbedingungen nicht, werden die Probleme für den stationären Detailhandel aus meiner Sicht eher grösser.

*Raphael Lanz, 51, weiss als Thuner Stadtpräsident (SVP) um die Nöte der Detaillisten. Seine Eltern betrieben bis zur Jahrtausendwende in der Oberen Hauptgasse die Drogerie Edelweiss und waren an verschiedenen weiteren Drogeriebetrieben beteiligt.

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