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Lieber misstrauisch sein, als in die Falle tappen

Der diesjährige Seniorenmarkt hatte den richtigen Riecher: Das Thema Digitalisierung lockte viele Besucher und Zuhörer an. Die Kantonspolizei riet Senioren zu Misstrauen gegenüber Dubiosem und Meldung an die Polizei.

Ein junger Mann erklärt einer ­Seniorin, wie ihr Smartphone funktioniert.
Ein junger Mann erklärt einer ­Seniorin, wie ihr Smartphone funktioniert.
Nelly Kolb

Gutes Wetter, ein breites Informationsangebot und das Thema «Alter – Technik – Digitalisierung» brachten dem 9. Seniorenmarkt am Samstag Erfolg. Die Vorträge «Fiese Maschen im Netz» und «Wie viel Internet verträgt das Alter?» waren sehr gut besucht. Intensiv genutzt wurde auch das Angebot des Generationentandems «Und», wo Junge ­Älteren bei Problemen mit Handy, Tablet und Co. halfen (nächste Gelegenheit: am 13. November um 19 Uhr, Kunstküche Hofstettenstrasse 12).

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Der Mensch, ob jung oder älter, kommt kaum noch drum herum, sie zu nutzen. Die Meinung, Senioren stünden den digitalen Medien und Geräten ablehnend gegenüber, ist falsch. Nach einer Studie nutzen rund 80 Prozent der über 65-Jährigen das Internet regelmässig. Bei über 85-Jährigen sind es noch etwa 17 Prozent.

Misstrauisch sein

Das Internet ist aber nicht nur nützlich und auch nicht ganz harmlos. Da gibt es viele miese Maschen, Betrugsversuche und Tricks. Regula Lanz und Doris Schmid von der Abteilung Prävention der Kantonspolizei Bern gaben Informationen, um solche Täuschungsversuche zu erkennen und richtig zu handeln. «Seien sie misstrauisch, glauben sie nicht alles», riet Regula Lanz. «Rufen sie uns im Zweifelsfall an, das hilft uns bei Ermittlungen», empfahl Doris Schmid.

Achtung bei . . .

Weit über die Hälfte der älteren Menschen suchen sich heute einen Partner im Internet. Da wird viel Schindluder getrieben. Deshalb der Rat bei Love-Scam (Liebesschwindel): Niemals Geld überweisen. Auch wenn man sich der Seriosität und der ehrlichen Liebe des Netzpartners noch so sicher ist. Phishing (das Fischen von Passwörtern): Auf unbekannte Mails, SMS und Telefonate nicht reagieren. Keine persönliche Angaben machen und keine Anhänge und Links öffnen.

Zur Sicherheit bei den angegebenen Firmen rückfragen. Enkeltrick: Auf die Frage «Weisst du, wer ich bin?» keine Namen nennen. Auf noch so überzeugend dargelegte Geldsorgen nicht eingehen und schon gar nicht Geld überweisen. Den Mut haben, den Telefon­hörer einfach aufzulegen und umgehend die Polizei zu informieren (Nr. 112 oder 117).

Um die Digitalisierung komme man nicht herum, hielt Heidi Minder Jost (Fachbeauftragte Alter und Generationen reformierte Kirchen) fest. Auch die Golden Agers surften heute silberhaarig im Netz. Wie viel Internet das ­Alter vertrage, sei nicht generell zu beantworten. Es gelte, das Internet auf die persönlichen Interessen und Bedürfnisse abgestimmt zu nutzen, und die seien sehr verschieden. Man solle sich fragen: Was will ich? Bereichert es mich? Was bringt es mir?

Zweckmässiges Nutzen des Netzes könne die eigene Lebensqualität verbessern und erleichtern. Zum Beispiel übers Netz einkaufen, wenn es sonst zu ­beschwerlich werde. Es brauche beim Prozess des Älterwerdens generell Se­lektion (bei Glatteis nicht mehr spazieren gehen), Optimierung (Hilfe organisieren) und Kompensation (Treppenlift einbauen, virtuell reisen).

Bei aller Digita­lisierung dürften aber das Emotionale und das Zwischenmenschliche weder vergessen werden noch verloren gehen. Die Referentin ermunterte zum Mut, sich dem Vitalitätsterror und dem ständigen Druck zu entziehen. «Man darf auch einfach mal nichts tun», versicherte sie.

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