Maler Hanke ehrt die Weibsbilder

Thun

In der Galerie Hodler in Thun entsteht derzeit eine Ausstellung mit Lithografien und Malereien von Ernst Hanke. Üppige Frauen und musikalische Tiere gehören zum Themenkreis des Künstlers.

Künstler Ernst Hanke (l.) und Galerist Markus Hodler tüfteln am Hängekonzept für die Ausstellung. Foto: Carolina Piasecki

Künstler Ernst Hanke (l.) und Galerist Markus Hodler tüfteln am Hängekonzept für die Ausstellung. Foto: Carolina Piasecki

«Jetzt habe ich Zeit für meine Kunst und muss nicht mehr für andere Leute schaffen», freut sich Ernst Hanke, der in Ringgenberg zusammen mit seiner Frau Erika eine schweizweit führende Steindruckerei betrieb. In seinem Atelier mit Blick auf den Brienzersee geht er immer mehr in seiner Malerei auf, die nicht selten Damen mit üppigen Formen zeigt. «Die Mageren haben genug Lobby», erklärt er verschmitzt.

Betrachter nicht überfordern

Galerist Markus Hodler traf den Künstler vor einiger Zeit bei einer Ausstellung in Interlaken und war sofort beseelt von der Idee, eine Auswahl an Lithografien und Gemälden in seiner Galerie an der Thuner Frutigenstrasse zu präsentieren. «Er ist ein begnadeter Künstler, der europaweit selbst Künstler betreute», schwärmt Hodler.

Es obliege ausschliesslich dem Künstler, welche Werke gezeigt werden, erklärt der Galerist und weist auf die Bilder hin, die noch an die Wand angelehnt am Boden stehen. Je nach Format der Objekte passen zwischen 20 und 40 Werke in den ersten Stock der hodlerschen Räumlichkeiten. Er könne auch mehr hängen, bemerkt Hodler, aber es gebe eine Obergrenze, um den Betrachtenden nicht zu überfordern.

Ernst Hanke hat rund 30 seiner Lieblingsarbeiten in die Galerie gebracht. Ein Hängekonzept auf dem Papier gibt es nicht. Vielmehr, so Hodler, verteile er zusammen mit den Künstlern jeweils die Bilder im Raum, dann beginne eine Art Flow, in dem aus Einzelteilen ein grosses Ganzes entstehe – das könne mal 30 Minuten, mal drei Stunden dauern.

Frauen in ganzer Schönheit

Ein paar Mäuse tummeln sich auf Orgelmanualen, ein Specht macht sich an einer Klarinette zu schaffen, und ein Eisvogel lugt aus einem Saxofon. Teils mit Partituren unterlegt, besitzen die erlesenen Lithografien eine stimmige wie humorige Ausstrahlung. Die Malereien mit üppigen Frauen und sinnlichen Décolletés sind Ernst Hankes Hommage an Damen, die sich nicht mit Diäten kasteien.

Ob als Gänseliesel inklusive Gans, mit Elefant im Rücken, während ein Nilpferd mit einem Auge zwinkert oder in festlicher Robe, mit kessem Blick und kokett gezücktem Lorgnon: Die Kingsize-Matronen erstrahlen in ganzer Schönheit.

Wer darf ins Schaufenster?

Die Meerjungfrau von Ernst Hanke stellt sämtliche schlanken Vorbilder in den Schatten, während ihr Haustier, ein Hai, zu ihren Füssen wacht. Seepferdchen umschweben die flossige Meeresbewohnerin. Was diese besonderen Geschöpfe zu bedeuten hätten, wird der Künstler gefragt, und der erwidert trocken: «Da war es so leer.»

Noch muss entschieden werden, welche Bilder ins Schaufenster kommen, um Passanten in die Ausstellung zu locken. Ob die Erdkröte mit der Klarinette und der spanische Windhund aufgehängt werden, ist auch noch nicht ganz klar. Doch bis zur Vernissage wird jedes Kunstwerk seinen Platz gefunden haben.

Ernst Hanke, Rückblick und neue Arbeiten, Malereien und Litho­grafien, 7. April bis 4. Mai, Galerie Hodler, Frutigenstrasse 46A, Thun. Der Künstler ist an der Vernissage, am 13. April sowie an der Finissage anwesend.

Thuner Tagblatt

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