«Mediterrane Nächte»: Bisher läuft es rund

Thun

Wenn es warm ist, darf in der Thuner Innenstadt länger gewirtet werden: Dieser Versuch läuft seit einem Monat. Eine erste Bilanz zeigt nun, dass Reklamationen und Auswüchse weitgehend ausblieben.

Runde Sache? Der Mühleplatz mit dem Riesenrad gestern Abend. Bisher läuft der Versuch «Mediterrane Nächte» weitgehend positiv.

(Bild: Markus Hubacher)

Mediterranes Feeling kommt in Thun schon länger auf – schliesslich wird der beliebte Mühleplatz auch als Riviera der Kyburgstadt bezeichnet. Dass aber für die Aussenbeizen in der Innenstadt auch bei schönstem Sommer­wetter spätestens um 0.30 Uhr Schluss ist, behagte dem Verein Pro Nachtleben Thun gar nicht: Co-Präsidentin Alice Kropf setzte sich im Verein wie auch als SP-Stadträtin für längere Öffnungszeiten ein. Was wiederum bei Anwohnern auf Widerstand stiess.

Schliesslich einigten sich Pro Nachtleben, der Innenstadtleist und die Stadt an einem runden Tisch auf einen Kompromiss: Im Rahmen eines Versuchs dürfen Gartenrestaurants in der Innenstadt seit dem 1. Juli während der Sommerferien freitags und samstags in sogenannt «mediterranen Nächten» bis 1.30 Uhr Gäste bewirten. Konzerte beim Festival Am Schluss dürfen zudem statt bis 22 Uhr eine Stunde länger dauern. Noch läuft der Versuch – aber nach einem knappen Monat ist es Zeit für eine erste Bilanz.

Leist sieht keine Gründe für Abbruch

«Bis jetzt ist mein persönlicher Eindruck, dass sich die zusätz­liche Lärmbelastung durch die verlängerten Öffnungszeiten in Grenzen hält», sagt René E. Gygax, Co-Präsident des Thuner Innen­stadtleists (TIL). Eine Ausnahme sei der letzte Samstag gewesen, als der Lärm durch Geschrei und Musik «bis gegen 3 Uhr anhielt».

Bei ihm seien bis jetzt zwei konkrete Klagen von Anwohnern eingegangen, die den Versuch grundsätzlich ablehnten. Positiv aufgefallen ist dem ehemaligen Chefredaktor von «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer», dass beim Festival Am Schluss die Zeiten tadellos eingehalten worden seien.

Dass es mit der Versuchsregelung sogar weniger Lärm gebe, weil die Leute länger in den Beizen verweilen und nicht umherziehen, kann Gygax hingegen nicht bestätigen: «Es gibt einfach eine zeitliche Verschiebung. In den Restaurants ist der Gesprächslärm tatsächlich ein Stück weit kontrolliert – aber irgendwann machen sich die Leute ja trotzdem auf den Heimweg.» Für den TIL-Co-Präsidenten ist klar: «Die Nutzer entscheiden durch ihr Verhalten über den Erfolg und eine allfällige Weiterführung.»

Er hält aber fest, dass er bisher nie den Eindruck gehabt habe, der Versuch müsse vorzeitig abgebrochen werden. Wie es weitergeht, ist für René E. Gygax offen: «Wir müssen den Versuch laufen lassen und danach Bilanz ziehen.» Für diese würden die Rückmeldungen der Leistmitglieder mitberücksichtigt, «damit wir eine möglichst breitabgestützte Haltung einnehmen können».

Verein Pro Nachtleben möchte Lösung beibehalten

Sehr zufrieden mit dem Versuch zeigt sich derweil Alice Kropf von Pro Nachtleben Thun: «Es ist aus meiner Sicht bisher alles positiv gelaufen.» Auch sie hat gehört, dass es am letzten Samstag sehr lärmig gewesen sei. Aber: «Solange die Leute in den Beizen sind, hält sich der Lärm in Grenzen – die soziale Kontrolle funktioniert besser.»

Das Ganze sei zudem wetterabhängig: Bei tieferen Temperaturen seien entsprechend weniger Leute draussen. «Wenn es kalt ist, werden die Terrassen nicht bedient. Das zeigt für mich, dass es auch mit einer Liberalisierung und ohne die 1.30-Uhr-Guillotine funktionieren würde.» Teil des Versuchs ist es, dass der Verein Pro Nachtleben einen zusätzlichen Ordnungsdienst organisiert – ein Punkt, dem Kropf skeptisch gegenüberstand.

Jetzt ist ihr Zwischenfazit positiv: «Die Zusammenarbeit ist sehr gut.» Die Protokolle, die sie jeweils erhalte, hätten gezeigt, dass es nur ganz zu Beginn Probleme gegeben habe: So profitierte ein Betrieb von den verlängerten Öffnungszeiten, obwohl er gar nicht am Versuch teilnahm. Insgesamt machen 18 Restaurants mit. Sie zahlen je 50 Franken – mit diesem Betrag wird der zusätzliche Sicherheitsdienst finanziert.

Dass beim Festival Am Schluss viele Konzerte sogar vor der Deadline endeten, hat auch Alice Kropf festgestellt: «Das ist sicher beruhigend für die Anwohner.» Die Stadträtin lobt das Thuner Polizeiinspektorat für die unkomplizierte Lösung – der Versuch kann ohne Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden – und hält fest: «Die Erfahrungen sind sehr gut. Diese Lösung sollte unbedingt beibehalten werden.»

Stadt will keine Instanz, die «mediterran» definiert

Ein «grundsätzlich positives Zwischenfazit» zieht auch der zuständige Gemeinderat, Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP). «Die Lokale, die am Versuch teilnehmen, halten sich an die Spielregeln.» Er spricht von zwei Fällen von Betrieben, die bis 1.30 Uhr geöffnet hatten, ohne am Versuch teilzunehmen – das sei «besprochen und geregelt worden».

Am letzten Wochenende habe es eine Lärmintervention gegeben – ob sie aber mit dem Versuch zusammenhänge, sei schwierig zu sagen, da es sehr viele Leute in der Stadt gehabt habe. Wurde die wenig konkrete Regelung «in mediterranen Nächten» strapaziert? «‹Mediterran› ist nicht für alle das Gleiche», antwortet Peter Siegenthaler. Es habe aber seines Wissens keine Auswüchse gegeben. «Was wir als Stadt nicht wollen: dass eine Instanz jeweils um 16 Uhr entscheiden muss, ob jetzt eine ‹mediterrane Nacht› ansteht oder nicht», betont der Sicherheitsvorsteher.

Der Versuch läuft noch bis zum 6. August. Im September ist laut Siegenthaler ein Termin mit Pro Nachtleben und dem Innenstadtleist angesetzt: «Wir werden eine saubere Auswertung machen und das weitere Vorgehen besprechen. Wir als Vermittler werden versuchen, eine Lösung zu ermöglichen, hinter der auch wir als Stadtbehörden stehen können.»

Aufgrund dieser Gespräche werde er einen Antrag an den Gesamtgemeinderat stellen. Diesem obliegt schliesslich der Entscheid, welche Rahmenbedingungen für die «mediterranen Nächte» im nächsten Thuner Sommer gelten werden.

Thuner Tagblatt

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