Mehrere Wirte nutzen die neue Freiheit

Thun

Seit Juni dürfen Wirte in der Thuner Innenstadt wieder Gesuche für zusätzliche Aussensitzplätze stellen. Mehrere Gastronomen haben sich rasch um neue Plätze bemüht – zum Beispiel Mario Correia vom Casa Iberica.

Mario Correia, Wirt des Casa Iberica, kann seine Gäste während des Sommers neu auch auf den zusätzlichen Sitzplätzen in der Marktgasse empfangen. Lediglich fürs Thunfest muss er die Plätze freigeben.

Mario Correia, Wirt des Casa Iberica, kann seine Gäste während des Sommers neu auch auf den zusätzlichen Sitzplätzen in der Marktgasse empfangen. Lediglich fürs Thunfest muss er die Plätze freigeben.

(Bild: Gabriel Berger)

Mario Correia kann wieder lachen. Seit dem 1. August bedient der Wirt des Restaurants Casa Iberica (früher Walliserkanne) in der Marktgasse in Thun seine Gäste vermehrt auch im Freien – auf einer Fläche, die normalerweise parkierten Autos vorbehalten ist (siehe Infobox).

Die letzten Monate waren für den 50-Jährigen, der auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira aufgewachsen ist, nicht einfach. Die eingeschränkte Erreichbarkeit sorgte dafür, dass viele der 60 Plätze im Innern des Restaurants oft leer blieben. «Wegen der Baustellen in der Innenstadt ist unser Umsatz in diesem und im vergangenen Jahr um rund die Hälfte zurückgegangen», erzählt Correia. Davor ging es für das Gasthaus, das spanische und portugiesische Spezialitäten anbietet, während Jahren nur in eine Richtung: aufwärts.

Bisher durfte Mario Correia in der warmen Jahreszeit entlang des Trottoirs in der Marktgasse jeweils drei kleine Tischchen aufstellen. Dass es nun deutlich mehr sind, geht auf eine veränderte Bewilligungspraxis zurück. Im Juni gab der Thuner Gemeinderat bekannt, dass die Bewirtschaftung neuer, zusätzlicher Aussensitzplätze bis 0.30 Uhr in der ganzen Innenstadt ab sofort möglich sei. Davor waren während mehrerer Jahre keine neuen Aussensitzplätze bewilligt worden.

Nach dem Entscheid meldeten mehrere Gastronomen aus dem Gebiet Marktgasse und Untere Hauptgasse ihr Interesse an. Der Wirt des Casa Iberica etwa stellte noch im gleichen Monat ein Gesuch für 60 neue Plätze – und erhielt vom Thuner Polizeiinspektorat Bescheid, dass er am Nationalfeiertag loslegen könne.

Jeweils bis Ende September

Nelly Schneider vom Polizeiinspektorat bestätigt auf Anfrage, dass Mario Correia diesen Sommer noch bis zum 30. September und im nächsten Jahr von April bis September die rund 50 neuen Aussensitzplätze gegen eine Gebühr bewirtschaften darf. Möglich macht dies eine gastgewerbliche Einzelbewilligung, auch Festwirtschaftsbewilligung genannt, die jeweils für maximal drei Monate gilt. Ohne diese hätte Correia zunächst das ordentliche Baubewilligungsverfahren mit Einsprachefrist, Schriftenwechsel und so weiter durchlaufen müssen – bis zum definitiven Entscheid des Regierungsstatthalters wäre die Sommersaison unter Umständen vorbei gewesen.

Marktgasse und Bärenplatz

Nebst Correia haben auch die Wirte von Simplyfine (bereits bewilligt), Red Ox, La Bodega und Tran Gesuche für neue Aussenplätze eingereicht. Laut dem stellvertretenden Stadtingenieur Daniel Rychener geht es total um circa 64 neue Plätze auf dem Bärenplatz und 56 in der Marktgasse. Da diese Flächen alle auf öffentlichem Grund liegen und die Stadt sie interessierten Gastronomen zur Verfügung stellt, hat das Thuner Tiefbauamt – in Zusammenarbeit mit dem Polizeiinspektorat und dem Planungsamt – stellvertretend das Baugesuch eingereicht. Zuvor hatten zudem auf eigene Initiative die Wirte von Red Ox und Rimini je ein Baugesuch eingereicht.

Das Restaurant Rimini ist aktuell das einzige Lokal, bei dem es um zusätzliche Aussensitzplätze auf privatem Grund – 40 an der Zahl auf der Terrasse im hinteren Bereich – geht. Über alle Gesuche befindet letztlich der Regierungsstatthalter.

«Gegen das Gesuch des Red Ox sind keine Einsprachen eingegangen. Der Bauentscheid ist in Sicht», sagt Regierungsstatthalter Marc Fritschi. Im Fall des Rimini habe es eine Einsprache gegeben. «Dort kommt es noch zum Schriftenwechsel mit der Stadt und dem Wirt, ehe ich einen Entscheid fälle», erklärt Fritschi. Bei den restlichen Verfahren läuft die Einsprachefrist noch.

«Existenzieller» Schritt

Mario Correia hofft, dass er im Laufe des Jahres auch noch die allgemeine Bewilligung für seine neuen Aussensitzplätze erhält. Er beabsichtigt, die Fläche in den nächsten Jahren während der Sommermonate dauerhaft zu bewirten. «Ansonsten fürchte ich hier wirklich um meine Existenz», sagt der Portugiese. Heute und morgen gibt Correia seinen neu gewonnenen Platz jedoch für kurze Zeit wieder ab – denn auch in der Marktgasse macht sich das Thunfest breit.

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