«Metropolis» und seine menschliche Botschaft

Thun

Der Stummfilm «Me­tropolis» wird am 3. November mit improvisierter Orgel­begleitung in der Stadtkirche Thun aufgeführt. Das Werk von 1927 ist ein Weltdokumentenerbe der Unesco. Darin spiegelt sich der Turmbau zu Babel, und zahlreiche Leinwandgrössen machen ihreersten filmischen Schritte.

Am 3. November wird der Film Metropolis zu Livemusik in der Thuner Stadtkirche gezeigt (Symbolbild).

Am 3. November wird der Film Metropolis zu Livemusik in der Thuner Stadtkirche gezeigt (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

«Der Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein.» Die Botschaft von «Metropolis» ist heute so lebendig wie in jener Zeit, als die Nazis schon eifrig ihre Braunhemden bügelten. Fritz Lang drehte den legendären Film Mitte der 1920er-Jahre – nach heftiger Kritik musste er ihn kürzen. 2011 gelang es, die Rekonstruktion des Monumentalstreifens wieder in die Kinos zu bringen, nachdem nach langer Suche eine ursprüngliche Kopie in Buenos Aires gefunden worden war.

Erster Science-Fiction-Film

Schauplatz des ersten Science-Fiction-Spielfilms ist eine futuristische Stadt. Heinrich George, der Vater von Götz George, spielt den Wächter der Herzmaschine. Fritz Rasp – später als hagerer Schurke wie in Edgar-Wallace-Krimis bekannt – brilliert als «der Schmale».

Für die Doppel­rolle Jungfrau/Maschinenhure wurde die aufstrebende Brigitte Helm verpflichtet. Sie zog sich 1935 aus dem Filmgeschäft zurück und zog mit ihrem Mann in die Schweiz. Denn die junge Schauspielerin, die mit ihrem fein geschnittenen Gesicht die Rolle des Vamps abonniert zu haben schien, wollte nicht mit den Nazis paktieren.

«Metropolis» verbindet drei Erzählstränge: Die Existenz einer Zweiklassengesellschaft, den Grössenwahn eines Diktators und die Kraft zweier sich ­liebender Menschen, die nach Wahrheit, Ethik und Menschlichkeit suchen. Christliche Bezüge werden deutlich im Element Grössenwahn – der Turmbau zu Babel im Alten Testament ist die biblische Parallele. Die unmenschliche Ausbeutung von Arbeitskräften wirft Fragen zur Würde jedes Menschen auf.

Live-Musik als Begleitung

Die neue Organistin der Thuner Stadtkirche, Babette Mondry, organisiert den Filmabend, der von Organist Johannes Fankhauser begleitet wird: «Ich schätze meinen Kollegen als hoch begabten Improvisator. Seine Künste lösen jeweils ein grosses Echo aus», schwärmt Babette Mondry.

Fankhauser habe schon zu einigen Stummfilmen improvisiert. Man könne sich leicht vorstellen, was nötig sei, um ein Meisterwerk wie «Metropolis» zu vertonen, es müsse quasi ein musikalisches Drehbuch im Kopf des Organisten abrufbar sein, erklärt Mondry die Herausforderung.

Stummfilm «Metropolis»mit Live-Orgelbegleitung, Stadtkirche Thun, 18.30 bis 20.30 Uhr, Eintritt frei, ­Kollekte.

cbs

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