Mit bestehender Crew in die Mokka-Zukunft

Thun

Nach Pädu Anlikers Tod sorgte die Zukunft des Mokka für Spekulationen und Falschmeldungen. Jetzt nehmen die Verantwortlichen Stellung: Das Mokka-Team bildet Betriebsgruppen und führt den Club weiter.

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Zuerst dominierten Schock und Trauer. Doch schon bald nach dem überraschenden Tod von Pädu Anliker stellten sich viele die bange Frage: Wie soll es mit dem Mokka weitergehen? Ist ein Betrieb ohne den omnipräsenten Master of Ceremonies überhaupt möglich?

Das Mokka-Team gab eine erste Antwort: Nachdem die Konzerte am ersten Wochenende nach Anlikers Tod abgesagt worden waren, machte die Crew mit grossem Einsatz weiter – acht Anlässe fanden seither statt, der neunte und grösste folgt heute mit dem Konzert von Element of Crime im KKThun.

Einige Medien verbreiteten zuletzt die Nachricht, Pädu Anlikers Sohn Michael Schweizer Anliker übernehme die Mokka-Leitung – eine Falschmeldung.

Gegenüber dieser Zeitung äussern sich Schweizer Anliker sowie Lukas Fuhrer und Daniel Landis vom Verein Mokka zum aktuellen Stand und zur mög­lichen Zukunft des Kultclubs.

­Michael Schweizer Anliker hält gleich zu Beginn fest: «Eigentlich sind die Falschen hier – es ist die Mokka-Crew, die am Drücker ist. Aber sie ist mit Vollgas am Arbeiten, und wir versuchen, ihr den Rücken freizuhalten.»

«Die Mokka-Crew ist mit Vollgas am Arbeiten, und wir versuchen, ihr den Rücken freizuhalten.»Michael Schweizer Anliker

«Grosses Engagement»

Zu seiner Rolle sagt Pädu Anlikers Sohn, der in Zürich seine eigenen Projekte in Angriff genommen hat: «Dass ich den Betrieb übernehme, ist für mich nicht vorstellbar. Das ist nicht mein Weg. Und Pädu wusste das auch.»

Er werde aber sicher mithelfen, dass das Lokal mit dem «Spirit» seines ­Vaters weiterlaufe. Und er übernimmt etwa Aufgaben wie das Aufarbeiten und Aufräumen der Computerdateien seines Vaters oder das Zusammentragen von Infos, wie dieser was genau organisierte.

Klar sei aber: «Den Club führt das Mokka-Team.» Diese Crew habe von Anfang an mit grossem Engagement weiterfunktioniert – «das ist bemerkenswert und wurde von den Besuchern sehr geschätzt», betont Lukas Fuhrer, Präsident des Vereins Mokka. Und er führt aus: «Das Team musste sich in vielem neu organisieren. Es bilden sich jetzt Betriebsgruppen, etwa für die Gastronomie, die Technik oder die Bandbetreuung.»

Entsprechend werde der Club von einem Kollektiv weitergeführt. Besteht da nicht die Gefahr, dass sich das Team übernimmt? «Das ist natürlich ein Thema. Es nützt niemandem, wenn die Leute ‹ausbrennen›», antwortet Daniel Landis.

Er ist Leiter der Fachstelle Kinder und Jugend im städtischen Amt für Bildung und Sport sowie Vertreter der Stadt im Vorstand des Vereins Mokka. «Wir vom Vorstand sind in der Verantwortung, das zu steuern und den Prozess zu begleiten: Arbeitsstrukturen festlegen, Verantwortung zuteilen, Löhne sichern.»

Der Verein Mokka erhält von der Stadt Thun einen Beitrag von 220 000 Franken pro Jahr für die Führung des Clubs. Damit wird ein Teil der Löhne bezahlt – bisher auch jener von Pädu Anliker. Mit dem vorhandenen Geld können laut Landis die Leute, die jetzt in der Verantwortung stehen, entsprechend entlöhnt werden.

Gesichert sei auch, dass Überzeiten ausbezahlt würden. Zudem hat Anliker laut Landis die Bücher zusammen mit einer externen Buchhalterin geführt, die entsprechend im Bild sei. Ein finanzielles Polster sei vorhanden.

Programm bis Ende Jahr steht

Lukas Fuhrer erklärt weiter: «Das Programm bis Ende Jahr wurde noch von Pädu Anliker ausgearbeitet.» Weitere Konzerte bis in den März 2017 seien gebucht – es gebe aber noch zahlreiche Lücken. «Diese können vorläufig durchaus auch bestehen bleiben», sagt Michael Schweizer Anliker.

Ihm ist klar, dass die ­Programmation das «Herz» des Mokkas sein werde und entsprechend wichtig sei. Lukas Fuhrer ergänzt, die für das Programm ­zuständige Betriebsgruppe habe bereits zahlreiche Ideen. «Zudem boten Leute aus dem Umfeld mit Booking-Erfahrung Hilfe an.» Namen nennt Fuhrer keine.

Er betont aber auch die riesige Solidarität unter den Künstlern, die etwa zum Teil auf ihre Gage verzichteten. Zudem sammelten DJs Geld für das Mokka. «Jetzt geht es darum, den Betrieb sicherzustellen. Erst in einem zweiten Schritt sind die neuen Programme ein Thema», führt Fuhrer aus.

Kaum eine einzige Person

Vorläufig ist also das Mokka-Team am Drücker. Ist längerfristig vorgesehen, dass wieder eine Person den Club führt? «Das müssen wir derzeit offenlassen», sagt Vereinspräsident Lukas Fuhrer. Dass eine einzige Person wie Pädu Anliker all die unterschiedlichen Aufgaben – Booking, Hauswart, Tontechniker, Bandbetreuer, Koch et cetera – übernimmt, sei kaum vorstellbar.

«Dass eine einzige Person wie Pädu Anliker all die Aufgaben übernimmt, ist kaum vorstellbar.»Lukas Fuhrer, Verein Mokka

Anlikers «liebevolle Diktatur» sei zwar für die Mitarbeitenden nicht immer einfach gewesen – aber diese hätten auch viel profitiert: «Der Drill zahlt sich jetzt aus – und die Crew will den speziellen Spirit weiterleben lassen und den Drive, den Pädu Anliker immer wieder einbrachte, ausnützen.»

Für Michael Schweizer Anliker ist klar: «Es braucht jetzt Zeit – und wir müssen dieser Crew die Zeit geben!»

Am Freitagabend findet im KKThun das vom Mokka organisierte Konzert von Element of Crime statt (ab 20 Uhr). Das weitere Programm und Infos zum Verein: www.mokka.ch.

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