Mit neuen Wohnformen Generationen verbinden

Thun

Miniquartiere, flexible Wohnungsgrundrisse, Junge und Alte, die sich gegenseitig unterstützen: Die Direktion Stadtentwicklung denkt über generationenverbindende Wohnformen für Thun nach.

<b>Symbolbild:</b> Das Freistatt-Areal in Thun.<p class='credit'>(Bild: Christoph Gerber)</p>

Symbolbild: Das Freistatt-Areal in Thun.

(Bild: Christoph Gerber)

Fast ein Viertel der Thuner Bevölkerung zählt über 65 Jahre – das erfordert auch wohntechnisch neue Ideen. «Generationenübergreifendes Wohnen ist bei der Stadtentwicklung durchaus ein Thema», sagt Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP), Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung. Nicht nur Pflegeheime sind eine Option für das Wohnen im Alter. Miniquartiere innerhalb der Stadt etwa können eine Art moderne Grossfamilie verkörpern. «Die Grundversorgung müsste gewährleistet sein, darunter Einkaufsmöglichkeiten oder Kinderhorte», sagt Dumermuth.

Zudem müsse es pro Quartier Wohnraum für Menschen jeden Alters geben: Jüngere Menschen können Alten bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben wie dem Einkauf helfen, Ältere haben Kapazität, sich zeitweise um die Kinder von Berufstätigen zu kümmern oder in einer vorhandenen Gemeinschaftsküche Mahlzeiten zuzubereiten. Das Miniquartier soll ein soziales Netz bieten, das gegenseitige Unterstützung gewährleistet. «Das geht über eine gute Nachbarschaft hinaus», sagt Dumermuth.

Raumansprüche ändern sich

Mit dem Alter nimmt die Umzugsbereitschaft ab. Erstrebenswert sind daher Wohnformen, die ermöglichen, dass Menschen in jeder Lebensphase am selben Ort wohnen können und dadurch eine Konstante in ihr Leben ­bringen. «Bindungen im Quartier können etwa zur Schulzeit der Kinder stark wachsen», ist ­Dumermuth überzeugt. Der Bewohner ist in seinem Umfeld verankert – die Raumansprüche verändern sich jedoch in jedem Alter.

Flexibilität ist daher Trumpf. Sogenannte «Schaltzimmer» etwa werden dank einem entsprechenden Gebäudegrundriss zwei verschiedenen Wohnungen zugewiesen – ziehen die Kinder der einen Familie aus, während die Nachbarsfamilie Nachwuchs erwartet, kann das Zimmer ohne übermässigen Aufwand von einer zur anderen Wohnung gewechselt werden. So ergeben sich neue Platzverhältnisse.

Initiative aus Bevölkerung

Um ein Zusammenleben der Generationen zu fördern, sind Vorgaben von aussen nötig. Dadurch wird sichergestellt, dass die gewünschte Durchmischung ab Beginn eines derartigen Wohnprojekts stattfindet. Dies stellen etwa die Verantwortlichen der Wohnbaugenossenschaft Warmbächli in der Stadt Bern fest. Auf dem Areal der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage planen sie eine Form des alternativen Wohnens.

«Es soll eine Hausgemeinschaft entstehen, in der alle Altersgruppen und Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und sozialem Hintergrund vertreten sind», ist auf der Website zu lesen. Ausserdem sollen Flächen für Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe geschaffen werden, die die Hausgemeinschaft ergänzen und einen Mehrwert für das Quartier bieten. Ein derartiges Projekt wäre auch in Thun realisierbar.

«Wir begrüssen, wenn die Initiative für derartige Projekte auch aus der Bevölkerung kommt. Ausserdem geben wir Investoren bestimmte Vorgaben zum Thema Generationendurchmischung. Diese sind angelehnt an die Wohnstrategie der Stadt Thun, insbesondere an das Teilprojekt ‹Neue Wohnformen›», sagt Marianne Dumermuth.

In Thun liegen noch einige Flächen brach, auf denen die Direktion Stadtentwicklung neuen Wohnraum plant, darunter die Siedlung Freistatt oder das Siegenthaler-Gut an der Hohmadstrasse (vgl. Haupttext). Auf konkrete Vorbildprojekte verweist Marianne Dumermuth nicht, jedoch: «Wir wollen Wohnraum schaffen, der zugleich auch ein Netz mit sich bringt, in dem sich die Bewohner aufgehoben fühlen.»

Auch die alte Schadaugärtnerei ist eines der städtischen Projekte. «Das Areal bietet sich dazu an, verschiedene Nutzungen zu vereinen.» Vier Zonen hat die Stadt dort vor einem Monat definiert (wir berichteten). Neben öffentlicher Nutzung ist auch Wohnraum vorgesehen. Dass jener mit den öffentlichen Angeboten verträglich sein müsse, sagte Dumermuth bereits vor Monatsfrist.

Ein offenes Konzept, bei dem Gastroangebot, temporäre Anlässe und Wohnen einhergehen, etwa mit einer Gemeinschaftsküche oder Freiräume, die von Besuchern und Anwohnern gleichermassen genutzt werden können, müsse man andenken. «Dazu braucht es die Toleranz der Anwohner», sagt Gemeinderätin Dumermuth.

Auch Junge anlocken

Die Familienfreundlichkeit der Stadt Thun zu fördern, ist ein weiteres Anliegen der Abteilung Stadtentwicklung: «Dabei setzen wir in der Planung etwa auf beruhigte Strassen.» Ziel sei es zudem, auch die «Zwischengenerationen» zurück nach Thun zu holen. «Wir sind keine Universitätsstadt, daher verlassen viele Thuner die Stadt mit 19, 20 Jahren wegen ihrer Ausbildung.» Gerade junge Menschen zwischen 20 und 30 seien daher untervertreten in der Stadt Thun. «Für ein generationendurchmischtes Zusammenleben braucht es aber Menschen jeden Alters.»

Berner Oberländer

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