«Mr. Gurtenfestival» bringt Open Air in Spiezer Bucht

Das Berner Oberland ist ab Sommer 2017 um ein grosses Open Air reicher: Die Wepromote AG mit Gurtenfestival-Ur­gestein Philippe Cornu lanciert in Spiez das Seaside Festival.

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Jürg Spielmann

«Seaside» steht zu Deutsch für «am Meer» oder «an der Küste gelegen». Wenn Ersteres auch nicht auf Spiez zutrifft, ist Letzteres im Sommer 2017 dort Programm. Seaside Festival heisst der jüngste Wurf in der Schweizer Festivallandschaft – über die Bühne wird er erstmals am 25. und 26. August in der Bucht, der selbst ernannt «schönsten Europas», gehen. Die Gemeinde Spiez und die Veranstalter bestätigen damit Recherchen dieser Zeitung.

Zusammen mit Summerdays

Das neue Seaside Festival will mit einem breiten Programm an internationalen Musikern aus dem Pop- und Rockbereich sowie mit Schweizer Bands, vorab aus dem diesbezüglich starken Bernbiet, bei einem breiten Publikum punkten. «Die zweitägige Veranstaltung richtet sich an Junge, Junggebliebene und an Familien», sagt Philippe Cornu vom Veranstaltungskomitee. Er ist seit 25 Jahren auch das musikalische Gewissen des Gurtenfestivals (siehe Kasten).

Das Konzept des Spiezer Open Airs mit einem Budget von 3 Millionen Franken basiert auf der Idee einer Partnerschaft mit dem Summerdays Festival. Dieses wird seit 2009 im thurgauischen Arbon durchgeführt – mit musikalischem Hauptaugenmerk auf Mainstream aus dem Rock- und Popbereich und Classic Rock. Im letzten Jahr haben unter anderem Deep Purple, Sunrise Avenue und Jan Delay am Ufer des Bodensees aufgespielt.

Laut Cornu erlaubt die Zusammenarbeit der beiden Festivals die Verpflichtung von «namhaften internationalen Acts» für zwei Shows am selben Wochenende. Die Planungsarbeiten sind in vollem Gang, erste vielversprechende Bandkontakte sollen bereits stattgefunden haben. «Die Headliner und Co-Headliner buchen wir gemeinsam. Zwei Offerten sind bereits raus, es sieht gut aus.» Mehr ist dem Booking-Profi zum Programm noch nicht zu entlocken.

Beim Open Air in Spiez werde nicht nur grosser Wert auf hochkarätige Bands, sondern auch auf die Qualität des kulinarischen Angebots, auf die Dekoration und die Beleuchtung des Geländes gelegt. Dieser Mix aus Festival und Fest für die breite Masse soll den Erfolg bringen – und keine Konkurrenz zu den Oberländer Spartenfestivals Greenfield sowie Trucker- und Country-Festival, die jeweils im Juni in Interlaken durchgeführt werden, sein.

«Wir sind klar der Meinung, dass es ein weiteres Festival verträgt», sagt Philippe Cornu. Das, weil es anders ausgerichtet sei und ein anderes Zielpublikum anspreche. Die Spiezer Bucht, die für das Seaside Festival abgesperrt und von der Rogglischeune in Richtung See beschallt wird, verfüge über «eine Kapazität von 8000 bis 10 000 Besuchern». Dass der Standort Spiez überhaupt zum Thema wurde, kommt nicht von ungefähr: Sacha Altermatt aus dem Team Cornus hat bis zu seinem 16. Lebensjahr in Hondrich gelebt.

Der seit 1994 in Bern lebende Heimwehspiezer war es denn auch, der von den Vorzügen der Naturarena wusste. Was es in Spiez übrigens nicht geben wird, ist ein Festivalcamping. Möglich sei jedoch eine Zusammenarbeit mit Zeltplätzen und Hotels in der Region, welche Packages schnüren könnten.

«Etwas Nachhaltiges»

Mit der Gemeinde Spiez, deren politischen Segen die Macher erhalten haben, wird nun die Detailplanung an die Hand genommen. «Den Gemeinderat hat der professionelle Eindruck überzeugt. Der Anlass ist gut und passt in die Bucht», findet Gemeindepräsident Franz Arnold. Ortsmarketing-Chef Stefan Seger ist ebenso überzeugt, dass das Vorhaben «Hand und Fuss» hat und nichts «völlig Schräges» sei.

Die Organisatoren hätten sowohl von der Behörde wie auch von der Kommission Koordination Bucht (KKB) grünes Licht erhalten, so Seger. Letztere, mit Vertretern der Gemeinde und der Anwohnerschaft, koordiniert seit Dezember 2014 alle Anlässe in der Bucht. Die ist ein sensibles Gebiet; sogenannt laute Ver­anstaltungen mit Immissionen über 22 Uhr hinaus sind deren sieben pro Jahr definiert. Eine Zahl, die übrigens seit Jahren nicht ausgeschöpft wird; 2015 zum Beispiel waren es deren fünf.

«Es ist klar, Grossveranstaltungen führen zu Belastungen, gerade in Wohngebieten», weiss Cornu. Er spreche aus Erfahrung. «Wir wollen dafür sorgen, dass es für alle tragbar ist.» Das soll unter anderem auch mit einem Verkehrskonzept gelingen, welches einen starken Einbezug der öffent­lichen Verkehrsmittel vorsieht. «Wir werden Lösungen mit der BLS anstreben», sagt Sacha Altermatt.

Man wolle ein nachhaltiges Festival «mit grosser Strahlkraft für Spiez und die Region» aufbauen, definiert Philipp Cornu als Ziel. Und: «Das Seaside soll ein Erlebnis sein.»

Berner Zeitung

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