Musikalisches Feuerwerk am Thunfest

Thun

Der Samstag bescherte den Gästen am Thunfest fröhliche Stunden mit exquisiter Livemusik. Auch der Rathausplatz füllte sich am späten Abend, obwohl der Zutritt 55 Franken kostete.

  • loading indicator

Mit dem vom Seeländer George später besungenen Lebensgefühl «Hie bini deheim» trudelten am Samstag Tausende von gut gelaunten Menschen in die Thuner Innenstadt – auf ein kühles Getränk, ein leckeres Znacht und beachtliche Liveauftritte mit aktueller Musik. Stadtpräsident Raphael Lanz wurde in der Marktgasse vor einem schmackhaft angerichteten Teller sitzend gesichtet, den er genüsslich mit einem Thunbier begleitete.

Auf der grossen Bühne auf dem Rathausplatz liess Marius Bear mit leidenschaftlichen Liedern wie «Blood of my Heartbeat» seine unter die Haut gehende Stimme aufs Publikum wirken. Der frühe Abend war wohl schuld, dass sich der Platz erst zu einem Drittel füllte. Denn an der Musikalität und den einfühlsamen, bärigen Liedern des Schweizer Künstlers und seiner Band kann es nicht gelegen haben, wie die anwesenden Fans mit begeistertem Applaus bestätigten. Den Preisträger des «SRF 3 Best Talent 2018» hat es mittlerweile nach London verschlagen, wo er sich den Beinamen «Schweizer Joe Cocker» einhandelte. Wie gut, dass sich der Appenzeller Marius Hügli in Bear umtaufte, denn der tierische Nachname eignet sich sicherlich besser auf seinem Weg zu internationalen Ruhm.

Festliche Therapie für durstige Kehlen

Noch war ein gutes Durchkommen in den Gassen und Strassen von Thun, was sich aber mit fortschreitendem Abend zu einem Volksfest mauserte, das dem Motto in berndeutscher SMS-Sprache «mägsehtsech – gibliebi – mäfröitsech» mehr als gerecht werden sollte.

Am Rathausquai allerdings zeigten sich die Fans der italienischen Muse schon in Feierlaune, denn der Rosé floss reichlich zu den leidenschaftlichen Klängen des Italothuners Roberto Brigante und seiner Band. Nicht nur die Servicemitarbeiterinnen waren überraschend schnell wie aus dem Boden gewachsen zur Stelle, um durstige Kehlen zu therapieren. Brigante selbst, der sein Publikum mit seiner authentischen Kunst begeisterte, hielt eine Überraschung bereit, als er George und seine Musiker auf die Bühne holte. Emotional intonierten die beiden «Freunde für immer – liebenswerte Spinner – immer eine Melodie im Kopf» zweisprachig, zu dem das Publikum das «Na na na» lebenslustig beisteuerte.

«Ich fühle mich jetzt mit 56 Jahren wie ein Bambino!»Roberto Brigante wähnte sich in einem Jungbrunnen.

George setze noch ein Highlight drauf, als er seinen Hit «Hie bini deheim» mit herrlicher Reibeisenstimme sang. Der Feuerzeug-schwenk-Song begeisterte die Gäste im bumsvollen Zelt, die fleissig auch «Wenn d Sunne hingerem Jura untergeit» mitsangen und selbst vor der Jodelpassage nicht haltmachten. Der in den vergangenen Monaten endlich bekannter gewordene lokale Cantautore Roberto Brigante versicherte: «Ich fühle mich jetzt mit 56 Jahren wie ein Bambino!» Die Technoversion von «Azzuro», die der DJ nach dem Auftritt laufen liess, beleidigte deshalb fast die Ohren.

Zuerst knallte Irish Rock, dann brillierte Reggae

Immerhin schon halb füllte sich der Rathausplatz zum 20-Uhr-Auftritt des Saint City Orchestra mit irischem Rock, bei dem sich die kostenlos erhältlichen Ohrstöpsel als lebensrettende Massnahme erwiesen. Musikalisch kraftvoll und geradlinig glich der Auftritt einer melodischen Presslufthammerbaustelle, vor der empfindliche Seelen flüchten mussten.

Vor der Bühne «Thun hat Talent» am Waisenhaus sah niemand einen Grund, das Weite zu suchen. Denn die einheimische Formation Baspa Ricardo lieferte eine Ska-Reggae-Show vom Allerfeinsten. Dem bunten Haufen um die Stimmen von Günther G. und Lea hätte man die ganz grosse Bühne gewünscht, doch das tat der Qualität der Band keinen Abbruch. Auf der Bühne dicht gedrängt groovte eine neunköpfige Combo in grossartiger Instrumentierung. Das satte Bläserset der Thuner samt Waldhorn fuhr den rund 200 Leuten sofort in die Beine. Wer zum Zuschauen oder zufällig vorbei kam, verliess die Konzertzone nach den Songs mit knappen Titeln wie «Fire» oder «Cry» als enthusiastischer Fan.

Qualitätsmagnetismus funktionierte zum Auftritt von Baschi dann doch. Als er nachts um zehn Uhr auf dem Rathausplatz mit seiner Band loslegte, gabs kaum noch ein Durchkommen.

Ein Mann für mehrere Generationen

Herrlich selbstironisch versicherte der Schweizer Star, «Dr Baschi isch e Schlampe», und liess damit den Funken zu beseelter Feierlaune springen. Melancholisch, munter oder mitreissend – Baschi beherrscht ein umfassendes Liverepertoire, mit dem er sein Publikum zu fesseln vermag. Was er nicht in der Kehle hat, macht er durch Ausdruck, Ausstrahlung und Bühnenshow mehr als wett.

«Dr Baschi isch e Schlampe!»Das Basler Musiker übte sich in Selbstironie.

Der Basler Rock-Hofnarr begeisterte generationenübergreifend den ganzen Platz. Für zahllose Nachteulen und Feierdurstige enterte zur Geisterstunde schliesslich der Vorzeigerapper Stress die Bühne. Der fast einzige erfolgreiche Bilinguekünstler der CH-Rockszene liess mit seinem legendären Sound undeingängigen Refrains keinen Zweifel daran: Die Party geht weiter.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt