Nach 20 wilden Jahren wird es ruhig

Sigriswil

Von Anfang an handgemacht und ohne Rücksicht auf die Gefühle von Schweizer Comichelden: Die 20. Ausgabe des Open Airs Schwanden wird zugleich die letzte sein.

Die Band Unistier organisiert das Festival und tritt auch auf.

Die Band Unistier organisiert das Festival und tritt auch auf.

(Bild: PD)

Der Skilift in Schwanden ob Sigriswil: Für die einen eine touristische Infrastruktur, die ihre Daseinsberechtigung allein mit der Beförderung von Wintersportlern erfüllt. Für die anderen Inbegriff für laute Stromgitarren, exzessive Partystimmung und ein Musikfestival, das in der Untergrundszene längst Kultstatus geniesst. Dieses Festival, das Open Air Schwanden, wird nun morgen Samstag zum 20. und letzten Mal über die Bühne gehen.

Die unangefochtenen Rekordhalter mit neunzehn Auftritten dürfen mit ihrem Toiletcore selbstverständlich auch diesmal nicht im Line-up fehlen. Denn ohne Uristier hätte es auch nie ein Open Air Schwanden gegeben. Ins Leben gerufen hatte es die einheimische Band, weil es einen vergleichbaren Anlass schlicht nicht gab. «Unser Gitarrist Urs Finger kam einmal mit der Idee, auf dem Grunderinseli etwas zu organisieren, aber das stellte sich als viel zu kompliziert heraus», sagt Sänger und Gitarrist Jörg Amstutz. Irgendwann habe man mit dem Skilift plötzlich den idealen Ort gefunden. «Es gab Strom, WC, Parkplätze, und da im Jahr 2000 eine Fussball-WM stattfand, gab es sogar schon eine Bar», sagt Amstutz.

Vor 20 Jahren begann der Kult um das etwas andere Festival. Bild: PD

Hohes Lehrgeld zu Beginn

Eine Bar zu haben, ist das eine. Die richtige Menge an Getränken einzukalkulieren, das andere. So ging den Veranstaltungsneulingen bei ihrer Premiere bereits abends um halb acht Uhr das Bier aus. «Glücklicherweise führten meine Eltern damals den Landgasthof Rothorn. So konnten wir auf die Schnelle Nachschub organisieren», erinnert sich Am­stutz. Aber nicht nur er zahlte an der ersten Ausgabe des Open Airs viel Lehrgeld. Weder Ton- noch Lichttechniker hätten viel Ahnung gehabt von dem, was sie taten. Umso schöner an der Geschichte sei, dass heute beide professionell auf dem Gebiet tätig sind. «Nur wir als Band sind immer noch Amateure», sagt Amstutz und lacht.

«In den ersten beiden Jahren hiess der Anlass noch Globi-Openair.»Jörg Amstutz, Veranstalter und Musiker

Gefragt nach den legendärsten Momenten der letzten 20 Jahre, rekapituliert der Uristier-Sänger die Episode um eine der bekanntesten Schweizer Comicfiguren. «In den ersten beiden Jahren hiess der Anlass noch Globi-Open-Air», sagt Amstutz. Der kinderfreundliche Papageienmensch zierte Flyer und war auch auf der Website des Open Airs anzutreffen. Weniger erfreut darüber war die damalige Chefetage des Globi-Verlags. «Sie meldeten sich bei uns und setzten uns eine Frist, die Figur und den Namen zu entfernen, andernfalls gebe es eine Klage», sagt Amstutz.

Von da an hatte das Open Air sein Logo gefunden: ein weisser Kreis mit rotem Ring, sprich ein Verbotszeichen, in dessen Mitte die Silhouette eines Fabelwesens prangt. (Manche behaupten bis heute, man erkenne darin einen Globi.)

Musik blieb die Hauptsache

Dass nach 20 Jahren nun Schluss ist, hat sich laut Jörg Amstutz schon seit einer Weile angekündet. «In der Band haben wir unterschiedliche Motivationen, zudem haben wir es verpasst, einen Nachfolger zu finden», sagt Amstutz. Aber genau diese familiäre Atmosphäre – Freunde der Band packten unentgeltlich mit an, auf Sponsoren wurde stets verzichtet – trug viel zum einzigartigen Charme des Festivals bei.

Ob das letzte Open Air überhaupt stattfinden würde, war nach dem unerwarteten Tod von Uristier-Schlagzeuger Michael Eicher nicht sicher. «In Absprache mit seiner Familie haben wir uns dann dazu entschieden, es durchzuziehen und Michu so auch Tribut zu zollen», sagt Am­stutz.

Das 20. und letzte Open Air Schwanden findet diesen Samstag, 7. September, statt. Das Programm: 19.30 Uhr: Chlepfmost. 20.15 Uhr: Blown. 21.15 Uhr: Uri­stier. 22.30 Uhr: Slam and Howie and the Reserve Men. 24 Uhr: Tight Finks. Eintritt: 20 Franken.Weitere Informationen: www.swissunderground.ch/schwanden

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