Nachmieter für das Lamm gesucht

Thun

Die Bewohner des Projektes «Berufliche Integration» verlassen per Ende Oktober das Lamm im Gwatt. Es wird ein Nachmieter gesucht. Start-in – Nachfolgerin von Pluspunkt – erweitert das Angebot.

Das Lamm im Gwatt: Die Glasscheiben der Lärmschutzwand sind nicht von Gläubigern entfernt worden, wie Passanten mutmassen.

Das Lamm im Gwatt: Die Glasscheiben der Lärmschutzwand sind nicht von Gläubigern entfernt worden, wie Passanten mutmassen.

(Bild: Nelly Kolb)

Viele fragen sich: Was passiert eigentlich mit und im Landgasthof Lamm im Gwatt? Das einst beliebte Quartierrestaurant ist seit langem geschlossen. Zu Erinnerung: Das von Jonas Baumann-Fuchs gegründete und im Lamm domizilierte Projekt Pluspunkt ging im Sommer 2017 in Konkurs.

Vor knapp einem Jahr übernahm die Gewa, Stiftung für berufliche Integration aus Zollikofen, Pluspunkt. Sie ist im praktisch identischen Bereich tätig und bietet jungen Menschen mit besonderem Bedarf Unterstützung in der be­ruflichen und der sozialen Integration mit Begleitung, Wohnen, Bildung und Arbeit.

«Wir betrachten dieses Angebot als wichtigen Schritt, um die Selbstständigkeit von jungen Menschen wirkungsvoll zu fördern.»Gewa-CEO Samuel Schmid

Bei Pluspunkt liefs lange gut. Die jungen Menschen wohnten im Lamm-Hoteltrakt und in Mietwohnungen und arbeiteten unter anderem im Gastbetrieb mit. Dann kam der Konkurs. Die Angebote «Glacenheit» und «Essen + Mehr» übernahm Transfair, den Rest die Gewa. So konnten die insgesamt 50 Arbeits- und Betreuungsplätze erhalten bleiben.

Neu nur kleinere Wohneinheiten

«Wir werden Ende Oktober aus dem Lamm ausziehen», sagt Gewa-Ceo Samuel Schmid auf Anfrage. Der Grund: Nicht alle Räumlichkeiten entsprechen den Anforderungen der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern – sie ist neu zuständig für die Betriebsbewilligung.

Neu werden die jungen Menschen nur noch in kleineren Wohneinheiten von zwei bis drei Personen zusammenleben. Die beiden Angebote Wohnform Thun und Spiez mit insgesamt 16 Mietwohnungen werden weitergeführt (in Thun ebenfalls im Gwatt).

Ambulante Angebote ausbauen

Pluspunkt heisst unter Leitung der Gewa neu Start-in. In Thun verfügt sie über Arbeitsplätze in Gartenbau, Logistik, Wäscherei, Verpflegung, Hauswirtschaft, Montage und Verpackung. Dabei wird mit örtlichen und regio­nalen Betrieben zusammengearbeitet.

Neu baut die Leitung Start-in das Angebot im Bereich ambulante Begleitung (Wohncoaching) aus. An den Standorten Thun, Spiez, Schönbühl, Bern und Zollikofen profitieren zukünftig junge Menschen vom ­begleiteten Wohnen, ob allein, in eigenen Studios oder in Wohn­gemeinschaften.

Ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit

«Wir betrachten dieses Angebot als wichtigen Schritt, um die Selbstständigkeit von jungen Menschen wirkungsvoll zu fördern», begründet Samuel Schmid. Sie benötigen Gelegenheiten, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, und erfahren mit der Arbeit und im Wohnalltag, was sie schon können und was es noch zu lernen gibt. «Schritt für Schritt weiterkommen schafft Selbst­vertrauen», ist Start-in-Leiter Herbert Ammann überzeugt.

Passanten haben beobachtet, dass bei der Lärmschutzwand entlang von Spielplatz und Lamm-Gartenwirtschaft die Glaselemente fehlen. Die Vermutung: Gläubiger haben sie abmontiert. Obwohl Gläubiger Grund gehabt hätten, ihrer Enttäuschung Ausdruck zu verleihen: «Eine lustige Idee, aber davon haben wir nichts gemerkt», ist bei der Gewa zu erfahren.

Thuner Tagblatt

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