Neuer Bahnfrust für Leissiger

Leissigen

Mit ihrem Vorhaben, die Bahngleise im östlichen Teil von Leissigen für eine neue Kreuzungsstelle um über einen Meter zu erhöhen, stösst die BLS auf Widerstand.

Das Holzprofil (links) zeigt an, wie hoch das Bahngleis hier künftig liegen soll. Foto: Bruno Petroni

Das Holzprofil (links) zeigt an, wie hoch das Bahngleis hier künftig liegen soll. Foto: Bruno Petroni

Bruno Petroni

Er nennt es schlicht die «Neue Leissiger Hochbahn», das Projekt der BLS zur Erhöhung des Bahntrassees: Der ehemalige Gemeindepräsident und heutige Vorsteher der IG Leissigen Futura, Beat Steuri, steht an der untersten Ecke seines 4500 Quadratmeter grossen Grundstücks unmittelbar neben dem Bahngleis. An dieser Stelle steht ein von den Verantwortlichen der BLS errichtetes Holzprofil, das die künftige Höhe der Bahnschienen zeigt.

Es sind 1,5 Meter, um welche das Bahntrassee erhöht werden soll. Und zwar, damit sich die Züge in Zukunft bis zur Unteren Ey hinunter kreuzen können. Durch die Trasseeverbreiterung würde aber die Überführung am Eybach zu knapp, weshalb die BLS die Bahnlinie erhöhen will.

Beat Steuri erinnert sich: «Vor einem Jahr, als wir mit der BLS-Projektleitung sprachen, war von einer Trassee-Erhöhung von gut einem halben Meter die Rede. Jetzt soll es plötzlich dreimal höher werden.» Steuri geht es nicht um seinen eigenen Landverlust von gegen 600 Quadratmetern, sondern «mir geht es darum, dass jetzt in Leissigen eine neue Hochbahn gebaut werden soll und dafür künftig die Züge nur noch vorbeifahren, kreuzen, anhalten, aber die Türen nicht öffnen. Und dies in einem Dorf, dessen Bewohnerzahl sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat und weiter im Wachsen begriffen ist. Steuri meint damit die Absicht der Politik, die Bahnstation Leissigen aufzugeben und einen Busbetrieb nach Interlaken einzuführen.

Beat Steuri wartet mit Zahlen auf, welche den Bau der Kreuzungsanlage ohne Dammerhöhung ermöglichen würden: «Die BLS sieht für Kreuzungsstellen generell eine Mindestdistanz von 560 Metern vor. In Planung ist hier in Leissigen aber eine Kreuzungsstelle von 860 Metern. Wenn die BLS die Kreuzungsstelle 70 Meter kürzen planen würde, könnte die Eybach-Überführung so belassen werden, wie sie ist, womit sie sich die Erhöhung der Bahnlinie und damit erst noch viel Geld sparen könnten. Und uns viel zusätzlichen Ärger.

Bis in drei Jahren soll das Projekt umgesetzt werden – die Auflagefrist läuft am kommenden Dienstag ab. «Die IG Leissigen Futura wird aber noch rechtzeitig Einspruch dagegen erheben», kündet der IG-Präsident an.

Auf Anfrage nimmt BLS-Mediensprecher Stefan Dauner wie folgt Stellung: «Die maximale Erhöhung von bis zu 1,3 Metern ist nur auf einem kurzen Streckenabschnitt im Bereich des Eybachs nötig. Diese Anhebung ist schon seit Beginn der Planung Projektbestandteil. Sie ist die Folge der Verbreiterung der Eybachbrücke und eines verbesserten Hochwasserschutzes.»

Auch zur Länge der Kreuzungsstelle äussert sich Dauner: «Damit keine Kurvenbegradigung nötig wurde, verzichten wir auf die Geschwindigkeitserhöhung von 75 auf 90 km/h. Dadurch wird jedoch eine Verlängerung der Kreuzungsstelle nötig, um den Fahrplan trotzdem einhalten zu können.» Schliesslich argumentiert der Pressesprecher für das Busangebot: «Die BLS hat sich für den Erhalt des Bahnangebotes in Leissigen eingesetzt. Über die Ausgestaltung des Angebots im Regionalverkehr entscheidet jedoch der Kanton – dies liegt nicht in unserer Kompetenz.»

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