Neuer Stresstest für den Verkehr

Thun

Für Thun ist es ein Jahrhundertprojekt: Der Bypass und die Begleitmassnahmen verändern die Verkehrssituation massiv. Klar ist: Auf die Bevölkerung kommt einiges zu. Wir beantworten die 10 wichtigsten Fragen.

Die drängendsten Fragen rund um die anstehenden Baustellensituationen. Video: Gabriel Berger

1. Warum braucht es die Anpassungen in der Innenstadt?

Im November wird der Bypass Thun-Nord eröffnet. Damit die Stadtumfahrung aber ihren vollen Nutzen entfaltet, setzen Stadt und Kanton auch in der Innenstadt Massnahmen um. Thuns Bauvorsteher Konrad ­Hädener (CVP) spricht an der gestrigen Medienkonferenz davon, dass man im bisherigen Rezeptbuch auf der letzten Seite angelangt sei. «Es braucht nun diesen Befreiungsschlag.» Mit dem Bypass und den Zusatzmassnahmen in der Innenstadt könne das kommende Verkehrswachstum bewältigt werden. Markus Wyss, Kreisoberingenieur des Kantons, weist darauf hin, dass der Bypass Thun-Nord und seine Begleitmassnahmen letztlich eine Folge der vor Jahren durchgeführten Gesamtverkehrsstudie darstellen. An den Arbeiten zu dieser Studie und zum Agglomerationsprogramm Verkehr hatten sich nebst Stadt und Kanton diverse weitere Gemeinden und Interessengruppen, wie zum Beispiel Quartierleiste, beteiligt.

2. Wo überall gilt künftig Einbahn?

Der Begriff geistert noch immer in Thun herum – aber einen «Einbahnring» rund um die Innenstadt wird es nicht geben. Dauerhafte Einbahnregimes gelten zwischen Bälliz und Guisanplatz sowie im Abschnitt Sinnebrücke–Lauitor – allerdings nicht für Busse und Velos. 2018 und 2019 kommt die Einbahnstrecke Lauitor–Berntor hinzu (siehe Grafik rechts). Zum definitiven Einbahnregime sagt Kreisoberingenieur Markus Wyss: «Dank dem Bypass wird es funktionieren.»

Noch laufen die Arbeiten am Bypass Nord. Danach wird an Berntorplatz, Lauitorstutz und zwei Aarebrücken gearbeitet (Archivbild). Bild: Christoph Berger

3. Was passiert am Berntorplatz?

Dieser Knoten wird komplett umgebaut – denn: «Den Mehrverkehr vom Lauitor her könnte der Kreisel nicht mehr aufnehmen», sagt René Wüthrich, Projektleiter Berntorplatz beim Oberingenieurkreis 1 des Kantons. Die Zufahrt von der Bernstrasse her wird zweispurig bleiben – links spurt aber nur ein, wer Richtung Spital/Steffisburg weiterfahren will (siehe Grafik unten). So ergibt sich laut Wüthrich eine Entlastung für die Verkehrsteilnehmer vom Lauitor her. Am Berntorplatz müssen Energie Thun AG und Tiefbauamt zuerst die zum Teil 80-jährigen Werkleitungen sanieren oder ersetzen.

4. Was passiert am Lauitorstutz?

Hier soll der Bau eines Radstreifens bergaufwärts und eines Trottoirs die Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer verbessern. «Das ergibt eine Klärung der ­Situation», sagt Stadtingenieur Rolf Maurer. Heute bremsen die Velofahrer im steilen Stück den Verkehr, zudem komme es zu ­gefährlichen Situationen. Im gleichen Projekt wird der sanierungsbedürftige Kanal des Chratzbaches unter der Strasse instand gestellt.

So sieht der neue Berntorkreisel aus:

5. Wie werden die Verkehrsräume Guisanplatz-Berntorplatz und Maulbeerplatz-Lauitor gestaltet?

Auf den beiden aarequerenden Achsen – Allmendbrücke und Sinnebrücke – gilt künftig wie erwähnt Einbahnverkehr, ausser für den ÖV und für Velos. Die Stadt plant eine «fussgängerfreundliche Umgestaltung und Aufwertung». Laut Rolf Maurer ist im Bereich Maulbeerplatz bis Bälliz wie auf der anderen Bällizseite das Aufmalen einer blauen Welle vorgesehen – diese funktioniere gut. In Richtung Bahnhof gibt es in diesem Bereich künftig nur noch eine statt zwei Fahrspuren – eben jene für Bus und Velo.

6. Wie sieht der Zeitplan aus?

Der Berntorplatz wird 2018 und 2019 in zwei je fünfmonatigen Bauphasen von Mitte April bis Mitte September erneuert und umgestaltet. In derselben Zeit erfolgt die Umgestaltung am Lauitorstutz. Die Umgestaltung der aarequerenden Achsen Allmendbrücke und Sinnebrücke wird vom Tiefbauamt der Stadt Thun voraussichtlich 2020 und 2021 jeweils zwischen Frühling und Herbst vorgenommen. Die Reihenfolge und der Bauvorgang stehen jedoch noch nicht fest. «Die Auswirkungen auf den Verkehr werden aber geringer ausfallen als 2018/2019, da die Burgstrasse normal in beiden Richtungen befahrbar ist», heisst es in der Medienmitteilung von Stadt und Kanton. Die Einbahnregimes zwischen Bälliz und Guisanplatz sowie im Abschnitt Sinnebrücke–Lauitor gelten ab April 2018.

«Rein baulich würde einer Rückkehr zur heutigen Situation nichts im Weg stehen.»Stadtingenieur Rolf Maurer zum Einbahnregime Freienhofgasse

7. Welches sind die grössten Herausforderungen?

«Das Bauen im engen innerstädtischen Bereich und auf stark belasteten Achsen und Knoten», sagt Stadtingenieur Maurer. Auch veraltete Leitungen und Schächte werden erneuert. Die Arbeiten müssten aufeinander abgestimmt sein. Wo dies sinnvoll sei, werde in Intensivbauweise gearbeitet. Die Behinderungen für den ÖV sollen so gering wie möglich gehalten werden.

8. Wie wollen die Planer den Verkehrskollaps während der Bauzeit verhindern?

«Beim Berntorplatz ist es nicht möglich, den ganzen Knoten zu sperren», ist sich Projektleiter René Wüthrich bewusst. In der Hauptrichtung vom Lauitor her Richtung Bern werde der Platz einspurig befahrbar sein. Der Verkehr in der Gegenrichtung wird durch die Innenstadt geführt. Wüthrich weiter: «Wir wollen den ÖV attraktiv behalten.» So seien praktisch keine Umleitungen für Busse geplant – und für Fahrräder gilt «möglichst freie Fahrt». Der Verkehr von Steffisburg her Richtung Gunten fliesst über den Bypass. Signalisationen sind auch auf der A 6 vorgesehen – die Innenstadt soll via Thun-Süd statt Thun-Nord angefahren werden. «Es wird trotzdem Verkehrsbehinderungen geben», sagt René Wüthrich. An neuralgischen Stellen wird in Spitzenzeiten der Verkehrsdienst eingesetzt. Helfen soll zudem in Sachen Einkaufsverkehr das neue Parkleitsystem.

9. Was ist anders als bei der temporären Einbahnphase im Sommer 2017?

Im Gegensatz zur Einbahnphase während des Umbaus des Guisankreisels steht bei den nächsten Schritten der Bypass Thun-Nord bereits zur Verfügung. «Verkehrsteilnehmende, die heute die Innenstadt von Norden nach Süden über die Achse Grabengut–Kuhbrücke queren müssen, werden künftig den Bypass als neue Route benutzen», schreiben Stadt und Kanton. In den Bauphasen werde sich zudem der Wegfall des Verkehrs vom Berntorplatz Richtung Lauitor positiv auf den Verkehrsfluss am Lauitor auswirken. Die Erfahrungen aus der Einbahnphase 2017 seien eingeflossen: So werde die provisorische Lichtsignalanlage am Lauitor nicht benötigt.

10. Wie informieren Kanton und Stadt die Bevölkerung?

Stadt und Kanton kommunizierten nicht nur gestern gemeinsam – sie wollen dies auch künftig tun. Vorgesehen sind etwa ein Newsletter, Anwohnerinformationen, ein gemeinsames Auskunfts- und Beschwerdetelefon. Zudem kann sich die Bevölkerung laufend auf einer eigens eingerichteten Website informieren (siehe Link unten).

www.verkehrszukunft-thun.ch

Thuner Tagblatt

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