Neues Gewand für die Kirche

Lauterbrunnen

Das mehr als 200 Quadratmeter grosse Turmdach der Kirche Lauterbrunnen ist nun mit neuen Holzschipfen eingekleidet.

Dachdecker Marcel Brand kleidet die Kirchturmspitze mit frischen Schipfen ein. Foto:Marcel Roth

Dachdecker Marcel Brand kleidet die Kirchturmspitze mit frischen Schipfen ein. Foto:Marcel Roth

«Wenn du die letzte Schipfe annagelst, glaubst du kaum, dass es bloss ein Monat her ist, seit du unten die erste hinmachtest.» Marcel Brand steht auf der obersten Etage des Gerüstes, das noch bis Mitte August den Kirchturm von Lauterbrunnen einhüllt. Stolz blickt der Dachdecker auf die seit Anfang Juni geleistete Arbeit.

Mit rund 45'000 Schipfen hat der gelernte Tavilloneur, so heisst das Fach des professionellen Schindel- und Schipfenmachers, das Kirchturmdach von Lauterbrunnen neu eingekleidet. Er und zwei weitere Tavilloneurs haben jede einzelne der etwa 42 Zentimeter langen und 5 bis 7 Millimeter dicken, handgefertigten, schindelartigen Fichtenholzplatten aus dem Suldtal an das elegant geschwungene Turmdach genagelt.

«Das war dringend nötig»

Mitte Mai wurde der Kirchturm eingerüstet. Seit Anfang Juni waren permanent fünf Leute an der Arbeit, um das über 60 Jahre alte Schipfendach zu ersetzen. «Das war dringend nötig», erklärt der Kirchgemeinderatspräsident Hans-Kaspar Steiner: «Ein Föhnsturm beschädigte im Frühling 2017 das Dach des Kirchturms.»

Bei provisorischen Reparaturarbeiten, für die im September 2017 die höchste Hebebühne der Schweiz zum Einsatz kam, wurde rasch klar: Das Dach benötigt eine Gesamtsanierung. Nun stehen diese Arbeiten kurz vor dem Abschluss. «Beeindruckend, was hier nun in kurzer Zeit geleistet wurde», freut sich Steiner: «Imposantes, exaktes, fachmännisches Schaffen.»

Glocken sind stumm

Auch Pfarrer Markus Tschanz zeigt sich «glücklich, dass der Kirchturm nun in neuem Glanz erstrahlt». Am vergangenen Montag, 29. Juli, stand er erstmals in schwindelerregender Höhe auf dem Gerüst. Die halbe Bevölkerung habe beim Projekt mitgefiebert. «Manche beobachteten die Fortschritte sogar mit dem Fernglas.»


Der Kirchturm von Lauterbrunnen hat eine Verjüngungskur erhalten. Foto: Hans Peter Roth

Im Tal sei auch der zurzeit fehlende Stundenschlag vom Kirchturm eine Besonderheit: «Für die Arbeiter wären die Glockenschläge zu laut.» Im Zuge der Dachsanierung wird übrigens auch das Zifferblatt der Turmuhr am über 500 Jahre alten Bau revidiert.

Für Dachdecker Marcel Brand ist es eine «Riesenfreude», nun das eindrückliche Resultat minutiöser, fokussierter Arbeit zu sehen. «Es ist fast wie nach einer anstrengenden Bergtour, den Gipfel erklommen zu haben. Du blickst runter und wunderst dich, wie du das geschafft hast.» Das neue Schipfendach dürfte den Kirchturm nun gut und gerne für die kommenden 75 Jahre zieren.

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